Blut · Lymph · Immun
Kapitel 1.1 · Anatomie & Physiologie
Das Blut — flüssiges Organ
Aufgaben · Zusammensetzung · Plasma & Serum
Das Blut ist ein flüssiges Organ, dessen äußere Begrenzung die Wände der Blutgefäße bilden. Das Blutvolumen beträgt beim Erwachsenen ca. 7 % des Körpergewichts — also etwa 5–6 Liter. Im Ruhezustand pumpt das Herz das gesamte Blut in etwa einer Minute einmal durch den Körper.
Die 5 Aufgaben des Blutes
🚚 Transport
Sauerstoff, Nährstoffe, Stoffwechselprodukte, Hormone
🛡️ Abwehr
körperfremde Stoffe & Krankheitserreger
🌡️ Wärmeregulation
über die Blutzirkulation
⚖️ Säure-Basen-Haushalt
Pufferung, pH-Regulation
🩹 Blutstillung
Gerinnung & -stillung bei Verletzungen
Zusammensetzung — was die Zentrifuge zeigt
Schleudert man Blut in der Zentrifuge, trennen sich die festen von den flüssigen Bestandteilen:
Zelluläre Bestandteile · ca. 42 %
Erythrozyten — rote Blutkörperchen (~98 % der Zellen)
Leukozyten — weiße Blutkörperchen (Abwehr)
Thrombozyten — Blutplättchen (Blutstillung)
Blutplasma · ca. 58 %
Wasser — 90 %
Eiweiße — ca. 8 % (Albumine, Globuline, Fibrinogen)
Gelöstes — Nährstoffe, Enzyme, Hormone, Abbauprodukte, Gerinnungsfaktoren
Der Anteil der zellulären Bestandteile am Gesamtblut heißt Hämatokrit (Hkt). Normwert: Männer ca. 42–50 %, Frauen ca. 37–45 %. Ein hoher Hkt = „dickeres" Blut.
Plasma vs. Serum — beliebte Prüfungsfrage!
Blutplasma
flüssiger Anteil mit Gerinnungsfaktoren (v. a. Fibrinogen)
Blutserum
Plasma ohne Gerinnungsfaktoren — bleibt übrig, nachdem das Blut geronnen ist
Serum = Plasma minus Fibrinogen. Merke: „Das Serum ist schon geronnen" — die Gerinnungsfaktoren sind verbraucht.
Die Plasmaeiweiße
EiweißAnteilFunktion
Albumineca. 60 %Aufrechterhaltung des kolloidosmotischen (onkotischen) Drucks → hält Wasser im Gefäß. Transport. Bei Mangel: Ödeme!
Globulineca. 38 %α-, β-Globuline = Transport (Eisen, Hormone). γ-Globuline = Antikörper (Immunglobuline)
Fibrinogenca. 4 %Gerinnungsfaktor I — Vorstufe des Fibrins (Blutgerinnung)
Häufige Prüfungsfrage: „Funktion der Albumine?" → Aufrechterhaltung des kolloidosmotischen Drucks (= Plasmavolumen halten). Bei Albuminmangel (z. B. Leberschaden, nephrotisches Syndrom) entstehen Ödeme.
Was bleibt übrig, wenn man aus dem Blutplasma die Gerinnungsfaktoren entfernt?
A
Vollblut
B
Hämatokrit
C
Serum
D
Lymphe
Serum! Blutserum = Blutplasma ohne Gerinnungsfaktoren (v. a. ohne Fibrinogen). Es bleibt übrig, nachdem das Blut geronnen ist und sich der Blutkuchen abgesetzt hat.
Kapitel 1.1.1
Erythrozyten & Blutbildung
Rote Blutkörperchen · Hämoglobin · Erythropoese · Abbau
Die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) machen ~98 % aller Blutzellen aus und geben dem Blut seine rote Farbe. Ihre Hauptaufgabe ist der Transport von Sauerstoff (und teils CO₂).
Aufbau & Eigenschaften
Bikonkave Scheibe — beidseits eingedellt → große Oberfläche für Gasaustausch, gut verformbar (passt durch enge Kapillaren)
Kernlos beim Menschen — keine Zellteilung, kein eigener Stoffwechsel mit Mitochondrien → mehr Platz für Hämoglobin
Hämoglobin (Hb) — der rote Blutfarbstoff: Eiweiß (Globin) + Häm (mit zentralem Eisen). Bindet O₂ reversibel
Anzahl: Männer ca. 4,5–5,9 Mio/µl, Frauen ca. 4,0–5,2 Mio/µl
Hämoglobin = Globin (Eiweiß) + 4× Häm (mit je einem zentralen Eisen-Ion). Jedes Hb kann 4 O₂-Moleküle binden. Normwert Hb: Männer ca. 14–18 g/dl, Frauen ca. 12–16 g/dl.
Blutbildung (Hämatopoese) — wo?
Alle Blutzellen stammen von einer gemeinsamen pluripotenten Stammzelle im roten Knochenmark ab.
Beim Erwachsenen
Rotes Knochenmark in: platten Knochen — Beckenkamm, Brustbein (Sternum), Rippen, Wirbelkörper, Schädel
Beim Fetus / Kind
Zusätzlich in Leber und Milz (extramedulläre Blutbildung); beim Kind in fast allen Knochen
Erythropoese — Steuerung
Erythropoetin (EPO) — Hormon aus der Niere! Wird bei Sauerstoffmangel (Hypoxie) ausgeschüttet → regt Erythrozytenbildung an
Baustoffe: Eisen (für Häm), Vitamin B12 + Folsäure (für Zellteilung/Reifung)
Retikulozyten = junge, noch nicht ganz reife Erythrozyten. Erhöht = gesteigerte Neubildung (z. B. nach Blutung)
EPO kommt aus der Niere — darum sind Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz oft anämisch (renale Anämie): keine Niere → kein EPO → keine Erythrozyten.
Lebensdauer & Abbau
Lebensdauer ca. 120 Tage
Abbau in der Milz (und teils Leber) — die Milz ist der „Blutmauser-Ort"
Häm → Bilirubin → Leber → Galle. Eisen wird recycelt
Beim Abbau entsteht aus dem Häm das Bilirubin. Fällt viel davon an (z. B. bei hämolytischer Anämie = vermehrter Erythrozytenabbau), steigt das Bilirubin → Ikterus (Gelbsucht).
Lückentext — Erythrozyten
Das sauerstofftransportierende Eiweiß heißt und enthält das Spurenelement . Das Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt, heißt und stammt aus der . Rote Blutkörperchen leben etwa Tage und werden in der abgebaut.
Welche Aussage zu den Erythrozyten ist FALSCH?
A
Sie werden im roten Knochenmark gebildet
B
Beim Fetus auch in Milz und Leber
C
Die Lebensdauer beträgt ca. 80 Tage
D
Sie werden in der Milz abgebaut
Die Lebensdauer beträgt ca. 120 Tage, nicht 80. Alle anderen Aussagen sind korrekt: Bildung im roten Knochenmark, fetal auch in Leber/Milz, Abbau in der Milz.
Kapitel 1.1 · Ergänzung
Blutgruppen & Rhesusfaktor
AB0-System · Rhesus · Transfusion · Morbus haemolyticus neonatorum
Auf der Oberfläche der Erythrozyten sitzen Antigene (Blutgruppenmerkmale), im Plasma befinden sich passende Antikörper. Stimmen Spender- und Empfängerblut nicht überein, verklumpen die Erythrozyten (Agglutination) → lebensgefährlicher Transfusionszwischenfall. Die zwei wichtigsten Systeme: AB0 und Rhesus.
Das AB0-System
BlutgruppeAntigen auf ErythrozytAntikörper im Plasma
AAntigen AAnti-B
BAntigen BAnti-A
ABA und Bkeine Antikörper → Universalempfänger
0keine Antigene → UniversalspenderAnti-A und Anti-B
Die Antikörper im AB0-System sind angeboren (entstehen in den ersten Lebensmonaten ohne vorherigen Kontakt). Daher ist schon die erste falsche Transfusion gefährlich. Blutgruppe AB = Universalempfänger (hat keine Antikörper), Blutgruppe 0 = Universalspender (hat keine Antigene).
Eselsbrücke: Die Blutgruppe sagt, welches Antigen man hat — und man bildet Antikörper gegen das, was man nicht hat. Gruppe A hat A → bildet Anti-B. Gruppe 0 hat nichts → bildet Anti-A UND Anti-B.
Der Rhesusfaktor
Wichtigstes Rhesus-Antigen ist der Faktor D. Wer es hat = Rh-positiv (ca. 85 %), wer nicht = Rh-negativ
Anti-Rhesus-Antikörper sind nicht angeboren — sie entstehen erst nach Kontakt mit Rh-positivem Blut (Sensibilisierung)
Rhesus-Inkompatibilität (Morbus haemolyticus neonatorum)
Das klassische Prüfungsszenario: Eine Rh-negative Mutter trägt ein Rh-positives Kind (Vater Rh-positiv).
1. Schwangerschaft: meist unauffällig. Bei der Geburt gelangt kindliches Rh-positives Blut in den Kreislauf der Mutter → die Mutter wird sensibilisiert und bildet Anti-D-Antikörper (IgG)
2. Schwangerschaft (Rh-positives Kind): die mütterlichen Anti-D-IgG sind plazentagängig → greifen die kindlichen Erythrozyten an → Hämolyse beim Kind (Anämie, Ikterus, im schweren Fall Hydrops fetalis)
Prophylaxe: Rh-negative Mütter erhalten in/nach der Schwangerschaft eine Anti-D-Prophylaxe (Rhesogam) → fängt kindliche Erythrozyten ab, bevor die Mutter sensibilisiert wird
Merke den Unterschied: Beim AB0-System ist schon die erste Fehltransfusion gefährlich (Antikörper angeboren). Bei der Rhesus-Konstellation ist meist erst das zweite Rh-positive Kind gefährdet (Sensibilisierung erst nötig).
Welche Blutgruppe gilt als „Universalspender" für Erythrozytenkonzentrate?
A
AB
B
A
C
0 (Rh-negativ)
D
B
Blutgruppe 0 (Rh-negativ)! Sie trägt keine A/B-Antigene auf den Erythrozyten, sodass das Empfängerblut nicht mit Antikörpern reagiert. Blutgruppe AB ist dagegen der Universalempfänger (hat keine Plasma-Antikörper gegen A oder B).
In welcher Konstellation droht ein Morbus haemolyticus neonatorum?
A
Rh-negative Mutter, Rh-positives Kind
B
Rh-positive Mutter, Rh-negatives Kind
C
Beide Rh-positiv
D
Beide Rh-negativ
Rh-negative Mutter, Rh-positives Kind! Die Mutter wird durch kindliches Rh-positives Blut sensibilisiert und bildet plazentagängige Anti-D-IgG, die in der Folgeschwangerschaft die Erythrozyten eines weiteren Rh-positiven Kindes zerstören. Verhindert wird das durch die Anti-D-Prophylaxe.
Kapitel 1.1.2
Leukozyten — die Polizei des Körpers
Granulozyten · Lymphozyten · Monozyten · das Differenzialblutbild
Die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) sind für die Abwehr von Krankheitserregern und das Entfernen von Fremd- und Schadstoffen zuständig. Anders als Erythrozyten haben sie einen Zellkern. Normwert: ca. 4.000–10.000/µl.
Die 3 Hauptgruppen
Granulozyten ~60 %
Neutrophile, Eosinophile, Basophile — unspezifische Abwehr, Phagozytose
Lymphozyten ~30 %
B- und T-Lymphozyten — spezifische Abwehr, Antikörper
Monozyten ~6 %
größte Leukozyten → werden im Gewebe zu Makrophagen
Granulozyten im Detail
TypAnteilFunktion / Erhöht bei
Neutrophile50–70 %Die wichtigsten Fresszellen (Phagozytose) — erste Abwehr bei bakteriellen Infektionen. Erhöht bei bakterieller Infektion
Eosinophile1–4 %Abwehr von Parasiten/Würmern und Rolle bei Allergien. Erhöht bei Allergie & Wurmbefall
Basophile<1 %Enthalten Histamin & Heparin — beteiligt an allergischen Reaktionen
Neutrophile → Bakterien. Eosinophile → Allergie & Parasiten (Merke: „Eosinophile bei Erkrankungen mit E — allErgie, Echinococcus/Würmer"). Basophile → Histamin/Heparin.
Lymphozyten — die Spezialisten
B-Lymphozyten → reifen im Knochenmark, werden zu Plasmazellen, die Antikörper bilden (humorale Abwehr)
T-Lymphozyten → reifen im Thymus. T-Helferzellen, zytotoxische T-Zellen, Gedächtniszellen (zelluläre Abwehr)
Monozyten → wandern ins Gewebe und werden zu Makrophagen (große Fresszellen)
Linksverschiebung im Blutbild = vermehrt junge, unreife (stabkernige) Neutrophile → Zeichen einer akuten bakteriellen Infektion, weil das Knochenmark vermehrt nachproduziert.
Begriffe — unbedingt unterscheiden!
BegriffBedeutung
LeukozytoseLeukozyten ERHÖHT (>10.000) — z. B. bakterielle Infektion, Leukämie
LeukopenieLeukozyten ERNIEDRIGT (<4.000) — z. B. Virusinfekt, Knochenmarkschädigung
Leukämiebösartige Erkrankung des blutbildenden Systems („Blutkrebs")
Bei einer allergischen Reaktion und bei Wurmbefall sind welche Zellen typischerweise erhöht?
A
Neutrophile Granulozyten
B
Eosinophile Granulozyten
C
Erythrozyten
D
Thrombozyten
Eosinophile Granulozyten! Sie sind erhöht bei Allergien und Parasiten-/Wurmbefall. Neutrophile steigen v. a. bei bakteriellen Infektionen.
Kapitel 1.1.3
Blutstillung & Blutgerinnung
Primäre & sekundäre Hämostase · Gerinnungskaskade · Fibrinolyse
Damit wir bei Verletzungen nicht verbluten, gibt es die Hämostase (Blutstillung). Sie läuft in zwei Phasen ab: zuerst die schnelle primäre Hämostase (Thrombozyten), dann die sekundäre Hämostase (Gerinnungskaskade → Fibrin).
Phase 1 — Primäre Hämostase (zellulär)
Vasokonstriktion — das verletzte Gefäß verengt sich reflektorisch
Thrombozyten-Adhäsion — Blutplättchen heften sich ans freiliegende Kollagen (vermittelt durch von-Willebrand-Faktor)
Thrombozyten-Aggregation — sie verkleben zum weißen Thrombus (Plättchenpfropf)
Ergebnis: provisorischer Wundverschluss in 1–3 Minuten (Blutungszeit)
Phase 2 — Sekundäre Hämostase (plasmatisch)
Die Gerinnungskaskade: nacheinander aktivierte Gerinnungsfaktoren (in der Leber gebildet) führen am Ende zur Bildung von Fibrin, das den Pfropf zum stabilen roten Thrombus vernetzt.
Endstrecke (gemeinsame Endstrecke)
Prothrombin (Faktor II) → Thrombin
Thrombin wandelt Fibrinogen (I) → Fibrin um
Fibrin = stabiles Netz, das Blutzellen einfängt → roter Thrombus
Wichtige Helfer
Vitamin K — nötig für Faktoren II, VII, IX, X (Leber)
Calcium (Faktor IV) — unentbehrlicher Cofaktor
Vitamin-K-Antagonisten (Marcumar) hemmen die Gerinnung
Vitamin-K-abhängige Faktoren: II, VII, IX, X — Merke „1972" (9-7-2... = die Faktoren) oder „Neun-Sieben". Vitamin K kommt aus der Nahrung & der Darmflora; gebildet werden die Faktoren in der Leber.
Gegenspieler — Fibrinolyse & Hemmstoffe
Fibrinolyse: Plasmin löst das Fibrin wieder auf, wenn die Wunde geheilt ist
Körpereigene Hemmstoffe: Antithrombin III, Heparin (aus Mastzellen/Basophilen) — verhindern überschießende Gerinnung
Wichtige Laborwerte der Gerinnung
WertPrüftVerlängert bei
Quick / INRexogenes („äußeres") System (Faktor VII)Marcumar-Therapie, Vitamin-K-Mangel, Leberschaden. INR ↑ = „dünneres" Blut
PTTendogenes („inneres") SystemHeparin-Therapie, Hämophilie A/B
Thrombozytenzahlprimäre Hämostaseerniedrigt = Thrombozytopenie → Petechien
Eselsbrücke Quick/INR vs. PTT: „PTT = PTT prüft das innere System & Heparin." Quick/INR = äußeres System & Marcumar. Niedriger Quick = hoher INR = verlängerte Gerinnung.
Welches Vitamin ist für die Bildung mehrerer Gerinnungsfaktoren in der Leber notwendig?
A
Vitamin C
B
Vitamin B12
C
Vitamin K
D
Vitamin D
Vitamin K! Es ist nötig für die Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X. Vitamin-K-Antagonisten (z. B. Marcumar/Phenprocoumon) hemmen daher die Gerinnung — Kontrolle über den Quick/INR-Wert.
Kapitel 1.1.3 · Ergänzung
Thrombose & Embolie
Virchow-Trias · TVT · Lungenembolie · der HP-Notfall
Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem intakten Gefäß. Löst sich ein Teil und wird verschleppt, entsteht eine Embolie. Die Entstehung erklärt die berühmte Virchow-Trias — ein Prüfungsklassiker!
Die Virchow-Trias — die 3 Ursachen einer Thrombose
1. Gefäßwandschaden
Endothelschaden durch Entzündung, Verletzung, Arteriosklerose → raue Innenwand
2. Strömungsverlangsamung
Stase: Immobilität, langes Sitzen (Flugreise), Bettlägerigkeit, Krampfadern
3. Erhöhte Gerinnungsneigung
Hyperkoagulabilität: Exsikkose, Malignome, Pille + Rauchen, angeborene Thrombophilie
Virchow-Trias: (1) Gefäßwandschaden + (2) verlangsamte Strömung + (3) erhöhte Gerinnungsneigung. Merke: „Wand – Strömung – Blut" — die drei Angriffspunkte für die Thromboseentstehung.
Tiefe Beinvenenthrombose (TVT / Phlebothrombose)
Symptome (einseitig!): Schwellung, Schweregefühl, Spannungsschmerz, Überwärmung, livide (bläuliche) Verfärbung, glänzende Haut, evtl. Wadenschmerz
Klinische Zeichen: Homans-Zeichen (Wadenschmerz bei Dorsalflexion des Fußes), Payr-Zeichen, Meyer-Druckpunkte — heute als unsicher eingestuft
Bei Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose: KEINE Manipulation, KEINE Massage (Emboliegefahr!), Bein ruhigstellen → sofort ärztliche Abklärung. Die gefürchtete Komplikation ist die Lungenembolie.
Lungenembolie — lebensbedrohlicher Notfall
Ein verschleppter Thrombus (meist aus den Beinvenen) verstopft eine Lungenarterie
Symptome: plötzliche Atemnot (Dyspnoe), atemabhängiger Brustschmerz, Tachykardie, Husten (evtl. blutig), Todesangst, evtl. Schock
Schweregrad abhängig von der Größe — kleine Embolien stumm, große tödlich
Lungenembolie = sofort 112! Maßnahmen: Oberkörper hochlagern, beruhigen, KEINE körperliche Anstrengung, Vitalzeichen überwachen, Notarzt. Für den HP gilt: Verdacht = Notfall, eigene Behandlung verboten.
Embolie-Arten — kurz
EmbolieQuelle
Thrombemboliehäufigste Form — verschleppter Thrombus (z. B. Bein → Lunge)
Fettembolienach Frakturen großer Röhrenknochen
LuftembolieLuft im Gefäßsystem (Verletzung, OP, Punktion)
Septische Embolieverschleppte Erregeransammlung (z. B. bei Endokarditis)
Welche drei Faktoren beschreibt die Virchow-Trias zur Thromboseentstehung?
A
Gefäßwandschaden, Strömungsverlangsamung, erhöhte Gerinnungsneigung
B
Fieber, Schmerz, Schwellung
C
Anämie, Blutung, Infektion
D
Rötung, Wärme, Funktionsverlust
Gefäßwandschaden, Strömungsverlangsamung, erhöhte Gerinnungsneigung! Diese drei Faktoren der Virchow-Trias begünstigen die Thrombose. Antwort D nennt Entzündungszeichen, nicht die Virchow-Trias.
Kapitel 1.2
Das lymphatische System
Lymphe · Lymphbahnen · Aufgaben · Chylus
Die Lymphe („klares Wasser") ist ein Blutplasma-Filtrat mit Transport- und Abwehrfunktion. Blut und Lymphe bilden eine funktionelle Einheit. Täglich werden ca. 2–3 Liter Lymphe transportiert.
Aufgaben der Lymphe
Drainage: saugt überschüssiges Wasser & Eiweiße aus dem Zwischenzellgewebe (Interstitium) zurück ins Blut
Fetttransport: Nahrungsfette aus dem Darm gelangen zunächst in die Lymphe — diese ist dann weißlich-trüb und heißt Chylus (Milchsaft)
Abwehr: transportiert Zellen, Zelltrümmer & Krankheitserreger zu den Lymphknoten
Lymphe enthält Fibrinogen → kann gerinnen. Eiweißgehalt geringer als im Blut
Die Lymphe fließt nur in eine Richtung (zum Herzen hin) — gewährleistet durch Klappen (Ventile). Die Strömung wird durch die umgebende Muskulatur (Muskelpumpe) gefördert — es gibt keine eigene Pumpe wie das Herz.
Der Weg der Lymphe
Lymphkapillaren → vereinigen sich zu Lymphgefäßen → diese ziehen durch Lymphknoten (Filterstationen)
Größter Lymphsammelstamm: Ductus thoracicus (Milchbrustgang) — sammelt Lymphe aus unterer Körperhälfte + linker oberer Körperhälfte → mündet in den linken Venenwinkel
Die Lymphe wird so dem Blutkreislauf wieder zugeführt
Wird der Lymphabfluss behindert (z. B. nach Lymphknotenentfernung bei Brustkrebs-OP), staut sich Flüssigkeit im Gewebe → Lymphödem. Eiweißreiches Ödem, anfangs eindrückbar, später derb.
Wie heißt die fettreiche, weißlich-trübe Lymphe aus dem Darm?
A
Serum
B
Chylus
C
Plasma
D
Liquor
Chylus (Milchsaft)! Die Nahrungsfette aus dem Darm werden zunächst über die Lymphe transportiert, wodurch diese milchig-weiß erscheint.
Kapitel 1.2.2–1.2.5
Lymphknoten, Milz & Thymus
Lymphatische Organe · Rachenring · Milz „4711"
Zu den lymphatischen Organen zählen Lymphknoten, Milz, Thymus sowie das lymphatische Gewebe in Rachen und Darm. Man unterscheidet primäre (Knochenmark, Thymus — hier reifen Lymphozyten) und sekundäre lymphatische Organe (Milz, Lymphknoten, Tonsillen — hier findet die Immunantwort statt).
Lymphknoten
Filterstationen der Lymphe — bindegewebige Kapsel, Rinde & Mark
Makrophagen fressen Erreger; B-Lymphozyten werden aktiviert → Antikörperproduktion
Bei Infektion schwellen sie an: schmerzhaft + verschieblich = eher entzündlich; schmerzlos + derb + verbacken = Warnzeichen für Malignom!
Milz — die Merkzahl „4711"
Die Milz ist 4 cm dick, 7 cm breit, 11 cm lang → „4711" (wie das Kölnisch Wasser). Sie liegt im linken Oberbauch unter dem Zwerchfell.
Rote Pulpa: Abbau alter Erythrozyten („Blutmauser"), Blutspeicher
Weiße Pulpa: lymphatisches Gewebe → Immunabwehr, Antikörperbildung
Beim Erwachsenen nicht lebensnotwendig — bei Milzruptur kann sie entfernt werden (Splenektomie); andere Organe übernehmen
Thymus
Liegt hinter dem Brustbein. Hier reifen die T-Lymphozyten („T" wie Thymus)
Beim Kind groß & aktiv, bildet sich nach der Pubertät zurück (Involution)
Lymphatischer Rachenring & Darm
Waldeyer-Rachenring: Tonsillen (Mandeln) — erste Abwehrbarriere an der Eintrittspforte Mund/Nase
Peyer-Plaques im Dünndarm — lymphatisches Gewebe der Darmschleimhaut
Wo reifen die T-Lymphozyten heran?
A
In der Milz
B
Im Thymus
C
In den Tonsillen
D
In der Leber
Im Thymus! Daher das „T" in T-Lymphozyten. B-Lymphozyten reifen im Knochenmark (engl. Bone marrow).
Kapitel 1.3.1
Unspezifische Abwehr
Angeborene Immunität · Barrieren · Phagozytose · Komplement
Das unspezifische (angeborene) Abwehrsystem ist von Geburt an vorhanden, reagiert sofort, aber unspezifisch — es unterscheidet nicht zwischen einzelnen Erregern. Kein immunologisches Gedächtnis.
Die Bestandteile
🧱 Mechanische Barrieren
Haut, Schleimhäute, Flimmerepithel, Säureschutzmantel der Haut
🧪 Chemische Barrieren
Magensäure, Lysozym (Tränen/Speichel), Talg, saurer pH
🦠 Mikrobiom
physiologische Bakterienflora (Haut, Darm) verdrängt Erreger
🍽️ Zelluläre Abwehr
Fresszellen: neutrophile Granulozyten, Makrophagen (Phagozytose)
Phagozytose & weitere Mechanismen
Phagozytose: Fresszellen (Neutrophile, Makrophagen) umfließen und verdauen Erreger
Entzündungsreaktion: die 5 Zeichen — Rötung (Rubor), Wärme (Calor), Schwellung (Tumor), Schmerz (Dolor), Funktionsverlust (Functio laesa)
Fieber: hemmt Erregervermehrung, steigert Abwehr
Komplementsystem: ~20 Plasmaeiweiße, die kaskadenartig Erreger markieren (Opsonierung), Löcher in Erregermembranen bohren und Entzündung anlocken
Natürliche Killerzellen (NK-Zellen): zerstören virusinfizierte & Tumorzellen
Die 5 klassischen Entzündungszeichen: Rubor (Rötung), Calor (Wärme), Tumor (Schwellung), Dolor (Schmerz), Functio laesa (gestörte Funktion). Sehr beliebte Prüfungsfrage!
Welche Eigenschaft kennzeichnet das unspezifische Abwehrsystem?
A
Es bildet ein immunologisches Gedächtnis
B
Es produziert spezifische Antikörper
C
Es reagiert sofort, aber unspezifisch
D
Es muss erst erlernt werden
Sofort, aber unspezifisch! Die angeborene Abwehr ist von Geburt an da und reagiert schnell, kann aber Erreger nicht gezielt unterscheiden und hat kein Gedächtnis. Antikörper & Gedächtnis gehören zur spezifischen Abwehr.
Kapitel 1.3.2
Spezifische Abwehr
Humoral & zellulär · Antikörper · Immunglobulinklassen
Das spezifische (erworbene, adaptive) Abwehrsystem reagiert gezielt auf einzelne Erreger (Antigene), braucht dafür aber etwas Zeit — und bildet ein immunologisches Gedächtnis. Beim Zweitkontakt erfolgt die Abwehr viel schneller.
Zwei Arme der spezifischen Abwehr
Humorale Abwehr
B-Lymphozyten → werden zu Plasmazellen
Plasmazellen bilden Antikörper (Immunglobuline)
Antikörper binden Antigene → Antigen-Antikörper-Komplex
„humoral" = über Körperflüssigkeit (lat. humor = Flüssigkeit)
Zelluläre Abwehr
T-Lymphozyten (reifen im Thymus)
T-Helferzellen — aktivieren B-Zellen & andere (CD4)
Zytotoxische T-Zellen (T-Killer) — töten infizierte Zellen (CD8)
T-Gedächtniszellen — merken sich das Antigen
Eine Plasmazelle ist eine aktivierte B-Zelle, die Antikörper produziert. Beim HIV/AIDS werden die T-Helferzellen (CD4) zerstört → die ganze spezifische Abwehr bricht zusammen.
Die 5 Immunglobulinklassen — Prüfungsklassiker!
KlasseMerkmal / Funktion
IgGHäufigster Antikörper (~75 %). Spätantikörper (Zweitkontakt, Gedächtnis). Plazentagängig → Nestschutz des Neugeborenen!
IgMGrößter Antikörper (Pentamer). Frühantikörper (Erstkontakt, akute Infektion). Nicht plazentagängig
IgAIn Sekreten (Speichel, Tränen, Schleim, Muttermilch) → Schleimhautschutz
IgEBei Allergien (Typ-I-Soforttyp) und Parasiten. Bindet an Mastzellen → Histaminausschüttung
IgDFunktion auf B-Zell-Oberfläche, Aktivierung; geringe Konzentration
Merke: IgM = Mofort (M wie „akut/früh"), IgG = später & Gedächtnis & plazentaGängig, IgA = sekrete (Außenflächen), IgE = allErgie & wErmer (Parasiten).
Welcher Antikörper ist plazentagängig und sorgt für den Nestschutz des Neugeborenen?
A
IgM
B
IgE
C
IgG
D
IgA
IgG! Es ist als einziger Antikörper plazentagängig und vermittelt so den Nestschutz. IgM ist der große Frühantikörper (akute Infektion), IgA sitzt in Sekreten und der Muttermilch, IgE steht für Allergien.
Kapitel 1.3.3
Allergien — überschießende Immunantwort
Die 4 Allergietypen nach Coombs & Gell
Eine Allergie ist eine überschießende, krankmachende Immunreaktion gegen eigentlich harmlose Fremdstoffe (Allergene). Voraus geht immer eine Sensibilisierung (Erstkontakt ohne Symptome). Erst beim erneuten Kontakt kommt es zur allergischen Reaktion.
Die 4 Typen nach Coombs & Gell — Prüfungsklassiker!
TypMechanismusZeitverlaufBeispiele
Typ I
Soforttyp
IgE-vermittelt → Mastzellen setzen Histamin freiSekunden–MinutenHeuschnupfen, allergisches Asthma, Nahrungsmittelallergie, anaphylaktischer Schock, Insektengiftallergie
Typ II
zytotoxisch
Antikörper (IgG/IgM) gegen Zelloberflächen → ZellzerstörungStundenTransfusionszwischenfall (Blutgruppenunverträglichkeit), Rhesus-Inkompatibilität, manche hämolyt. Anämien
Typ III
Immunkomplex
Immunkomplexe (Antigen+Antikörper) lagern sich ab → KomplementaktivierungStundenSerumkrankheit, allergische Vaskulitis, exogen-allergische Alveolitis (Farmerlunge)
Typ IV
Spättyp
T-Zell-vermittelt (zellulär), KEINE Antikörper24–72 Std.Kontaktekzem (Nickel), Tuberkulinreaktion, Transplantatabstoßung
Typ I + II + III = Antikörper-vermittelt (humoral). Typ IV = T-Zell-vermittelt (zellulär) und als einziger ein Spättyp (24–72 h). Das ist die häufigste Einteilungs-Frage in der Prüfung!
Merke: Typ I = IgE = sofort. Typ IV = 4 wie „spät" (24–72h), zellulär ohne Antikörper. Klassiker Typ IV: das Nickel-Kontaktekzem und die Tuberkulin-/Allergie-Hauttestung.
Typ-I-Reaktion im Detail (Soforttyp)
1. Sensibilisierung: Erstkontakt → B-Zellen bilden IgE → IgE setzt sich auf Mastzellen
2. Zweitkontakt: Allergen bindet an IgE auf Mastzellen → Degranulation → Freisetzung von Histamin
3. Wirkung von Histamin: Gefäßerweiterung, erhöhte Gefäßdurchlässigkeit (Ödem/Quaddel), Bronchokonstriktion, Juckreiz
Das allergische Kontaktekzem (z. B. auf Nickel) ist ein Beispiel für welchen Allergietyp?
A
Typ I (Soforttyp, IgE)
B
Typ II (zytotoxisch)
C
Typ III (Immunkomplex)
D
Typ IV (Spättyp, T-Zellen)
Typ IV (Spättyp)! Das Kontaktekzem ist T-Zell-vermittelt und tritt erst nach 24–72 Stunden auf — daher „Spättyp". Es werden keine Antikörper gebildet. Typ I (Soforttyp, IgE) wäre z. B. Heuschnupfen oder anaphylaktischer Schock.
Kapitel 1.3.4
Impfungen
Aktive vs. passive Immunisierung · Impfstofftypen
Impfungen nutzen das immunologische Gedächtnis der spezifischen Abwehr. Man unterscheidet die aktive und die passive Immunisierung.
Aktiv vs. Passiv — der wichtigste Unterschied
Aktive Immunisierung
Gabe von Antigenen (abgeschwächte/abgetötete Erreger oder Bestandteile)
Körper bildet selbst Antikörper + Gedächtniszellen
Schutz tritt verzögert ein (1–2 Wochen)
Langer Schutz (Jahre bis lebenslang)
→ Vorbeugung (z. B. Tetanus-Grundimmunisierung, MMR)
Passive Immunisierung
Gabe von fertigen Antikörpern (Immunglobulinen)
Körper bleibt passiv — bildet nichts selbst
Schutz sofort
Kurzer Schutz (Wochen) — kein Gedächtnis
→ im Notfall (z. B. nach Verletzung ohne Tetanusschutz, Tollwutexposition)
Aktiv = der Körper wird aktiv & baut selbst auf (langsam, lange). Passiv = fertige Antikörper geschenkt (sofort, kurz). Der Nestschutz (IgG über Plazenta / IgA über Muttermilch) ist eine natürliche passive Immunisierung.
Impfstofftypen (aktive Immunisierung)
TypInhaltBeispiele
Lebendimpfstoffabgeschwächte, vermehrungsfähige ErregerMMR (Masern, Mumps, Röteln), Windpocken, Gelbfieber
Totimpfstoffabgetötete Erreger / BestandteileInfluenza (Spritze), Hepatitis B, Pertussis
Toxoidimpfstoffentgiftete Toxine (Giftstoffe)Tetanus, Diphtherie
Lebendimpfstoffe sind bei Immunschwäche und in der Schwangerschaft kontraindiziert (Restrisiko einer Infektion). Totimpfstoffe sind hier sicherer.
Ein ungeschützter Patient verletzt sich an einem rostigen Nagel. Welche Immunisierung wirkt sofort?
A
Aktive Immunisierung — sie wirkt sofort
B
Passive Immunisierung — fertige Antikörper wirken sofort
C
Lebendimpfstoff
D
Toxoidimpfstoff allein
Passive Immunisierung! Fertige Antikörper (Tetanus-Immunglobulin) bieten sofortigen Schutz. Bei der Tetanus-Postexpositionsprophylaxe wird oft gleichzeitig aktiv (Toxoid) und passiv (Immunglobulin) geimpft = Simultanimpfung.
Kapitel 2.1 · Erkrankungen
Anämien — Überblick
Definition · Einteilung · allgemeine Symptome
Eine Anämie (Blutarmut) liegt vor, wenn die Hämoglobinkonzentration oder die Anzahl der Erythrozyten vermindert ist. Folge: weniger Sauerstofftransport → die Allgemeinsymptome entstehen alle aus dem Sauerstoffmangel.
Allgemeine Anämiesymptome — aus der Pathophysiologie ableiten!
Blässe (Haut & Schleimhäute) — weniger roter Blutfarbstoff
Müdigkeit, Leistungsschwäche, Konzentrationsstörungen — O₂-Mangel im Gewebe
Tachykardie & Belastungsdyspnoe — Herz & Atmung kompensieren den O₂-Mangel
Schwindel, Kopfschmerz, Ohrensausen
Alle Anämiesymptome lassen sich aus einem Satz ableiten: „Zu wenig Sauerstoff im Gewebe." Blässe (wenig Hb), Müdigkeit (O₂-Mangel), Tachykardie/Dyspnoe (Kompensation). Wer den Mechanismus versteht, muss nichts auswendig lernen.
Einteilung nach Ursache
1. Bildungsstörung
zu wenig gebildet — Eisenmangel, B12-/Folsäuremangel, Knochenmarkschaden, EPO-Mangel (Niere)
2. Hämolytisch
zu viel abgebaut — vermehrter Erythrozytenzerfall
3. Blutungsanämie
zu viel verloren — akute/chronische Blutung
Einteilung nach Zellgröße (MCV) — wichtig fürs Labor!
TypMCVKlassische Ursache
Mikrozytärklein (MCV ↓)Eisenmangelanämie (häufigste Anämie!)
Normozytärnormalakute Blutung, renale Anämie, hämolytische Anämie
Makrozytär / megaloblastärgroß (MCV ↑)Vitamin-B12-Mangel (perniziöse Anämie), Folsäuremangel
Welche ist die häufigste Anämieform und wie sind die Erythrozyten dabei?
A
Eisenmangelanämie — mikrozytär (klein)
B
Perniziöse Anämie — mikrozytär
C
Eisenmangelanämie — makrozytär (groß)
D
Hämolytische Anämie — makrozytär
Eisenmangelanämie — mikrozytär! Mit ~80 % ist Eisenmangel die häufigste Ursache aller Anämien. Da Eisen für das Hämoglobin fehlt, werden die Erythrozyten klein (mikrozytär) und blass (hypochrom). B12-/Folsäuremangel macht dagegen große (makrozytäre) Zellen.
Kapitel 2.1.1–2.1.2
Eisenmangel- & perniziöse Anämie
Die zwei wichtigsten Anämieformen im Detail
Eisenmangelanämie (mikrozytär, hypochrom)
Eisenmangel ist mit ~80 % die häufigste Ursache aller Anämien. Eisen fehlt → Hämoglobinbildung gestört → kleine, blasse Erythrozyten.
Ursachen: chronischer Blutverlust (häufigste!) — bei Frauen Menstruation, sonst okkulte GI-Blutung (Magen/Darm, evtl. Tumor!); erhöhter Bedarf (Schwangerschaft, Wachstum); mangelnde Zufuhr/Aufnahme
Spezielle Zeichen: Hohlnägel (Koilonychie), Mundwinkelrhagaden, brüchige Nägel/Haare, Zungenbrennen, Schleimhautveränderungen
Labor: Hb ↓, MCV ↓ (mikrozytär), MCH ↓ (hypochrom), Ferritin ↓ (Eisenspeicher!)
Bei Eisenmangelanämie ohne erkennbare Ursache (v. a. bei Männern und Frauen nach der Menopause) muss eine okkulte gastrointestinale Blutung / Tumor abgeklärt werden → ärztliche Abklärung! Nicht einfach Eisen geben, ohne die Ursache zu kennen.
Perniziöse / megaloblastäre Anämie (makrozytär)
Durch Mangel an Vitamin B12 (oder Folsäure) ist die Zellteilung/Reifung gestört → es entstehen zu große, unreife Erythrozyten (Megaloblasten).
Ursache der „echten" perniziösen Anämie: Mangel an Intrinsic Factor (aus der Magenschleimhaut) → B12 kann nicht aufgenommen werden. Oft autoimmune Magenschleimhautentzündung (Typ-A-Gastritis)
Besonderheit: B12 ist auch fürs Nervensystem nötig → zusätzlich neurologische Symptome (Kribbeln, Gangunsicherheit = funikuläre Myelose)
Labor: MCV ↑ (makrozytär), hyperchrom, B12 ↓
Eisenmangel = klein (mikrozytär), B12/Folsäure-Mangel = groß (makrozytär). Merke: „Wenig Eisen, wenig Platz → kleine Zellen. Fehlt B12 für die Teilung → die Zelle wird zu groß."
Welcher Faktor fehlt bei der klassischen perniziösen Anämie, sodass Vitamin B12 nicht aufgenommen werden kann?
A
Erythropoetin
B
Intrinsic Factor (aus der Magenschleimhaut)
C
Ferritin
D
Vitamin K
Intrinsic Factor! Er wird in der Magenschleimhaut gebildet und ist nötig, damit Vitamin B12 im Dünndarm aufgenommen werden kann. Fehlt er (z. B. bei autoimmuner Typ-A-Gastritis), entsteht die perniziöse (megaloblastäre) Anämie mit zusätzlichen neurologischen Symptomen.
Kapitel 2.1.3
Hämolytische Anämien
Vermehrter Erythrozytenabbau · Sichelzell · Thalassämie
Bei den hämolytischen Anämien werden die Erythrozyten vorzeitig abgebaut (normale Lebensdauer 120 Tage stark verkürzt). Die Bildung kann das nicht ausgleichen.
Die typische Trias der Hämolyse
🟡 Ikterus
vermehrter Erythrozytenabbau → viel Bilirubin → Gelbsucht (indirektes/unkonjugiertes Bilirubin ↑)
🩸 Anämie
Blässe, Müdigkeit, Tachykardie (allgemeine Anämiezeichen)
🫀 Splenomegalie
die Milz baut vermehrt ab → vergrößert sich
Labor der Hämolyse: Bilirubin ↑ (indirekt), LDH ↑ (aus zerfallenen Zellen), Haptoglobin ↓ (verbraucht), Retikulozyten ↑ (Knochenmark produziert kompensatorisch nach). Urobilinogen im Urin ↑.
Wichtige Formen
FormMechanismus
SichelzellanämieAngeboren. Verändertes Hämoglobin → Erythrozyten verformen sich bei O₂-Mangel sichelförmig → verstopfen Gefäße & zerfallen. Häufig bei Menschen aus Malariagebieten (Heterozygote sind vor Malaria geschützt)
ThalassämieAngeborene Störung der Hämoglobinbildung (weniger funktionsfähiges Hb). „Mittelmeeranämie"
Erworbene FormenDurch Antikörper (Autoimmunhämolyse), Medikamente, Infektionen, mechanisch (künstliche Herzklappe), Transfusionszwischenfall
Warum ist bei Hämolyse das Urobilinogen erhöht? Weil viel Bilirubin anfällt → mehr gelangt in den Darm → mehr wird zu Urobilinogen umgewandelt → mehr rückresorbiert und über den Urin ausgeschieden.
Welche Laborkonstellation passt zu einer hämolytischen Anämie?
A
Bilirubin ↑, LDH ↑, Haptoglobin ↓, Retikulozyten ↑
B
Ferritin ↓, MCV ↓
C
Vitamin B12 ↓, MCV ↑
D
Quick ↓, INR ↑
Bilirubin ↑, LDH ↑, Haptoglobin ↓, Retikulozyten ↑! Das ist das klassische Hämolyse-Labor: Zellzerfall setzt Bilirubin und LDH frei, Haptoglobin wird verbraucht, und das Knochenmark produziert kompensatorisch junge Zellen (Retikulozyten ↑). Antwort B = Eisenmangel, C = perniziöse Anämie.
Kapitel 2.2.1–2.2.2
Leukämien
Akut vs. chronisch · lymphatisch vs. myeloisch · „Blutkrebs"
Leukämien sind bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems: entartete weiße Vorläuferzellen vermehren sich unkontrolliert und verdrängen die normale Blutbildung im Knochenmark. Daraus ergeben sich alle Symptome.
Symptome — aus der Verdrängung ableiten!
Verdrängung der Erythropoese → Anämie (Blässe, Müdigkeit)
Verdrängung der Thrombopoese → Thrombozytopenie → Blutungsneigung (Petechien)
Mangel an funktionsfähigen Leukozyten → Infektanfälligkeit (trotz hoher Gesamtzahl!)
Allgemein: B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust), Lymphknoten-/Milzschwellung
Die Panzytopenie (Mangel an allen drei Reihen) erklärt die Leukämie-Trias: Anämie + Blutungsneigung + Infektanfälligkeit. Wer das Prinzip „Verdrängung der normalen Blutbildung" versteht, kann alle Symptome herleiten.
Einteilung
FormVerlauf / Betroffene
ALL — akute lymphatische Leukämieakut (Wochen). Häufigste Leukämie im Kindesalter
AML — akute myeloische Leukämieakut (Wochen). Vor allem Erwachsene
CLL — chronische lymphatische Leukämiechronisch (Jahre). Ältere Menschen; oft Zufallsbefund. Niedrigmalignes B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom
CML — chronische myeloische Leukämiechronisch. Philadelphia-Chromosom typisch
Merke: Akut = schnell (Wochen), oft jung/Kinder (ALL). Chronisch = langsam (Jahre), oft alt. Lymphatisch (Lymphozyten) vs. Myeloisch (Granulozyten-Reihe).
Akute Leukämien sind Notfälle und gehören sofort in fachärztliche/onkologische Behandlung. Für den Heilpraktiker: Verdacht (Panzytopenie-Zeichen, Petechien + Infekte + Blässe) → unverzügliche ärztliche Abklärung. Behandlungsverbot für den HP bei Krebserkrankungen!
Warum sind Leukämiepatienten trotz oft stark erhöhter Leukozytenzahl infektanfällig?
A
Weil sie zu wenige Erythrozyten haben
B
Weil die vermehrten Leukozyten unreif und funktionsunfähig sind
C
Weil sie zu viele Thrombozyten haben
D
Weil das Bilirubin erhöht ist
Die vermehrten Zellen sind unreif & funktionsunfähig! Bei Leukämie werden massenhaft entartete, nicht funktionstüchtige weiße Vorläuferzellen gebildet. Sie können keine echte Abwehr leisten und verdrängen zusätzlich die gesunde Blutbildung.
Kapitel 2.2.3–2.2.5
Lymphome & Plasmozytom
Hodgkin · Non-Hodgkin · Plasmozytom (Morbus Kahler)
Lymphome sind bösartige Erkrankungen des lymphatischen Gewebes. Man unterscheidet das Hodgkin-Lymphom von der großen Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome.
Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin, Lymphogranulomatose)
Leitsymptom: schmerzlose Lymphknotenschwellung (typisch zervikal/Hals), derb, nicht verschieblich
Beweisend (Histologie): Sternberg-Reed-Riesenzellen und Hodgkin-Zellen
B-Symptomatik: Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust (>10 % in 6 Monaten)
Mögliches Zeichen: Alkoholschmerz in den Lymphknoten (selten, aber typisch)
Vergleichsweise gut behandelbar / gute Prognose
Das beweisende Merkmal des Hodgkin-Lymphoms sind die Sternberg-Reed-Riesenzellen. Merke: „Sternberg → Schmerzlose Lymphknoten beim Morbus Hodgkin."
Non-Hodgkin-Lymphome (NHL)
Große, uneinheitliche Gruppe — gehen von entarteten B- oder T-Lymphozyten aus
KEINE Sternberg-Reed-Zellen → so histologisch vom Hodgkin abgrenzbar
Auch die CLL und das Plasmozytom zählen formal zu den NHL
Plasmozytom (multiples Myelom, Morbus Kahler)
Bösartige Entartung der Plasmazellen im Knochenmark. Meist nach dem 50. Lebensjahr
Knochenschmerzen & Knochenabbau (Osteolysen, „Schrotschuss-Schädel"), Spontanfrakturen, Hyperkalzämie
Bence-Jones-Proteine im Urin (Antikörper-Bruchstücke), stark erhöhte BSG („Sturzsenkung")
Anämie, Infektanfälligkeit, Niereninsuffizienz
Plasmozytom = Morbus Kahler. Merke: nicht verwechseln mit dem Phäochromozytom (Nebennierentumor)! Plasmozytom → Plasmazellen, Knochen, Bence-Jones-Proteine.
Welcher histologische Befund beweist ein Hodgkin-Lymphom?
A
Bence-Jones-Proteine
B
Sternberg-Reed-Riesenzellen
C
Philadelphia-Chromosom
D
Sichelzellen
Sternberg-Reed-Riesenzellen! Sie sind beweisend für das Hodgkin-Lymphom. Bence-Jones-Proteine gehören zum Plasmozytom, das Philadelphia-Chromosom zur CML, Sichelzellen zur Sichelzellanämie.
Kapitel 2.3
Gerinnungsstörungen
Thrombozytopenie · Hämophilie · Verbrauchskoagulopathie
Petechien vs. Hämatome — der entscheidende Unterschied
Petechien (punktförmig)
winzige punktförmige Hautblutungen
→ Zeichen einer Thrombozytenstörung (primäre Hämostase)
z. B. Thrombozytopenie
Großflächige Hämatome / Gelenkblutungen
flächige Blutergüsse, Einblutung in Gelenke
→ Zeichen einer plasmatischen Gerinnungsstörung (Gerinnungsfaktoren)
z. B. Hämophilie
Petechien = Plättchen-Problem (beide mit P). Große Hämatome/Gelenkblutungen = Faktoren-Problem (Hämophilie).
Thrombozytopenie
Definition: Thrombozyten unter 140.000/µl. Blutungsneigung v. a. unter ~30.000/µl
Morbus Werlhof (ITP) = idiopathische/immun-thrombozytopenische Purpura — Autoantikörper gegen Thrombozyten, oft nach Infekt (bei Kindern akut)
Weitere Ursachen: SLE, Medikamente (z. B. Heparin → HIT), Knochenmarkschädigung, Verbrauch
Hämophilie (Bluterkrankheit)
FormFehlender FaktorHäufigkeit
Hämophilie AFaktor VIII85 % (häufiger)
Hämophilie BFaktor IX15 %
X-chromosomal-rezessiv vererbt → fast nur Männer erkranken, Frauen sind meist Überträgerinnen (Konduktorinnen)
Leitsymptom: Gelenkeinblutungen (Hämarthros), große Hämatome, Nachblutungen
Labor: PTT verlängert, Quick/INR normal
Hämophilie A = Faktor VIII (8), häufiger. Hämophilie B = Faktor IX (9). Merke: A vor B, 8 vor 9; A ist häufiger (85 %).
Verbrauchskoagulopathie (DIC)
Überschießende Gerinnungsaktivierung in den Gefäßen → Verbrauch von Thrombozyten & Gerinnungsfaktoren
Paradox: erst Mikrothrombosen, dann (durch Verbrauch) schwere Blutungsneigung
Auslöser: Sepsis, große OPs, Geburtskomplikationen, Schock — lebensbedrohlicher Notfall
Bei welcher Störung treten typischerweise punktförmige Hautblutungen (Petechien) auf?
A
Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen)
B
Hämophilie A
C
Hämophilie B
D
Eisenmangelanämie
Thrombozytopenie! Punktförmige Petechien sind typisch für Störungen der Blutplättchen (primäre Hämostase). Hämophilie (Faktorenmangel) führt dagegen zu großen Hämatomen und Gelenkeinblutungen.
Kapitel 2.4
Erkrankungen des Lymphsystems
Mandelentzündung · Lymphödem · Lymphangitis/-adenitis · Milzruptur
Mandelentzündung (Tonsillitis / Angina tonsillaris)
Meist bakteriell (β-hämolysierende Streptokokken Gruppe A) oder viral
Symptome: Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber, gerötete/eitrig belegte Tonsillen, Lymphknotenschwellung am Hals
Komplikationen (Streptokokken!): rheumatisches Fieber, Glomerulonephritis, Peritonsillarabszess
Lymphödem
Eiweißreiche Flüssigkeitsansammlung durch gestörten Lymphabfluss
Primär (angeborene Anlagestörung) oder sekundär (nach OP/Lymphknotenentfernung, Bestrahlung, Tumor, Infektion)
Stemmer-Zeichen positiv: Hautfalte über der Zehe lässt sich nicht abheben → typisch fürs Lymphödem
Therapie: manuelle Lymphdrainage, Kompression (KPE)
Lymphangitis & Lymphadenitis
Lymphangitis
Entzündung der Lymphbahn — roter Streifen entlang des Gefäßes
Volkstümlich fälschlich „Blutvergiftung" genannt (ist KEINE Sepsis!)
Lymphadenitis
Entzündung des Lymphknotens — schmerzhaft geschwollen
schmerzhaft + verschieblich = eher entzündlich (gutartig)
Der rote Streifen bei der Lymphangitis ist keine Sepsis — aber er kann in eine Sepsis übergehen. Bei Fieber, schlechtem AZ und sich ausbreitender Rötung → ärztliche Abklärung.
Milzruptur
Die Milzruptur (meist nach stumpfem Bauchtrauma, z. B. Fahrradlenker, Sturz) ist ein lebensbedrohlicher Notfall: Gefahr der inneren Verblutung. Zeichen: linksseitiger Oberbauchschmerz, Schmerz in die linke Schulter (Kehr-Zeichen), Zeichen des hämorrhagischen Schocks (Blässe, Tachykardie, RR-Abfall). Zweizeitige Ruptur möglich (Stunden bis Tage später!) → sofort 112.
Ein Patient hat nach einem Sturz auf den linken Oberbauch zunehmende Schmerzen, die in die linke Schulter ausstrahlen, dazu Blässe und schneller Puls. Woran denken Sie zuerst?
A
Milzruptur mit drohendem hämorrhagischem Schock
B
Lymphödem
C
Tonsillitis
D
Eisenmangelanämie
Milzruptur! Linksseitiges Bauchtrauma + Schulterschmerz links (Kehr-Zeichen, durch Zwerchfellreizung) + Schockzeichen sind klassisch. Lebensbedrohlich durch innere Blutung → sofort Notarzt. Vorsicht: zweizeitige Ruptur kann verzögert auftreten!
Kapitel 2.5
Anaphylaxie & Autoimmunerkrankungen
Anaphylaktischer Schock · Autoimmunmechanismen
Anaphylaktischer Schock — Notfall!
Der anaphylaktische Schock ist die schwerste Form der Typ-I-Allergie (Soforttyp). Massive, generalisierte Histaminfreisetzung → Gefäßweitstellung, Blutdruckabfall, Bronchospasmus. Es ist ein Verteilungsschock (distributiv).
Typische Auslöser
Insektengift (Biene/Wespe) Medikamente (Penicillin) Nahrungsmittel (Nüsse, Meeresfrüchte) Röntgenkontrastmittel
Stadien & Symptome
StadiumSymptome
I (leicht)Hautreaktion: Juckreiz, Flush, Quaddeln (Urtikaria), Unruhe
II+ Kreislauf (RR ↓, Tachykardie), beginnende Atemnot, Übelkeit
IIISchock, Bronchospasmus, Larynxödem, schwere Atemnot
IVAtem- und Kreislaufstillstand
Anaphylaktischer Schock = sofort 112! Maßnahmen: Allergenzufuhr stoppen, Schocklagerung (Beine hoch — bei Atemnot Oberkörper hoch), Notarzt. Notfallmedikament der Wahl ist Adrenalin (i. m.), dazu Antihistaminika & Kortison. Patienten mit bekannter Allergie tragen ein Notfallset (Adrenalin-Autoinjektor).
Autoimmunerkrankungen
Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich das Abwehrsystem gegen körpereigene Strukturen — die normalerweise im Thymus aussortierte Selbsttoleranz versagt.
ErkrankungRichtet sich gegen
Hashimoto-ThyreoiditisSchilddrüse → Hypothyreose
Morbus BasedowTSH-Rezeptor (stimulierend) → Hyperthyreose
Typ-1-Diabetesinsulinproduzierende β-Zellen (Pankreas)
Rheumatoide ArthritisGelenke (Synovia)
Systemischer Lupus erythematodesviele Organe; ANA-Antikörper, Schmetterlingserythem
Multiple SkleroseMyelinscheiden im ZNS
Perniziöse AnämieMagenschleimhaut/Intrinsic Factor
Grundprinzip: Verlust der Selbsttoleranz. Die Autoimmunerkrankungen können organspezifisch (z. B. Hashimoto = nur Schilddrüse) oder systemisch (z. B. SLE = viele Organe) sein.
Welches Medikament ist das Mittel der Wahl beim anaphylaktischen Schock?
A
Heparin
B
Adrenalin
C
Insulin
D
Vitamin K
Adrenalin! Es wirkt gefäßverengend (hebt den Blutdruck), bronchienerweiternd und stabilisiert die Mastzellen. Ergänzend werden Antihistaminika und Kortikosteroide gegeben. Wichtig: immer auch 112 rufen und Schocklage.
Kapitel 3.1.3 · Diagnostik
Labordiagnostik
Kleines & großes Blutbild · Normwerte · BSG
Kleines Blutbild — Normwerte (Quelle: Studienheft)
ParameterFrauenMänner
Erythrozyten3,9–5,3 Mio./µl4,3–5,7 Mio./µl
Leukozyten3.800–10.500/µl
Hämatokrit (Hkt)37–48 %40–52 %
Hämoglobin (Hb)12–16 g/dl13,5–17 g/dl
Thrombozytenca. 150.000–350.000/µl
MCH (HbE)28–34 pg
Wichtige Kennwerte erklärt
Hämatokrit (Hkt): Anteil der zellulären Bestandteile am Blutvolumen. Hoch = „dickes" Blut (Polyglobulie), niedrig = oft Anämie
MCV = mittleres Erythrozytenvolumen → mikro-/normo-/makrozytär. MCH = Hb-Gehalt pro Erythrozyt → hypo-/normo-/hyperchrom
Großes Blutbild (Differenzialblutbild): Aufschlüsselung der Leukozyten in Untergruppen (Neutrophile, Eosinophile, Basophile, Lymphozyten, Monozyten)
BSG & CRP — Entzündungsmarker
MarkerBedeutungErhöht bei
BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)wie schnell Erythrozyten im Röhrchen absinkenEntzündungen, Infektionen, Tumoren, Anämie. „Sturzsenkung" (extrem hoch) bei Plasmozytom & Malignomen
CRP (C-reaktives Protein)Akut-Phase-Protein der Leberv. a. bakterielle Infektionen (schneller & spezifischer als BSG)
BSG-Verlangsamung (auffällig niedrig) z. B. bei Polyglobulie/Polyzythämie (zu viele Erythrozyten → sinken langsamer). Sturzsenkung = extrem beschleunigte BSG → an Plasmozytom oder Malignom denken.
Was beschreibt der Hämatokritwert?
A
Die Menge an Hämoglobin pro Erythrozyt
B
Den Anteil der zellulären Bestandteile am Blutvolumen
C
Die Zahl der Leukozyten
D
Die Gerinnungsfähigkeit
Der Anteil der zellulären Bestandteile am Blutvolumen! Der Hämatokrit gibt an, welcher Volumenanteil des Blutes aus Zellen (v. a. Erythrozyten) besteht. Bei Polyglobulie ist er erhöht („dickes" Blut), bei vielen Anämien erniedrigt.
Kapitel 3.2 · Differenzialdiagnose
Leitsymptome & Differenzialdiagnosen
Systematisches Vorgehen bei Blut-/Lymph-Leitsymptomen
Polyglobulie vs. Polyzythämie
Polyglobulie (reaktiv)
Erythrozyten ↑ als Reaktion auf O₂-Mangel
Ursachen: Höhenaufenthalt, Rauchen, chronische Lungen-/Herzerkrankung, EPO-Doping
Hkt > 55 % → „dickes" Blut → Zyanose, Thrombosegefahr
Polycythaemia vera
Bösartige Knochenmarkerkrankung — autonome Überproduktion
oft alle Reihen ↑ (auch Leuko-/Thrombozyten)
Thrombose- & Blutungsneigung, Juckreiz
Lymphknotenschwellung — die entscheidende DD
Eher harmlos (entzündlich)
Schmerzhaft
Verschieblich, weich
akut aufgetreten, bei Infekt
Warnzeichen (malignomverdächtig)
Schmerzlos
Derb, nicht verschieblich (verbacken)
langsam wachsend, > 2–3 Wochen, + B-Symptomatik
Red Flags bei Lymphknotenschwellung: schmerzlos + derb + nicht verschieblich + länger als 2–3 Wochen bestehend + B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) → dringende ärztliche Abklärung (Malignom-/Lymphomverdacht)!
Leitsymptom-Übersicht
LeitsymptomDenke an
Blässe + Müdigkeit + TachykardieAnämie (Ursache klären: Eisen? B12? Blutung? Hämolyse?)
PetechienThrombozytopenie (Plättchenstörung)
Gelenkeinblutungen + große HämatomeHämophilie (Faktorenmangel)
Schmerzlose, derbe Lymphknoten + B-SymptomatikLymphom (Hodgkin/NHL) → Abklärung!
Ikterus + Anämie + SplenomegalieHämolytische Anämie
Knochenschmerzen + Sturzsenkung (BSG) + Bence-JonesPlasmozytom
Häufige Infekte + Blässe + Blutungen (Panzytopenie)Leukämie → Abklärung!
Welcher Lymphknoten-Befund ist am ehesten malignomverdächtig?
A
Schmerzhaft, weich, verschieblich, bei Erkältung aufgetreten
B
Schmerzlos, derb, nicht verschieblich, seit Wochen wachsend
C
Druckschmerzhaft am Hals bei Mandelentzündung
D
Akut geschwollen mit Fieber bei Racheninfekt
Schmerzlos, derb, nicht verschieblich, seit Wochen wachsend! Diese Kombination (besonders mit B-Symptomatik) ist verdächtig auf ein Lymphom oder eine Metastase. Schmerzhafte, verschiebliche Knoten bei Infekt sind dagegen meist harmlos-entzündlich.
Zusammenschau
Große Vergleichstabellen
Die prüfungsrelevantesten Übersichten auf einen Blick
Die 4 Allergietypen (Coombs & Gell)
TypNameVermittelt durchZeitBeispiel
ISoforttypIgE → HistaminSek.–Min.Heuschnupfen, Anaphylaxie
IIzytotoxischIgG/IgM gg. ZellenStd.Transfusionszwischenfall
IIIImmunkomplexImmunkomplexeStd.Serumkrankheit
IVSpättypT-Zellen (zellulär)24–72 hKontaktekzem (Nickel)
Die 5 Immunglobuline
IgSchlüsselmerkmal
IgGhäufigster AK, Spätantikörper, plazentagängig (Nestschutz)
IgMgrößter AK (Pentamer), Frühantikörper (akute Infektion)
IgAin Sekreten & Muttermilch (Schleimhautschutz)
IgEAllergie (Typ I) & Parasiten
IgDB-Zell-Aktivierung, geringe Menge
Anämien im Vergleich
AnämieZellgrößeSchlüssel
Eisenmangelmikrozytär, hypochromFerritin ↓, häufigste Anämie, chron. Blutung
Perniziös (B12)makrozytärIntrinsic-Factor-Mangel, neurolog. Symptome
HämolytischnormozytärBilirubin ↑, LDH ↑, Haptoglobin ↓, Retikulozyten ↑
RenalnormozytärEPO-Mangel bei Niereninsuffizienz
Blutungsanämienormozytärakuter/chron. Blutverlust
Gerinnung — Labor & Störungen
BefundBedeutung
PetechienThrombozytenstörung (primäre Hämostase)
Gelenk-/große HämatomeFaktorenmangel (Hämophilie)
Quick ↓ / INR ↑äußeres System, Marcumar, Vit-K-Mangel, Leber
PTT ↑inneres System, Heparin, Hämophilie
Hämophilie AFaktor VIII (85 %)
Hämophilie BFaktor IX (15 %)
Blutkrebs-Übersicht
ErkrankungSchlüsselmerkmal
ALLakut, häufigste Leukämie bei Kindern
AMLakut, vor allem Erwachsene
CMLchronisch, Philadelphia-Chromosom
Hodgkin-LymphomSternberg-Reed-Zellen, schmerzlose LK, gute Prognose
PlasmozytomMorbus Kahler, Bence-Jones-Proteine, Knochenabbau, Sturzsenkung
Bonus · Prüfungsvorbereitung
Altprüfungs-Hits & häufige Fehler
Was in HP-Prüfungen immer wieder gefragt wird
🏆 Top-Prüfungsfakten
#FrageAntwort
1Plasma vs. Serum?Serum = Plasma OHNE Gerinnungsfaktoren
2Woher kommt EPO?aus der Niere (→ renale Anämie bei Niereninsuff.)
3Wo werden Erythrozyten abgebaut?in der Milz (Lebensdauer 120 Tage)
4Plazentagängiger Antikörper?IgG (Nestschutz)
5Allergie Typ I — wodurch?IgE → Histamin (Soforttyp)
6Allergie Typ IV — wodurch?T-Zellen, Spättyp 24–72 h (Kontaktekzem)
7Häufigste Anämie?Eisenmangelanämie (mikrozytär)
8Hodgkin — beweisende Zelle?Sternberg-Reed-Riesenzellen
9Hämophilie A — welcher Faktor?Faktor VIII (85 % der Fälle)
10Vitamin-K-abhängige Faktoren?II, VII, IX, X (Leber)
11Wo reifen T-Lymphozyten?im Thymus
12Aktiv vs. passiv impfen?aktiv = selbst AK bilden (lang); passiv = fertige AK (sofort, kurz)
⚠️ Häufige Fehler
Falsch gedachtRichtig
„EPO kommt aus dem Knochenmark"EPO kommt aus der NIERE
„Eisenmangel macht große Zellen"Eisenmangel = KLEINE Zellen (mikrozytär). B12-Mangel = große
„IgM ist plazentagängig"IgG ist plazentagängig, nicht IgM (zu groß)
„Kontaktekzem ist Typ I"Kontaktekzem = Typ IV (Spättyp, T-Zellen)
„Petechien = Hämophilie"Petechien = Thrombozytenstörung; Hämophilie = große Hämatome/Gelenkblutungen
„Passive Impfung hält lange"Passiv = sofort, aber KURZ (kein Gedächtnis)
„Plasmozytom = Phäochromozytom"Plasmozytom (Morbus Kahler, Knochenmark) ≠ Phäochromozytom (Nebenniere)!
„Hodgkin-Lymphknoten schmerzen"Hodgkin = SCHMERZLOSE Lymphknotenschwellung
🔑 Mnemonik-Sammelkasten
ThemaEselsbrücke
Milzgröße4711: 4 cm dick, 7 cm breit, 11 cm lang
Vitamin-K-FaktorenII, VII, IX, X → „1972"
ImmunglobulineIgM = Mofort (akut), IgG = Gedächtnis & plazentaGängig
EosinophileEosinophile bei Ellergie & Würmern
HämophilieA=Faktor 8 (häufiger), B=Faktor 9
Serum„Das Serum ist schon geronnen" (ohne Gerinnungsfaktoren)
EntzündungszeichenRubor, Calor, Tumor, Dolor, Functio laesa
Allergietyp I vs. IVI = IgE = sofort; IV = 4 = spät (24–72 h), zellulär
Abschlussquiz — alles zusammen
Ein 30-jähriger Mann hat seit Wochen schmerzlose, derbe Lymphknotenschwellungen am Hals, dazu Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust. In der Histologie zeigen sich Sternberg-Reed-Riesenzellen. Welche Diagnose?
A
Eisenmangelanämie
B
Hodgkin-Lymphom
C
Hämophilie A
D
Plasmozytom
Hodgkin-Lymphom! Schmerzlose derbe Lymphknoten + B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) + beweisende Sternberg-Reed-Riesenzellen = klassisches Hodgkin-Lymphom.
Welche Aussage zur passiven Immunisierung ist richtig?
A
Der Körper bildet selbst Antikörper und Gedächtniszellen
B
Es werden fertige Antikörper gegeben — Schutz sofort, aber kurz
C
Sie hält lebenslang
D
Sie nutzt Lebendimpfstoffe
Fertige Antikörper, Schutz sofort aber kurz! Bei der passiven Immunisierung werden fertige Immunglobuline gegeben — sie wirken sofort, aber nur kurz, da der Körper kein eigenes Gedächtnis aufbaut. Die aktive Immunisierung (Antigene) wirkt verzögert, dafür lange.