Atmungsorgane · HP-Intensivskript
Kapitel 1.1 – 1.6

Aufbau der Atemwege

Von der Nase bis zu den Bronchiolen — der Weg der Atemluft, anatomisch verstanden.

🗺️ Überblick: Obere vs. Untere Atemwege
Obere Atemwege
Nase — Filter, Wärme, Befeuchtung
Nasennebenhöhlen — Resonanzraum, Gewichtsreduktion
Rachen (Pharynx) — Nasopharynx / Oropharynx / Hypopharynx
Kehlkopf (Larynx) — Stimmbildung, Schutzreflex
Untere Atemwege
Luftröhre (Trachea) — ca. 12 cm, C-förmige Knorpelspangen
Hauptbronchien — rechts steiler → Fremdkörper gelangt eher rechts
Lappen- & Segmentbronchien
Bronchiolen — kein Knorpel, viel glatte Muskulatur
Der rechte Hauptbronchus verläuft steiler → Fremdkörperaspirate landen daher häufiger rechts. Eselsbrücke: „Rechts = Richtig steil."
👃 Nase — Funktionen im Detail

Die Nase erfüllt 5 Aufgaben: Anwärmen, Anfeuchten, Reinigen (Flimmerhärchen + Schleim), Riechen (Riechschleimhaut im oberen Nasengang, N. olfactorius) und Resonanz für die Stimme.

4 Nasennebenhöhlen
Stirnhöhle (Sinus frontalis)
Kieferhöhle (Sinus maxillaris)
Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales)
Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis)
Verbindungen
Stirnhöhle, Kieferhöhle, Siebbeinzellen → mittlerer Nasengang
Tränennasengang → unterer Nasengang
Riechschleimhaut
Lokalisiert im oberen Nasengang (Siebbeinplatte) — Prüfungsfrage!
Prüfungsklassiker: „Wo liegt die Riechschleimhaut?" → oberer Nasengang! Nicht unten, obwohl die Luft hauptsächlich unten strömt.
🔊 Rachen (Pharynx) — 3 Abschnitte
AbschnittLageWichtig für HP-Prüfung
Nasopharynxhinter der NaseHier mündet die Ohrtrompete (Tuba auditiva / Eustachische Röhre)! → Verbindung Mittelohr
Oropharynxhinter dem MundTonsillen (Gaumenmandeln), Schlucken
Hypopharynxhinter dem KehlkopfÜbergang zu Speiseröhre und Larynx
Die Eustachische Röhre mündet in den Nasopharynx (Nasenrachen). Bei Erkältung → Mittelohrentzündung durch Keimaszension möglich.
🌬️ Kehlkopf (Larynx) & Luftröhre (Trachea)

Der Kehlkopf schützt die Atemwege beim Schlucken (Epiglottis klappt zu) und erzeugt die Stimme (Stimmlippen = Stimmbänder). Das Kehlkopfskelett besteht aus mehreren Knorpeln, der wichtigste ist der Schildknorpel (Adams Apfel).

Die Trachea ist ca. 12 cm lang, von C-förmigen Knorpelspangen offen gehalten (verhindert Kollaps), und teilt sich an der Bifurkation (Carina) in die beiden Hauptbronchien.

🌿 Bronchien & Bronchiolen
Pathophysiologie Bronchiolen: Keine Knorpelspangen → halten sich nur durch den negativen Pleuradruck offen. Bei Emphysem → elastische Rückstellkraft der Alveolenwände ↓ → Bronchiolen kollabieren bei Ausatmung → „Air trapping" (Luft bleibt gefangen). Das erklärt das Fass-Thorax-Bild!

Steuerung der Bronchialmuskulatur durch das vegetative Nervensystem: Sympathikus (Beta-2-Rezeptoren) → Bronchodilatation. Parasympathikus → Bronchokonstriktion.

Beta-2-Sympathomimetika (z. B. Salbutamol) erweitern die Bronchien = Sympathikus-Mimikry. Beta-Blocker → können Bronchospasmen auslösen → bei Asthma kontraindiziert!
Atemweg in Reihenfolge: Nase → Pharynx → Larynx → Trachea → Hauptbronchus → Lappenbronchus → Segmentbronchus → Bronchiolen → Alveolen
Kapitel 1.7 – 1.10

Lunge, Pleura & Gasaustausch

Die Lunge als Tauschbörse: Sauerstoff rein, CO₂ raus — und wie das funktioniert.

🫁 Aufbau der Lunge
Linke Lunge
2 Lappen: Ober- und Unterlappen
Kleine Einkerbung (Herzkerbe) für das Herz
9 Segmente
Rechte Lunge
3 Lappen: Ober-, Mittel- und Unterlappen
Kein Herzkerbe → größer als links
10 Segmente
Prüfungsklassiker: Links = 2 Lappen, rechts = 3 Lappen! Eselsbrücke: „Drei Rechte" oder: das Herz braucht Platz links.
🫧 Pleura (Rippenfell)

Die Pleura besteht aus zwei Blättern: Pleura visceralis (liegt direkt der Lunge an) und Pleura parietalis (liegt der Brustwand an). Dazwischen liegt der Pleuraspalt mit wenig Gleitflüssigkeit und einem Unterdruck — dieser Unterdruck hält die Lunge entfaltet.

Warum kollabiert die Lunge bei Pneumothorax? Der Unterdruck im Pleuraspalt wird durch einströmende Luft aufgehoben → elastische Rückstellkraft der Lunge → Lunge fällt in sich zusammen. Kein Unterdruck = keine Entfaltung!
⚗️ Gasaustausch — Äußere & Innere Atmung
BegriffOrtVorgang
Äußere AtmungAlveolen → KapillarenO₂ in Blut, CO₂ aus Blut
Innere AtmungKörperzellenO₂ verbraucht, CO₂ produziert
A. pulmonalisrechtes Herz → Lungeführt venöses (O₂-armes) Blut!
Vv. pulmonalesLunge → linkes Herzführen arterielles (O₂-reiches) Blut!
Die Lungenarterie (A. pulmonalis) führt venöses Blut — Ausnahme der Regel „Arterie = sauerstoffreich"! Häufiger Prüfungsfehler.
🔵 Zyanose — Zentral vs. Peripher
Zentrale Zyanose
Blauverfärbung Schleimhäute + Lippen
Ursache: mangelhafter Gasaustausch in Lunge
Bei: Pneumonie, COPD, Herzfehler
Periphere Zyanose
Blauverfärbung Finger, Zehen, Ohrläppchen
Ursache: verminderte Durchblutung peripher
Bei: Herzinsuffizienz, Kälte
🏋️ Atemmechanik

Einatmung (aktiv): Zwerchfell kontrahiert → senkt sich ab. Inspirationsmuskulatur hebt die Rippen → Thorax weitet sich → Unterdruck → Luft strömt ein.

Ausatmung (passiv in Ruhe): Zwerchfell entspannt sich → hebt sich wieder. Elastische Rückstellkraft der Lunge drückt Luft heraus. Bei Belastung aktive Exspiration durch Bauchmuskeln.

Normale Atemfrequenz Erwachsener: 14–16/min (nicht 20–25! Dieser Wert ist erhöht = Tachypnoe).
Welche Aussage zur A. pulmonalis ist korrekt?
A
Sie führt sauerstoffreiches Blut von der Lunge zum Herzen.
B
Sie führt sauerstoffarmes (venöses) Blut vom Herzen zur Lunge.
C
Sie entspringt aus dem linken Ventrikel.
D
Sie gehört zu den Bronchialgefäßen.
Die A. pulmonalis (Lungenarterie) entspringt aus dem rechten Ventrikel und transportiert O₂-armes venöses Blut zur Lunge. Merke: Arterie = führt WEG vom Herzen — nicht notwendigerweise sauerstoffreich!
Kapitel 1.11 – 1.12

Lungenvolumina & Atmungsregulation

Zahlen, die man kennen muss — und wie der Körper die Atmung steuert.

📊 Lungenvolumina im Überblick
BegriffDefinitionNormalwert
Atemzugvolumen (AZV)Normaler Atemzug in Ruhe~500 ml
AtemminutenvolumenAZV × Atemfrequenz~7,5 l/min (15 × 0,5 l)
Inspirat. Reservevolumen (IRV)Zusätzlich einatembar nach normalem Einatmen~2,5 l
Exspirat. Reservevolumen (ERV)Zusätzlich ausatembar nach normaler Ausatmung~1,5 l
Residualvolumen (RV)Verbleibt trotz maximaler Ausatmung in Lunge~1,2 l
Vitalkapazität (VC)Max. Ein- bis max. Ausatmung = IRV + AZV + ERV~5 l
Totalkapazität (TK)VC + RV = alles in der Lunge bei max. Einatmung~6 l
Das Residualvolumen kann NICHT ausgeatmet werden → daher ist die Lunge nie komplett leer → verhindert Atelektase beim Gesunden.
Spirometrie misst VC und FEV₁ (Einsekundenkapazität). Das Residualvolumen kann die Spirometrie NICHT messen — dafür braucht man den Ganzkörperplethysmografen.
🧠 Atmungsregulation

Atemzentrum: Medulla oblongata (verlängertes Mark). Steuert Frequenz und Tiefe der Atmung.

Atemantrieb ↑ bei
↓ pH-Wert (Azidose)
↑ CO₂ (Hyperkapnie)
↓ O₂ (Hypoxämie)
Normwerte BGA
O₂-Sättigung: 94–98 %
pO₂: 80–108 mmHg
pCO₂: 32–47 mmHg
pH: 7,35–7,45
Haupttreiber normal
Primär CO₂-Partialdruck! Bei COPD-Patienten oft nur noch O₂ als Trigger → Sauerstoffgabe gefährlich!
COPD-Notfall: Bei chronischen COPD-Patienten kann sich das Atemzentrum an dauerhaft erhöhtes CO₂ gewöhnen und reagiert nur noch auf niedrigen O₂-Spiegel. Zu viel Sauerstoff per Maske → Atemstimulus fällt weg → Atemstillstand möglich! → O₂ vorsichtig dosieren.
💭 Pathologische Atemmuster — Prüfungsklassiker
AtmungstypBeschreibungUrsache / Kontext
Kussmaul-AtmungTiefe, regelmäßige, kraftvolle Atemzüge ohne PauseMetabolische Azidose: diabetisches Koma, Urämie, Unterkühlung
Cheyne-Stokes-AtmungPeriodisch an- und abschwellende Atemzüge mit kurzen Pausen (~20 s)Herzinsuffizienz, Hirnverletzung, Morphiumvergiftung, Urämie
Biot-AtmungKräftige Atemzüge unterbrochen von langen Pausen (regelloser)Lebensbedrohliche Störung des Atemzentrums
SchnappatmungEinzelne schnappende Züge, lange Pausen dazwischenKurz vor dem Tod, Atemzentrumversagen
TachypnoeAtemfrequenz > 20/minFieber, Pneumonie, Azidose, Anämie, Lungenembolie
Kussmaul = Koma/Azidose → tief & regelmäßig wie eine Maschine. Cheyne-Stokes = Crescendo-Decrescendo, wie eine Welle (Herz/Hirn). Biot = Regellos (Brainstem-Schaden).
Welche Atmungsform tritt typischerweise beim diabetischen Koma auf?
A
Cheyne-Stokes-Atmung — periodisch an- und abschwellend mit Pausen
B
Kussmaul-Atmung — tiefe, regelmäßige Atemzüge als Reaktion auf Azidose
C
Schnappatmung — einzelne Atemzüge mit langen Pausen
D
Biot-Atmung — regellose Atemzüge mit Pausen
Beim diabetischen Koma entsteht eine metabolische Azidose. Der Körper versucht, den pH durch verstärkte Ausatmung von CO₂ anzuheben → Kussmaul-Atmung: tiefe, regelmäßige, auffällig kräftige Atemzüge.
Kapitel 2.1

Rhinitis & Sinusitis

Erkrankungen der oberen Atemwege — häufig, aber mit wichtigen Komplikationen.

🤧 Rhinitis — Schnupfen (3 Formen)
FormUrsacheSymptomeTherapie
Akute RhinitisViren (Rhinoviren)Wässriges Sekret → eitriger SchnupfenSymptomatisch, abschwellende Nasentropfen (max. 7 Tage!)
Allergische Rhinitis
(Heuschnupfen)
Allergene → Mastzellen → HistaminWässriges Sekret, Jucken, Niesreiz, rote AugenAntihistaminika, Kortison-Spray, Desensibilisierung
Vasomotorische RhinitisVegetative Störung der NasenschleimhautWie allergisch, aber kein Allergen nachweisbarAbschwellende Mittel, Abhärtung
Abschwellende Nasentropfen (z.B. Xylometazolin) nicht länger als 7–10 Tage anwenden → sonst Reboundphänomen: Rhinitis medicamentosa (Abhängigkeit).
🦷 Sinusitis — Nasennebenhöhlenentzündung

Entstehung: Schwellung der Nasenschleimhaut → Ausführungsgänge der NNH verlegt → Sekretaufstau → Bakterien/Viren siedeln sich an. Auch Zahnwurzelinfektionen können Kieferhöhle betreffen.

Sinusitis maxillaris
Schmerz: Oberkiefer, Wangen, Zähne
Häufigste Form!
Sinusitis frontalis
Schmerz: Stirn, zwischen Augen
Gefährlichere Komplikationen!
Komplikationen
Orbitalphlegmone (Augenhöhle)
Meningoenzephalitis (Gehirn!) → sofortige Überweisung!
Sinusitis frontalis mit Lidödem, geröteten geschwollenen Augenlidern → V.a. Orbitalphlegmone → NOTFALL, sofortige Überweisung HNO/Klinik!
Eine 8-jährige Patientin hat seit Wochen Schluckbeschwerden, schläft schlecht und spricht undeutlich. Bei der Inspektion fallen vergrößerte Rachenmandeln (Adenoide) auf. Was ist die wichtigste Komplikation unbehandelter Adenoide?
A
Direkte Zahnschäden durch Mundatmung
B
Chronische Sinusitis der Keilbeinhöhle
C
Sprachentwicklungsstörung durch behinderte Nasenatmung und Hörstörungen (Mittelohrentzündung)
D
Erhöhtes Larynxkarzinom-Risiko
Adenoide (Rachenmandelhyperplasie) behindern die Nasenatmung → Mundatmung, Schlafstörungen, Mittelohrentzündungen durch Blockade der Eustachischen Röhre → Schallleitungsschwerhörigkeit → Sprachentwicklungsstörung. Häufig bei Kindern 3–8 Jahre.
Kapitel 2.1.3 – 2.2.2

Pharyngitis, Laryngitis & Kehlkopfkrebs

Heiserkeit als Leitsymptom — von harmlos bis lebensbedrohlich denken.

😮 Pharyngitis — Rachenentzündung

Fast immer viral (Rhinoviren, Adenoviren). Symptome: Halsschmerzen, Schluckschmerzen, Fieber, Heiserkeit, geschwollene Halslymphknoten. Wichtige Differenzialdiagnosen: Scharlach, Diphtherie, Mononukleose, Tonsillitis.

Bei Scharlach: Himbeer-/Erdbeerzunge, fleckiges Exanthem. Streptokokken-Schnelltest bei V.a. bakterielle Ursache → Antibiose vermeidet rheumatisches Fieber!
🗣️ Laryngitis — Kehlkopfentzündung

Leitsymptom: Heiserkeit bis Aphonie (vollständige Stimmlosigkeit). Ursachen: Viren, Bakterien, Überlastung der Stimme, Rauchen, Reizgase, Allergien.

Wichtig: Auch Flüstern belastet die Stimmlippen! → Stimmruhe heißt: GAR NICHT sprechen, auch nicht flüstern.
Therapie Laryngitis
1. Stimmruhe (absolut!)
2. Nicht rauchen
3. Inhalationen, Halswickel
4. Angefeuchtete Raumluft
Chronische Laryngitis
→ Stimmlippenknötchen (Sängerknötchen / Polypen)
→ Chronische Heiserkeit
→ Laryngoskopie beim HNO!
⚠️ Leitsymptom Heiserkeit — Differenzialdiagnosen
Akut: Virusinfekt, Überlastung → harmlos
Chronisch > 3 Wochen: Nikotinabusus, Medikamente, Rekurrensparese (bei Schilddrüsen-OP oder Bronchialkarzinom)
Progressiv > 3 Wochen: Immer Larynxkarzinom ausschließen! → Sofort HNO
🔴 Larynxkarzinom (Kehlkopfkrebs)

Häufigster Tumor im Kopf-Hals-Bereich. Hauptursachen: Rauchen + Alkohol (synergistischer Effekt!).

Heiserkeit > 3 Wochen → immer an Larynxkarzinom denken und zum HNO überweisen! Das ist eine HP-Grenze: niemals abwarten bei länger anhaltender progredienter Heiserkeit.

Therapie: Resektion des Kehlkopfs (Laryngektomie) + Strahlen-/Chemotherapie. Folge: dauerhaftes Tracheostoma, Verlust der Stimme.

🧒 Pseudokrupp

Subglottische Laryngitis bei Kleinkindern (1–5 Jahre), meist viral. Abends/nachts plötzlich bellender Husten, Heiserkeit, inspiratorischer Stridor, Atemnot. Kinder gehen oft ohne Symptome ins Bett!

Pseudokrupp: Stridor inspiratorisch (Verengung oberhalb der Stimmritze). Erste Hilfe: feuchte, kühle Luft (Fenster auf, Badezimmer mit Dampf). Kein Fieber typisch, kein Speichelfluss.
🆚 Epiglottitis — Unterschied zum Pseudokrupp
Pseudokrupp
Alter: 1–5 Jahre, viral
Kein/leichtes Fieber
Kein Speichelfluss
Bellender Husten
Feuchte Luft hilft
Epiglottitis (NOTFALL!)
Alter: 2–7 J., Haemophilus influenzae B
Hohes Fieber, schwer krankes Kind
Speichelfluss (kann nicht schlucken!)
Kein bellender Husten
→ SOFORT Notarzt, KEIN Rachenspatel!
Epiglottitis: Kind sitzt aufrecht, sabbert, hohes Fieber, inspiratorischer Stridor. NIEMALS Rachenspiegel einführen → kann totalen Laryngospasmus auslösen! Notarzt rufen, kein Kind ungeimpft lassen (HIB-Impfung!).
Kapitel 2.2.3 – 2.2.6

COPD — Bronchitis & Emphysem

Eine der häufigsten Todesursachen weltweit — und fast immer selbst gemacht.

📈 COPD — Was steckt dahinter?

COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) umfasst chronische obstruktive Lungenerkrankungen: chronische Bronchitis und Lungenemphysem. Ursache: zu 90 % Rauchen. Auch: Luftverschmutzung, Stäube, genetisch (Alpha-1-Antitrypsinmangel).

Chronische Bronchitis
Definition WHO: Husten + Auswurf an den meisten Tagen von ≥ 3 Monaten/Jahr über ≥ 2 Jahre
Hypertrophie der Schleimdrüsen, Hypersekretion
„Raucherhusten" morgens
Lungenemphysem
Irreversible Überblähung der Alveolen, Zerstörung der Alveolenwände
↓ elastische Rückstellkraft → Air trapping
Nicht heilbar!
Pathophysiologie Emphysem: Proteasen (Elastasen aus Neutrophilen, aktiviert durch Rauch) zerstören das Elastin der Alveolenwände → Alveolen platzen → große Blasen (Emphysemblasen). Spontanpneumothorax möglich! Bei Ausatmung kollabieren die Bronchiolen (kein Knorpel, kein Zug von außen mehr) → Luft bleibt gefangen.
🔍 Klinische Untersuchung beim Emphysem
Inspektion
Fassthorax: fassförmig erweiterter Brustkorb (verminderte Atemexkursion)
Zwerchfelltiefstand
Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
Uhrglasnägel, Trommelschlägelfinger
Perkussion
Hypersonorer Klopfschall (hohler als normal)
Tief stehende, wenig verschiebliche Atemgrenzen
Zwerchfelltiefstand
Auskultation
Leises, abgeschwächtes Atemgeräusch
Verlängerte Exspiration
Giemen, Brummen möglich
💡 Pink Puffer vs. Blue Bloater
Pink Puffer (Emphysem-Typ)
Schlanker Patient, rosa Hautfarbe
Tachypnoe, Lippenbremse
Kutschersitz (vorgebeugt, Arme aufgestützt)
Hyperventiliert, aber kompensiert O₂
Blue Bloater (Bronchitis-Typ)
Übergewichtiger Patient, zyanotisch (blau)
Husten mit Auswurf, Ödeme
Chronische Hypoxämie + Hyperkapnie
Oft Cor pulmonale (Rechtsherzinsuffizienz)
🏥 Therapie COPD
Sofortige Rauchentwöhnung — wichtigste Maßnahme!
Bronchodilatatoren (Beta-2-Mimetika, Anticholinergika als Inhalation)
Physiotherapie: Lippenbremse, Kutschersitz, Atemtraining
Impfung: STIKO empfiehlt Pneumokokken- und Influenza-Impfung
Sauerstoff-Langzeittherapie bei schwerer respiratorischer Insuffizienz
KEINE Heilung — nur Verlangsamung der Progression!
Tipps aus echten Prüfungen: COPD ist NICHT heilbar (falsch: Aussage 2 in Fragen). Körperliches Training ist NICHT kontraindiziert, sondern empfohlen. Spirometrie reicht zur Diagnose NICHT allein aus.
Welche Befundkombination ist typisch für ein Lungenemphysem? (1 richtige Antwort)
A
Gedämpfter Klopfschall + verstärktes Atemgeräusch + Zwerchfellhochstand
B
Hypersonorer Klopfschall + leises Atemgeräusch + Zwerchfelltiefstand + wenig verschiebliche Atemgrenzen
C
Hypersonorer Klopfschall + grobblasige Rasselgeräusche + Zwerchfellhochstand
D
Normaler Klopfschall + Giemen + normales Atemgeräusch
Beim Emphysem: überblähte Lunge → hypersonorer (hohlklingender) Klopfschall. Die Alveolenwände zerstört → kaum Geräuschentstehung → leises Atemgeräusch. Zwerchfell nach unten gedrängt (Tiefstand). Atemgrenzen tief und wenig verschieblich.
Kapitel 2.2.7

Asthma bronchiale

Die chronisch-entzündliche Atemwegserkrankung mit hyperreaktiven Bronchien — Pathophysiologie zuerst!

🔬 Pathophysiologie — Das Dreigestirn
Drei Mechanismen führen zur Bronchialobstruktion: 1) Bronchospasmus (Kontraktion der glatten Bronchialmuskulatur durch Parasympathikus/Allergene) 2) Schleimhautschwellung (entzündlich) 3) Vermehrte Schleimsekretion (zäher Schleim). Alle drei verengen das Lumen → Ausatmung erschwert (obstruktive Ventilationsstörung)!
📋 Formen des Asthmas
Extrinsisches / Allergisches Asthma
Beginn: Kindheit / Jugend
Trigger: Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare
IgE-vermittelt, Atopie
Bauernhof-Aufwachsen: SCHÜTZT vor Asthma!
Intrinsisches / Nicht-allergisches Asthma
Beginn: oft Erwachsenenalter
Trigger: Infekte, Kälte, körperliche Belastung, ASS, Betablocker
Kein Allergen nachweisbar
⚡ Auslöser eines Asthmaanfalls
Allergene (Pollen, Tierhaare) ASS / NSAR Beta-Blocker Kälte / kalte Luft körperliche Belastung Infekte (viral) Psychische Aufregung Witterungseinflüsse
ASS und NSAR können Asthmaanfälle auslösen (Aspirin-Asthma) durch Hemmung des COX-Enzyms → Leukotriene überwiegen → Bronchospasmen. Betablocker blockieren Beta-2-Rezeptoren → Bronchokonstriktion!
🩺 Klinische Untersuchung beim Asthmaanfall
MethodeBefundErklärung
InspektionSitzende Haltung, Kutschersitz, Lippenbremse, überblähter ThoraxAtemhilfsmuskulatur; Air trapping
PerkussionHypersonorer KlopfschallÜberblähte Lunge
AuskultationGiemen, Pfeifen, Brummen, verlängerte ExspirationTurbulenter Luftfluss in verengten Bronchien
„Silent chest"Kein Atemgeräusch hörbarKein Luftfluss mehr → schwerer Anfall! Lebensgefahr!
„Silent chest" beim Asthmaanfall = lebensbedrohlicher Zustand! Kein Geräusch = kein Luftfluss. Nicht als Besserung interpretieren! → Notarzt sofort.
💊 Therapie — Stufenschema
StufeDauermedikationBedarfsmedikation
1keineKurz wirksame Beta-2-Mimetika (z.B. Salbutamol)
2Inhalative Kortikosteroide (ICS) niedrigKurz wirksame Beta-2-Mimetika
3ICS mittel + lang wirksame Beta-2-Mimetika (LABA)Kurz wirksame Beta-2-Mimetika
4ICS hoch + LABA + TheophyllinKurz wirksame Beta-2-Mimetika + orale Kortikosteroide
🆘 Asthmaanfall — Sofortmaßnahmen (HP relevant)
Notarzt rufen
Sitzende Lagerung (Kutschersitz, erhöhter Oberkörper)
Enge Kleidung öffnen
Lippenbremse einsetzen lassen
Kurzwirksame Beta-2-Mimetika per Dosieraerosol (3 Hübe alle 30 min)
Sauerstoff per Maske
Venösen Zugang legen, Kortison i.v. (Arztaufgabe)
Asthma = obstruktive Ventilationsstörung (NICHT restriktiv!). Ausatmung hauptsächlich erschwert, nicht Einatmung. Typischer Stridor: EXSPIRATORISCH (Giemen). Inspiratorischer Stridor → andere Ursache suchen (Glottisödem, Trachealstenose).
Ein 58-jähriger Patient mit bekanntem Asthma sitzt schwer atmend am Bett. Sie auskultieren über allen Lungenabschnitten Giemen und Pfeifen sowie eine verlängerte Ausatmung. In welcher Position sollte er in die Klinik transportiert werden?
A
Stabile Seitenlage
B
Flache Rückenlage
C
Sitzend (erhöhter Oberkörper)
D
Schocklage (Beine hoch)
Bei Atemnot jeglicher Ursache gilt: sitzend oder mit erhöhtem Oberkörper transportieren. Das entlastet das Zwerchfell, erleichtert die Atemarbeit und nutzt die Atemhilfsmuskulatur optimal. Schocklage würde die Atemnot dramatisch verschlechtern.
Kapitel 2.3

Pneumonie & Lungenabszess

Die häufigste infektionsbedingte Todesursache — Typen, Befunde und HP-Grenze.

📊 Typisch vs. Atypisch
Typische Pneumonie (Lobärpneumonie)
Erreger: Pneumokokken (häufigste Ursache bei jungen Menschen)
Beginn: stürmisch mit hohem Fieber + Schüttelfrost
Auswurf: rotbraun (rostfarben)
Auskultation: feinblasige Rasselgeräusche, Bronchialatmen
Perkussion: gedämpfter Klopfschall über befallenem Lappen
Stimmfremitus + Bronchophonie: verstärkt
Atypische Pneumonie
Erreger: Mykoplasmen, Chlamydien, Legionellen, Viren
Beginn: schleichend, grippeähnlich
Auswurf: trocken, Reizhusten
Auskultation: oft unauffällig!
Röntgen: deutlich pathologisch — trotz kaum Befund bei Auskultation!
Diagnose: CRP, Thorax-Röntgen
Merkhilfe: Typisch = T wie Trompete (laut, dramatisch, Lobärpneumonie mit klaren Befunden). Atypisch = A wie Ausweichen (leise, schleichend, versteckt sich vor dem Stethoskop).
🔬 Wichtige Erreger
Pneumokokken
Häufigster Erreger bei jung + alt
→ typische Lobärpneumonie
Impfung: STIKO empfiehlt ≥65 J. + COPD
Mykoplasmen
Häufig bei Jugendlichen/jungen Erwachsenen
Atypischer Verlauf
„Walking pneumonia" (Patient noch mobil)
Legionellen
Wasserversorgung, Klimaanlagen
Atypisch, schwerer Verlauf
Meldepflichtig! (IfSG)
Pilze (Candida, Aspergillus)
Nur bei Immunsuppression
Atypische Pneumonie
Verdacht auf Pneumonie → sofortige Überweisung Arzt/Klinik! Als Heilpraktiker dürfen Sie KEINE Pneumonie eigenständig behandeln. → Keine eigene Diagnosestellung ohne Arzt ist HP-Grenze.
📋 Diagnose-Checkliste Pneumonie
Fieber (Cave: Ältere → oft kein Fieber → Kälte, Verwirrtheit statt Fieber!)
Tachypnoe (> 20/min)
Produktiver Husten, Auswurf
Thorax-Röntgen → Verschattung
CRP ↑, Leukozytose
Normales Fieber schließt Pneumonie NICHT aus — besonders bei Älteren (> 65 J.) oder Immunsupprimierten kann Fieber fehlen! (Prüfungsfrage Antwort A falsch: „Bei normaler Körpertemperatur ist Pneumonie ausgeschlossen" → FALSCH!)
🧫 Lungenabszess

Nekrose von Lungengewebe mit eitriger Einschmelzung. Ursachen: Pneumonie (häufigste Ursache), Fremdkörperaspiration, Lungeninfarkt, Bronchialkarzinom. Symptome: hohes Fieber, Nachtschweiß, übelriechender putrider Auswurf. Im Röntgen: Hohlraum mit Flüssigkeitsspiegel.

Bei welcher Pneumonie ist der Auskultations- und Perkussionsbefund oft UNAUFFÄLLIG, obwohl das Röntgenbild deutliche Verschattungen zeigt?
A
Pneumokokken-Lobärpneumonie
B
Atypische Pneumonie (z.B. Mykoplasmen, Legionellen)
C
Aspirationspneumonie
D
Bronchopneumonie
Bei der atypischen Pneumonie ist das Interstitium (Zwischenzellgewebe) betroffen, nicht die Alveolen direkt. Daher: kein typisches Bronchialatmen, keine Dämpfung bei Perkussion → klinische Untersuchung unauffällig! Aber Röntgen zeigt deutliche interstitielle Verschattungen. → Röntgen ist hier das entscheidende Diagnosemittel.
Kapitel 2.4

Lungenembolie & Notfallmanagement

Eine der häufigsten plötzlichen Todesursachen — rasche Erkennung rettet Leben.

🔬 Pathophysiologie — Woher kommen die Thromben?
Ablauf: Tiefe Beinvenenthrombose (TVT) → Thrombus löst sich → gelangt über V. cava inferior → rechtes Herz → A. pulmonalis → verstopft Lungenarterie → Lungenabschnitt nicht mehr durchblutet (Ventilations-Perfusions-Mismatch) → Hypoxämie → Rechtsherzbelastung → akutes Rechtsherzversagen!
Häufigste Thrombose-Quellen
Beinvenen (tiefe Beinvenenthrombose) — häufigste Ursache!
Beckenvenen
Seltener: Armvenen, rechter Vorhof
Risikofaktoren (Virchow-Trias)
Stase: Immobilität, langes Sitzen, OP
Hyperkoagulabilität: Thrombophilie, OVP, Karzinom
Gefäßwandschaden: Trauma, OP
Die Lungenembolie entsteht NICHT aus dem linken Vorhof! (Prüfungsfalle: linker Vorhof → Thromben → systemische Embolie, z.B. Schlaganfall, nicht Lungenembolie!). Lungenembolie = venöses System → rechtes Herz → Lunge.
⚡ Symptome der Lungenembolie
Kardinalsymptome
Plötzliche Dyspnoe
Tachykardie (>100/min)
Thoraxschmerz (pleuritisch)
Tachypnoe (>20/min)
Weitere Symptome
Hämoptyse (Blut im Auswurf)
Synkope / Präsynkope
Angstgefühl
Herzrhythmusstörungen
Was ist NICHT typisch
Fieber (eher kein Leitsymptom in Akutphase)
Angina pectoris (nicht typisch)
Exspiratorischer Stridor (nicht typisch)
Lungenembolie = HP-Grenze! Eine der häufigsten plötzlichen Todesursachen. Sofort Notarzt rufen. Typisches Szenario: Patient nach Knieoperation, langer Flugreise, Bettlägerigkeit → plötzlich Atemnot + Tachykardie → immer an Lungenembolie denken!
🫀 Folgen der Lungenembolie
Akute Rechtsherzbelastung → Rechtsherzversagen (Cor pulmonale acutum)
Blutdruckabfall, Schock
Bei Infarkt: Hämoptyse (Lungeninfarkt = hämorrhagische Nekrose)
Druckerhöhung im kleinen Kreislauf (pulmonale Hypertonie)
Ein 72-jähriger Patient kommt wenige Tage nach einer Kniegelenksarthroskopie mit plötzlichem Thoraxschmerz, Dyspnoe und Tachykardie (HF 160/min). Welche Diagnose hat Priorität?
A
Akuter Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
B
Pleuritis sicca
C
Lungenembolie
D
Pneumonie mit Pleuraerguss
Klassisches Szenario: postoperativer Patient nach Kniegelenks-OP (Immobilität → Beinvenenthrombose → Embolie) + plötzliche Trias aus Dyspnoe, Tachykardie, Thoraxschmerz → Lungenembolie bis zum Beweis des Gegenteils! Sofort Notarzt. Typische Prüfungsfrage.
Kapitel 2.6

Pleuraerkrankungen & Pneumothorax

Flüssigkeit oder Luft im falschen Raum — Befunde klar herleiten.

💧 Pleuraerguss — Ursachen
Transsudat (eiweißarm)
Herzinsuffizienz (Linksherzinsuffizienz häufigste Ursache)
Leberzirhose (↓ Albumin → ↓ koll. osmotischer Druck)
Nephrotisches Syndrom
Exsudat (eiweißreich)
Pneumonie (parapneumonisch)
Pleuraempyem (Eiter)
Pleurakarzinomatose (Tumormetastasen)
Lungenembolie, Tuberkulose
🔍 Befunde Pleuraerguss
UntersuchungBefund beim PleuraergussWarum?
PerkussionGedämpfter Klopfschall (basal)Flüssigkeit leitet Schall schlecht
AuskultationAbgeschwächtes bis aufgehobenes AtemgeräuschErguss dämpft Geräusche ab
StimmfremitusAbgeschwächt / aufgehobenErguss unterbricht Schallleitung
BronchophonieVermindertFlüssigkeit dämpft Stimmübertragung
AtemgrenzenTief stehend, wenig verschieblichErguss komprimiert Lunge
Merkhilfe Pleuraerguss: Alles „basal, gedämpft, abgeschwächt" — wegen der Flüssigkeit, die Luft verdrängt und Schall absorbiert.
🌪️ Pneumothorax — Arten
TypUrsacheBesonderheit
Spontan-PneumothoraxPlatzen von Alveolen/Emphysemblasen — bevorzugt junge, schlanke MännerRezidivgefahr 30%; oft nur leichte Symptome
Traumatischer PneuRippenfraktur, StichverletzungOffene Verbindung nach außen
Iatrogener PneuPleurapunktion, ZVK-Anlage, BeatmungKomplikation medizinischer Eingriffe
SpannungspneumothoraxVentilmechanismus: Luft rein, aber nicht rausLebensbedrohlich! Sofort entlasten!
🔍 Befunde Pneumothorax
UntersuchungBefundWarum?
PerkussionHypersonor auf betroffener SeiteLuft im Pleuraspalt, keine Dämpfung durch Lunge
AuskultationAufgehobenes AtemgeräuschLunge kollabiert, kein Luftfluss
StimmfremitusAbgeschwächt/aufgehobenLuft leitet Schall nicht weiter
InspektionAsymmetrische Thoraxexkursion, NachhinkenBetroffene Seite bewegt sich kaum
Spannungspneumothorax = absoluter Notfall! Mediastinumverlagerung zur gesunden Seite → Herz + Gegenlunge komprimiert → Schock. Sofort: Notarzt, bis dahin Oberkörper hoch, beruhigen, Venenzugang.
Pleuraerguss — Merkhilfe
Perkussion: gedämpft (Wasser dämpft)
Atemgeräusch: abgeschwächt
Stimmfremitus: abgeschwächt
Pneumothorax — Merkhilfe
Perkussion: hypersonor (Luft = leer = hohl)
Atemgeräusch: aufgehoben
Stimmfremitus: abgeschwächt
Ein 23-jähriger schlanker Mann berichtet über plötzlich aufgetretenen stechenden Schmerz links-thorakal und Dyspnoe. Bei der Auskultation ist links kein Atemgeräusch hörbar, die Perkussion ergibt links einen hypersonoren Klopfschall. Was ist die wahrscheinlichste Diagnose?
A
Pleuraerguss links
B
Pneumonie links
C
Spontanpneumothorax links
D
Lungenembolie
Klassischer Spontanpneumothorax: junger, schlanker Mann, plötzlich stechender Thoraxschmerz + Dyspnoe. Befunde: aufgehobenes Atemgeräusch + hypersonorer Klopfschall auf betroffener Seite (Luft im Pleuraspalt). Beim Pleuraerguss wäre der Klopfschall gedämpft, nicht hypersonor.
Kapitel 2.7

Lungenfibrose, Sarkoidose & Schlafapnoe

Interstitielle Erkrankungen und die Schlafstörung mit Todesfolge.

🧬 Lungenfibrose — Grundprinzip
Chronische Entzündung des Lungeninterstitiums → Fibrosierung (Vernarbung) → Alveolen zerstört → restriktive Ventilationsstörung. In 50 % idiopathisch. Endstadium: vernarbte, steife Lunge. Nicht reversibel!
⚗️ Ursachen Lungenfibrose
UrsacheKrankheit
Quarzstaub (Bergbau, Steinbearbeitung)Silikose (Staublunge)
AsbeststaubAsbestose (berufliche Exposition; Bronchialkarzinom-Risiko ↑↑)
Pilzsporen im Heu (Landwirte)Farmerlunge (exogen-allergische Alveolitis)
Vogelexkremente (Tauben, Wellensittiche)Vogelhalterlunge (exogen-allergische Alveolitis)
SystemerkrankungenSarkoidose, rheumatoide Arthritis, Sklerodermie
Medikamente / BestrahlungZytostatika, Amiodaron, Methotrexat
UnbekanntIdiopathische Lungenfibrose (50 %!)
🩺 Befunde Lungenfibrose
Auskultation
„Knisterrasseln" (Sklerosiphonie) basal, inspiratorisch
Wie „Klettverschluss" oder „Korkenreiben"
Lungenfunktion
Restriktive Ventilationsstörung
↓ Totalkapazität, ↓ Vitalkapazität
↓ Compliance (steife Lunge)
Symptome
Zunehmende Belastungsdyspnoe
Trockener Reizhusten
Tachypnoe
Uhrglasnägel + Trommelschlägelfinger
🌟 Sarkoidose (Morbus Boeck)

Systemerkrankung mit Granulombildung unbekannter Ursache. Bevorzugt junge Frauen 20–40 Jahre. Betroffene Organe: Lunge (90 %), Lymphknoten des Lungenhilus, Knochen, Haut, ZNS, Herz, Augen.

Löfgren-Syndrom (akute Sarkoidose): Arthritis Sprunggelenk + Erythema nodosum (druckschmerzhafte Knötchen an Unterschenkelstreckseiten) + bihiläre Lymphadenopathie → gute Prognose, oft spontane Remission.
Sarkoidose: Oft Zufallsbefund im Röntgen (bihiläre Lymphadenopathie). Nicht durch Aerosole übertragbar! Keine typische Infektionskrankheit. Heilpraktiker-Meldepflicht: NEIN (im Gegensatz zu Tuberkulose!).
😴 Schlafapnoe-Syndrom

Wiederholte Atemstillstände > 10 Sekunden während des Schlafs. Betroffen: vor allem übergewichtige Männer mittleren Alters. Ursache: erschlaffte Rachenmuskulatur → Kollaps der oberen Atemwege.

Leitsymptome
Lautes, unregelmäßiges Schnarchen
Atemstillstände (vom Partner beobachtet)
Übermäßige Tagesschläfrigkeit (Einschlafneigung!)
„Sekundenschlaf" → Unfallgefahr!
Komplikationen
Herzrhythmusstörungen (nachts)
Arterielle Hypertonie
Koronare Herzkrankheit
Erhöhtes Schlaganfall-Risiko
Erheblich erhöhtes Unfallrisiko!
Therapie
CPAP-Maske (wichtigste Maßnahme!)
Gewichtsreduktion
Schlafhygiene verbessern
Kein Alkohol am Abend!
Schlafmittel kontraindiziert!
Schlafapnoe: KEIN Alkohol am Abend (entspannt Rachenmuskulatur → verschlechtert Apnoe). Schlafmittel ebenfalls kontraindiziert! Diagnose: Polysomnografie (Schlaflabor), NICHT Spirometrie.
Welche Aussagen zum Schlafapnoe-Syndrom sind korrekt? (Wählen Sie die richtige Kombination)
A
Schlafmittel sind die Therapie der Wahl zur Verbesserung des Schlafes
B
Ein Glas Wein am Abend verbessert die Schlafqualität
C
Nächtliche Herzrhythmusstörungen, Tagesmüdigkeit und erhöhtes Unfallrisiko sind mögliche Folgen
D
Schlafapnoe tritt ausschließlich bei normalgewichtigen Patienten auf
Schlafapnoe-Folgen: nächtliche Herzrhythmusstörungen (durch wiederholte Hypoxie), Tagesmüdigkeit (Schlafunterbrechungen), und erhöhtes Unfallrisiko (Sekundenschlaf). Alkohol und Schlafmittel verschlechtern das Syndrom — beides kontraindiziert!
Kapitel 2.5

Bronchialkarzinom

Weltweit häufigster Krebs bei Männern — spät symptomatisch, schlechte Prognose.

📊 Epidemiologie & Ursachen

Das Bronchialkarzinom ist der weltweit häufigste Krebs beim Mann. Hauptursache: Zigarettenrauchen (85–90 % aller Fälle). Weitere Ursachen: Asbest, Radon, Chrom, Nickel, Arsen, ionisierende Strahlung.

Asbest + Rauchen = synergistischer Effekt → Risiko multipliziert sich (nicht nur addiert)!
⚠️ Symptome

Frühstadium: meist symptomlos! (Prüfungsfrage). Später:

Lokale Symptome
Chronischer Husten (neu oder verändert)
Hämoptyse (Blut im Auswurf)
Dyspnoe, Heiserkeit (Rekurrensparese!)
Obere Einflussstauung (V.-cava-superior-Syndrom)
Systemische Symptome
B-Symptomatik: Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Fieber
Leistungsminderung
Knochenschmerzen (Metastasen!)
Paraneoplastisches Syndrom
Trommelschlägelfinger
Horner-Syndrom
Cushing-Syndrom
Hyponatriämie (SIADH)
🔬 Histologische Typen
TypHäufigkeitPrognoseBesonderheit
Plattenepithelkarzinom~30 %MittelZentral gelegen, Raucher
Adenokarzinom~35 %MittelPeripher, auch Nichtraucher
Kleinzelliges Karzinom~15 %Schlechteste Prognose!Frühe Metastasen, neuroendokrin
Großzelliges Karzinom~10 %SchlechtKeine Differenzierung
Als HP: Bei Hämoptyse + chronischem Husten → immer Bronchialkarzinom in Differenzialdiagnose! Patient sofort zum Facharzt (Pneumologe/Internist). Keine eigenständige Behandlung. Neue Knochenschmerzen beim bekannten Bronchialkarzinom → Metastasen ausschließen → sofortige ärztliche Abklärung.
Zu den möglichen Symptomen eines Bronchialkarzinoms zählen: 1. Husten 2. Obere Einflussstauung 3. Hämoptyse 4. Rekurrensparese 5. Dyspnoe — Welche Aussage ist richtig?
A
Nur 1 und 5 sind richtig
B
Nur 1, 3 und 5 sind richtig
C
Nur 1, 2, 3 und 4 sind richtig
D
Alle Aussagen 1–5 sind richtig
Alle fünf sind mögliche Symptome: Husten (Reizung durch Tumor), Obere Einflussstauung (V.-cava-superior-Syndrom bei Kompression), Hämoptyse (Gefäßeinbruch), Rekurrensparese (Tumorinfiltration des N. recurrens → Heiserkeit!), Dyspnoe (Obstruktion, Atelektase). Merke: Rekurrensparese = Heiserkeit durch Karzinom ist HP-relevantes Warnsymptom!
Kapitel 3.2

Auskultation & Perkussion

Die körperliche Untersuchung der Lunge — Befunde aus Pathophysiologie ableiten.

👂 Atemgeräusche — Normalzustand

Vesikuläratmen: Normalbefund — leises, rauschendes Geräusch, vor allem bei Inspiration. Entsteht durch Luftfluss in Alveolen und kleineren Bronchien.

Bronchialatmen: Schärferes Geräusch, normal über Trachea und großen Bronchien hörbar. Pathologisch über Lunge bei Infiltration (Pneumonie) → Lungengewebe leitet Schall besser.

🎵 Rasselgeräusche (Nebengeräusche)
GeräuschBeschreibungUrsache / Erkrankung
Feinblasige RG (inspiratorisch)Klingendes, feinperlendes GeräuschPneumonie (Alveolen mit Sekret)
Mittelblasige RGBrodelndBronchitis, Bronchiektasen
Grobblasige RGLaut, blasigLungenödem (Alveolen voller Wasser), Bronchiektasen
Giemen (exspiratorisch)Hochfrequentes PfeifenObstruktion: Asthma, COPD
Brummen (exspiratorisch)Tiefes SummenObstruktion: Asthma, COPD, Sekret
Knisterrasseln (inspiratorisch)„Klettverschluss", „Korkenreiben"Lungenfibrose (Sklerosiphonie)
PleurareibenLederknarrendes Geräusch, verschwindet bei Atempause nichtPleuritis sicca
🔊 Stridor
Inspiratorischer Stridor
Verengung oberhalb der Stimmritze (Trachea, Larynx)
Ursachen: Pseudokrupp, Glottisödem, Trachealstenose, Epiglottitis
Nicht bei Asthma!
Exspiratorischer Stridor
Verengung in Bronchien (peripher)
Ursachen: Asthma, COPD, spastische Bronchitis
= Giemen
🥁 Perkussion — Klopfschallqualitäten
QualitätBeschreibungUrsache / Normal?
SonorGedämpt-volles, dunkles GeräuschNORMAL über gesunder Lunge
HypersonorLauter, hohler KlangEmphysem, Pneumothorax (Luft)
GedämpftDumpfer, leiser KlangPleuraerguss, Pneumonie, Atelektase (Flüssigkeit/Gewebe)
TympanitischHohler TrommelklangGasgefüllter Darm (normal abdominell)
🤲 Stimmfremitus & Bronchophonie

Stimmfremitus: Der Patient spricht „99" — der Untersucher ertastet die Vibrationen auf dem Thorax. Verstärkt bei Infiltration (Pneumonie). Abgeschwächt/aufgehoben bei Emphysem, Pneumothorax, Pleuraerguss, Pleuraschwarte.

Bronchophonie: Der Patient flüstert „66" — der Untersucher hört mit dem Stethoskop. Verstärkt bei Pneumonie (Infiltrat leitet Schall = Ägophonie bei festem Infiltrat).

Merkhilfe Pneumonie: Alles VERSTÄRKT — Stimmfremitus ↑, Bronchophonie ↑, Bronchialatmen. Denn: festes Gewebe leitet Schall besser als Luft (Telefon durch die Wand). Pneumothorax: alles ABGESCHWÄCHT (Luft leitet schlecht).
📋 Große Befundtabelle — Prüfungsüberblick
ErkrankungPerkussionAtemgeräuschStimmfremitusSonstiges
PneumonieGedämpftFeinblasige RG, BronchialatmenVerstärktBronchophonie ↑, Fieber, CRP ↑
EmphysemHypersonorAbgeschwächtAbgeschwächtFassthorax, Zwerchfelltiefstand
Asthma (Anfall)HypersonorGiemen, PfeifenAbgeschwächtExsp. verlängert, Silent chest = gefährlich
PleuraergussGedämpft (basal)AbgeschwächtAbgeschwächtAtemgrenzen tief, wenig verschieblich
PneumothoraxHypersonor (einseitig)AufgehobenAufgehobenNachhinken, Tachykardie
LungenfibroseNormal/gedämpftKnisterrasseln (basal)AbgeschwächtRestriktive Störung
Bei einer Lungeninfiltration (Pneumonie) ist der Stimmfremitus…
A
Abgeschwächt, weil die Alveolen mit Flüssigkeit gefüllt sind
B
Verstärkt, weil festes Gewebe Schall besser leitet als Luft
C
Aufgehoben, weil kein Luftfluss mehr stattfindet
D
Unverändert, weil der Stimmfremitus nur bei Pneumothorax verändert ist
Bei Infiltration (Pneumonie): Die Alveolen sind mit Zellen/Sekret gefüllt → festes Medium → leitet Schallwellen viel besser als Luft → Stimmfremitus verstärkt. Dies unterscheidet sich vom Pneumothorax (Luft = schlechte Schallleitung → abgeschwächt) und Pleuraerguss (Flüssigkeit zwischen Lunge und Thoraxwand → dämpft = abgeschwächt).
Kapitel 3.3 – 3.4

Lungenfunktion & Leitsymptome

Spirometrie verstehen, Sputum deuten und Dyspnoe systematisch angehen.

🌬️ Obstruktiv vs. Restriktiv
Obstruktive Ventilationsstörung
Atemwege verengt → Ausatmung erschwert
FEV₁ (Einsekundenkapazität) ↓↓
Residualvolumen ↑ (Air trapping)
Vitalkapazität: normal oder ↓
Beispiele: Asthma, COPD, Emphysem
Restriktive Ventilationsstörung
Lunge nicht mehr dehnbar → Einatmung begrenzt
Totalkapazität ↓
Vitalkapazität ↓
Compliance ↓ (steife Lunge)
Beispiele: Lungenfibrose, Pleuraschwarte
Prüfungsfallen Obstruktion vs. Restriktion: Lungenresektion → restriktiv (weniger Lungenvolumen). Ausgedehnter Pleuraerguss → restriktiv (komprimiert Lunge). Lungenfibrose → restriktiv. COPD/Asthma → obstruktiv.
📋 Sputum-Diagnostik — Farbe = Diagnose
Sputum-AussehenErkrankung
Wässrig, serös, rosig-schaumigLungenödem (Alveolen voller Flüssigkeit)
Zäh, glasig-klebrigAsthma bronchiale
Gelblich-eitrigBakterielle Bronchitis/Pneumonie
Rotbraun (rostfarben)Pneumokokken-Pneumonie
Dreischichtig (Blut/Schleim/Schaum)Bronchiektasen
Blutig (Hämoptyse)Bronchitis, Pneumonie, TBC, Bronchialkarzinom, Embolie
Größere Blutmengen (Hämoptoe)Bronchiektasen, Bronchialkarzinom, TBC
🩺 Leitsymptom Husten — Differenzialdiagnosen
Akuter Husten
Akute Bronchitis
Pneumonie
Lungenembolie
Pneumothorax
Fremdkörperaspiration
Chronischer Husten
COPD / Chronische Bronchitis
Bronchialkarzinom (immer ausschließen!)
Bronchiektasen, TBC
ACE-Hemmer (Nebenwirkung!)
Asthma cardiale (bei Herzinsuffizienz)
Chronischer Husten > 3–4 Wochen → immer Bronchialkarzinom ausschließen! → Fachärztliche Abklärung zwingend. Keine eigenständige Behandlung durch HP ohne ärztliche Abklärung!
💨 Leitsymptom Dyspnoe
FormDefinitionUrsachen
BelastungsdyspnoeNur bei körperlicher AnstrengungHerzinsuffizienz, COPD (früh), Anämie
RuhedyspnoeAuch in RuheSchwere COPD, Pneumonie, Lungenembolie
OrthopnoeNur im Sitzen, nicht im LiegenSchwere Herzinsuffizienz (klassisch!)
🌪️ Hyperventilationssyndrom

Psychogen bedingte, beschleunigte Atmung → vermehrtes CO₂-Abatmen → pH ↑ (respiratorische Alkalose) → ionisiertes Calcium ↓ → Muskelspasmen (Pfötchenstellung!), Kribbeln, Parästhesien, Panikgefühl.

Therapie Hyperventilation: In Plastiktüte atmen → CO₂ steigt wieder → Alkalose normalisiert sich → Krämpfe lassen nach. Gleichzeitig beruhigende Zuwendung.
Ein Patient mit bekannter COPD kommt in die Praxis mit zunehmender Atemnot. Welche Untersuchung gibt am besten Auskunft über das Ausmaß der Ventilationsstörung?
A
Blutbild (kleines BB)
B
Spirometrie (FEV₁ und Vitalkapazität)
C
Thorax-Röntgen in einer Ebene
D
EKG
Die Spirometrie misst FEV₁ (Einsekundenkapazität) und Vitalkapazität und ist das Standardverfahren zur Diagnose und Verlaufskontrolle obstruktiver und restriktiver Ventilationsstörungen. FEV₁ ↓↓ bei Obstruktion. Das Thoraxröntgen zeigt morphologische Veränderungen, aber quantifiziert die Funktionseinschränkung nicht.
Prüfungstraining

Prüfungsfragen — Mixed

Original-Prüfungsfragen im HP-Format — teste dein Wissen!

1. Welche Aussagen zu Atelektasen treffen zu? (2 richtige Antworten)
A) Sackförmige irreversible Ausweiterungen der Bronchien
B) Treten als Folge einer Kompression bei Pleuraerguss auf
C) Klopfschalldämpfung bei der Untersuchung
D) Grobblasige Rasselgeräusche typisch
E) Treten bei Neugeborenen nicht auf
A
A und E
B
D und C
C
B und E
D
B und C
B und C sind richtig. Atelektasen = kollabierte Lungenabschnitte (nicht belüftet). Entstehen durch Kompression (z.B. Pleuraerguss, Tumor) oder Obstruktion. Befunde: gedämpfter Klopfschall, abgeschwächtes Atemgeräusch. A beschreibt Bronchiektasen (nicht Atelektasen). Neugeborene: Atelektasen sind häufig (unreife Lunge!).
2. Welche Aussagen zum Asthma bronchiale treffen zu? (2 richtige Antworten)
A) Asthma ist eine entzündliche Erkrankung der Atemwege
B) Zählt zu den restriktiven Ventilationsstörungen
C) Inhalierbares Kortison ist Grundlage der Langzeittherapie
D) Beta-2-Sympathomimetika führen bei Überdosierung zur Bradykardie
E) Hypersonorer Klopfschall und Zwerchfellhochstand typisch
A
A und C sind richtig
B
B und C sind richtig
C
C und E sind richtig
D
A und B sind richtig
A und C richtig. Asthma ist definitiv eine chronisch-entzündliche Erkrankung (A ✓). Inhalative Kortikosteroide sind Basis der Langzeittherapie (C ✓). Asthma ist OBSTRUKTIV, nicht restriktiv (B falsch). Beta-2-Mimetika → Tachykardie (nicht Bradykardie!) bei Überdosierung (D falsch). Beim Asthmaanfall: Zwerchfelltiefstand (Überblähung), nicht Hochstand (E falsch).
3. Was beschreibt eine Cheyne-Stokes-Atmung?
A
Einzelne schnappende Atemzüge zwischen langen Pausen
B
Abnorm tiefe, regelmäßige Atemzüge (Azidose)
C
Erschwertes Atmen nur in aufrechter Haltung
D
Periodisches An- und Abschwellen der Atmung mit kurzen Atempausen
Cheyne-Stokes: crescendo-decrescendo Atemtyp — Atemzüge werden größer, dann kleiner, dann kurze Pause (~20 s). Ursachen: Linksherzinsuffizienz (Sauerstoffmangel im Atemzentrum), Hirnverletzung, Urämie. A = Schnappatmung. B = Kussmaul. C = Orthopnoe.
4. Welche Befunde sprechen für eine typische bakterielle Lobärpneumonie? (1 richtige Kombination aus: 1. Hohes Fieber 2. Tachypnoe 3. Gedämpfter Klopfschall 4. Aufgehobenes Atemgeräusch 5. Aufgehobener Stimmfremitus)
A
Nur 1 und 2
B
Nur 1 und 3
C
Nur 1, 2 und 3
D
Nur 2 und 4
1, 2 und 3 sind richtig. Hohe Fieber (1 ✓), Tachypnoe (2 ✓), gedämpfter Klopfschall über befallenem Lappen (3 ✓). ACHTUNG: Bei Pneumonie ist das Atemgeräusch nicht aufgehoben, sondern verändert (Bronchialatmen, Rasselgeräusche) (4 falsch!). Der Stimmfremitus ist VERSTÄRKT (nicht aufgehoben!) bei Infiltration (5 falsch!).
5. Bei der Untersuchung eines Patienten finden Sie rechts-basal ein fehlendes Atemgeräusch + Klopfschalldämpfung. Welche Diagnose ist wahrscheinlichste?
A
Lungenemphysem
B
Pneumothorax
C
Asthma bronchiale
D
Pleuraerguss / Pleuraschwarte
Fehlendes Atemgeräusch + gedämpfter (nicht hypersonorer!) Klopfschall basal → Flüssigkeit (Pleuraerguss) oder feste Schicht (Pleuraschwarte) zwischen Lunge und Thoraxwand. Pneumothorax: hypersonorer Klopfschall! Emphysem: hypersonor + abgeschwächt beidseits, nicht nur rechts-basal.
6. Welche Aussagen zur Lungenembolie sind korrekt? (1 richtige)
A
Der auslösende Thrombus verschließt die Pulmonalvene
B
Typisch sind Zeichen einer Linksherzbelastung
C
Thoraxschmerzen sprechen gegen eine Lungenembolie
D
Blut im Auswurf, Husten, Tachykardie, Tachypnoe können auf Lungenembolie hinweisen
D richtig. Die Embolie verschließt die Lungenarterie (A. pulmonalis), nicht die Vene (A falsch). Folge ist Rechtsherzbelastung, nicht Linksherzbelastung (B falsch). Thoraxschmerzen (pleuritisch) sind typisch für Lungenembolie (C falsch). D beschreibt korrekt die typische Symptomkonstellation.
7. Welche Erkrankungen sind typische OBSTRUKTIVE Atemwegserkrankungen? (2 richtige)
A
Lungenfibrose + ausgedehnter Pleuraerguss
B
Asthma bronchiale + Verengung der Luftröhre durch Tumor
C
Lungenfibrose + Lungenresektion
D
Pleuraschwarte + Pneumonie
Asthma bronchiale (Bronchospasmus, Obstruktion) und Trachealstenose (Tumor = mechanische Obstruktion) sind obstruktiv. Lungenfibrose, Pleuraschwarte, Lungenresektion, Pleuraerguss → alle restriktiv (weniger dehnbares oder weniger Lungengewebe).
8. Welcher Klopfschall ist typisch für einen Pneumothorax?
A
Gedämpfter Klopfschall — wie bei einem Pleuraerguss
B
Normaler (sonorer) Klopfschall — keine Veränderung
C
Hypersonorer Klopfschall — hohler, trommelartiger Klang
D
Tympanitischer Klopfschall — wie über dem Darm
Pneumothorax → Luft im Pleuraspalt → keine Lunge zum Dämpfen → Klopfschall klingt hohl, laut, trommelartig = hypersonor. Merke: Luft = hypersonor (hohl). Flüssigkeit/Gewebe = gedämpft. Lunge = sonor (normal).