Sehen, bevor du berührst
- Allgemeinzustand, Bewusstsein, Mimik
- Hautfarbe, Schweiß, Ödeme, Exantheme
- Atmung, Haltung, Schonhaltung
- Symmetrie, Schwellung, Deformität
Hier lernst du körperliche Untersuchung nicht als Liste zum Auswendiglernen, sondern als klinischen Ablauf: strukturiert beobachten, gezielt untersuchen, Befunde richtig einordnen und Red Flags sicher erkennen.
In der Prüfung zählt nicht nur, was du untersuchst, sondern ob du logisch, hygienisch, sicher und patientengerecht vorgehst.
Begrüßen, Identität klären, Einverständnis einholen, Beschwerden kurz einordnen.
Händedesinfektion, Eigenschutz, Intimsphäre, Lagerung, Schmerzgrenze beachten.
Bewusstsein, Hautkolorit, Atmung, Sprache, Haltung, Schonhaltung, Allgemeinzustand.
RR, Puls, Atemfrequenz, Temperatur, SpO₂, ggf. BZ und Schmerzskala.
Inspektion, Palpation, Perkussion, Auskultation — angepasst an Organ und Leitsymptom.
Befund zusammenfassen, DD bilden, Red Flags ausschließen, Vorgehen begründen.
„Ich erkläre der Patientin zunächst kurz mein Vorgehen, achte auf Einverständnis, Intimsphäre und Schmerzgrenze, desinfiziere meine Hände und untersuche dann systematisch nach Inspektion, Palpation, Perkussion und Auskultation.“
Diese Abläufe solltest du sicher können. Sie bilden die Grundlage für fast jede körperliche Untersuchung.
Die wichtigsten Untersuchungen kompakt zusammengefasst — prüfungsnah und praktisch formuliert.
| Bereich | Ablauf | Wichtige Befunde | Prüfungsfokus |
|---|---|---|---|
| Lunge | Inspektion Thorax/Atemarbeit → Palpation Thoraxexkursion/Stimmfremitus → Perkussion → Auskultation im Seitenvergleich. | Giemen, Brummen, Rasselgeräusche, abgeschwächtes Atemgeräusch, Dämpfung. | Pneumonie, Asthma, COPD, Pneumothorax, Lungenembolie. |
| Herz | Inspektion Dyspnoe/Zyanose/Ödeme → Puls/RR → Auskultation über Aorten-, Pulmonal-, Trikuspidal-, Mitralareal. | Tachykardie, Bradykardie, Rhythmusstörung, Herzgeräusch, Ödeme. | Herzinsuffizienz, KHK, Infarkt, Klappenfehler, Rhythmusstörungen. |
| Abdomen | Inspektion → Auskultation → Perkussion → Palpation oberflächlich/tief, schmerzfern beginnen. | Abwehrspannung, Loslassschmerz, Druckschmerz, fehlende Darmgeräusche. | Akutes Abdomen, Appendizitis, Ileus, Cholezystitis, Pankreatitis. |
| Neurologie | Bewusstsein/Sprache → Hirnnerven orientierend → Motorik → Sensibilität → Reflexe → Koordination/Gang. | Paresen, Sensibilitätsstörung, Reflexdifferenz, Ataxie, Meningismus. | Schlaganfall, Meningitis, MS, Polyneuropathie, Bandscheibenvorfall. |
| Bewegungsapparat | Inspektion → aktive/passive Beweglichkeit → Palpation → Funktionsprüfung → Durchblutung/Motorik/Sensibilität. | Schwellung, Rötung, Überwärmung, Bewegungseinschränkung, Fehlstellung. | Fraktur, Arthritis, Arthrose, Gicht, Bandscheibensyndrom. |
| Haut/Lymphknoten | Inspektion Effloreszenzen → Verteilung → Palpation Temperatur/Infiltration → Lymphknotenstatus. | ABCDE-Regel, Erythem, Vesikel, Ulkus, schmerzhafte oder harte Lymphknoten. | Melanom, Erysipel, Herpes zoster, Infektionskrankheiten, Malignität. |
Prüfer mögen klare Fachsprache. Nicht „komisch“, sondern objektiv: Wo? Wie groß? Schmerzhaft? Verschieblich? Einseitig?
Größe, Lokalisation, Konsistenz, Druckschmerz, Verschieblichkeit, Überwärmung und Hautveränderung beschreiben.
Vesikulär, abgeschwächt, bronchial, Giemen, Brummen, fein-/grobblasige Rasselgeräusche, Seitenvergleich.
Frequenz, Rhythmus, Qualität, Seitengleichheit und periphere Pulse dokumentieren.
Sicher, breitbasig, ataktisch, hinkend, kleinschrittig, Fallneigung, Einbeinstand, Zehen-/Hackengang.
Diese Warnzeichen müssen in der Heilpraktikerprüfung sofort als Grenze erkannt werden.
Akuter Brustschmerz, Atemnot, Bewusstseinsstörung, neurologische Ausfälle, Meningismus, akutes Abdomen, starke Blutung, Sepsiszeichen, Anaphylaxie, Suizidalität, Verdacht auf meldepflichtige oder behandlungsverbotene Infektionskrankheit.
Immer zuerst lebensbedrohliche Ursachen ausschließen: Myokardinfarkt, Lungenembolie, Aortendissektion, Pneumothorax. Begleitend fragen nach Dyspnoe, Ausstrahlung, Schweiß, Übelkeit, Risikofaktoren und Vitalparametern.
Red Flags: Abwehrspannung, Loslassschmerz, brettharter Bauch, Fieber, Kreislaufinstabilität, Hämatemesis/Meläna, Schwangerschaft, starker plötzlich einsetzender Schmerz.
Red Flags: plötzlich stärkster Kopfschmerz, neurologische Ausfälle, Fieber/Meningismus, Bewusstseinsstörung, Trauma, neuartiger Kopfschmerz bei älteren Menschen.
Red Flags: Blasen-/Mastdarmstörung, Reithosenanästhesie, progrediente Paresen, Fieber, Tumoranamnese, Trauma, nächtlicher Ruheschmerz.
So wird das Diagnostik-Center praktisch: Leitsymptom erkennen, Untersuchung auswählen, Befund deuten, Konsequenz ziehen.
Patient: 62 Jahre, akute Atemnot, blass, ängstlich, AF 28/min.
Patientin: 34 Jahre, rechtsseitiger Unterbauchschmerz, Übelkeit, leichtes Fieber.
Patient: 71 Jahre, plötzlich verwaschene Sprache und hängender Mundwinkel.
Erst gefährlich ausschließen, dann häufig denken. Ein guter Diagnostik-Ablauf erkennt Notfälle, bevor er Details sortiert.