Herz & Kreislauf · HP-Intensivskript
Kapitel 1 · Herzanatomie

Aufbau des Herzens

Schichten, Kammern, Klappen und Herzphasen sind KernprĂŒfungsstoff.

Das Herz im Überblick

Stell dir das Herz wie eine Doppelpumpe in einem Haus mit 4 RÀumen vor: 2 Vorhöfe oben (Wartezimmer) und 2 Kammern unten (die krÀftigen PumprÀume). Die rechte HaushÀlfte pumpt "verbrauchtes" Blut zur Lunge, die linke pumpt "frisches" Blut in den Körper.

Lage: Mediastinum (Mittelfellraum zwischen den Lungen), leicht nach links versetzt. Gewicht: ca. 250–300 g – etwa so schwer wie eine MĂ€nnerfaust und etwa so groß. Nicht 800 g (hĂ€ufiger PrĂŒfungsfehler!). Das Herz besteht aus 2 Vorhöfen (Atrien) + 2 Kammern (Ventrikel).

Das Herz ist so groß wie deine eigene Faust – und liegt auch ungefĂ€hr dort, wo du eine Faust auf die Brustmitte legen wĂŒrdest (leicht nach links). Diese "Faustregel" hilft dir, dir Lage und GrĂ¶ĂŸe gleichzeitig zu merken.
Mitralklappe = Bikuspidalklappe (2 Segel), Trikuspidalklappe (3 Segel). EselsbrĂŒcke: Die Mitralklappe sieht aus wie eine BischofsmĂŒtze (lat. mitra = MĂŒtze) – die hat zwei Spitzen, also 2 Segel. Die Trikuspidalklappe hat "tri" = drei Segel. Und: die Klappe mit 2 Segeln (Mitral) liegt links, weil "Mi" wie "links" ... naja, am besten merkt man: LINKS = MITRAL = 2 Segel.
Schau dir die Pfeile in der Grafik genau an: In den Lungenvenen (orange) fließt das Blut ZUM Herzen hin und ist sauerstoffreich – das ist die wichtigste Ausnahme, die in der PrĂŒfung gern gefragt wird! Und die Lungenarterie (lila) fĂŒhrt sauerstoffarmes Blut VOM Herzen weg. Bei allen anderen GefĂ€ĂŸen gilt: Arterie = rot/sauerstoffreich, Vene = blau/sauerstoffarm.
Die 3 Herzschichten
SchichtBezeichnungFunktion
EndokardHerzinnenhautGlatte Innenauskleidung; bildet die Herzklappen (aus Endothel)
MyokardHerzmuskelSpezieller quergestreifter Herzmuskel (unwillkĂŒrlich); Pumpleistung
EpikardHerzaußenhaut / viszerales PerikardBindegewebige Außenschicht; inneres Blatt des Herzbeutels

Herzbeutel (Perikard): umhĂŒllt das Herz. Zwischen Epikard und parietalem Perikardblatt: GleitflĂŒssigkeit. EntzĂŒndung → Perikarditis. FlĂŒssigkeitsansammlung → Perikarderguss → Herzbeuteltamponade.

3 Schichten: Endo-/Myo-/Epikard + Herzbeutel (Perikard). "Exokard" existiert nicht – klassische PrĂŒfungsablenkung!
Rechte vs. linke Herzseite
Rechte Herzseite (sauerstoffarm)
Rechter Vorhof ← V. cava superior + inferior
Trikuspidalklappe = Segelklappe (3 Segel)
Rechte Kammer → Truncus pulmonalis
Pulmonalklappe = Taschenklappe → Lunge
Linke Herzseite (sauerstoffreich)
Linker Vorhof ← 4 Lungenvenen
Mitralklappe = Segelklappe (2 Segel)
Linke Kammer → Aorta
Aortenklappe = Taschenklappe → Körper
Papillarmuskeln und Chordae tendineae

Die Segelklappen werden durch Chordae tendineae (SehnenfĂ€den) gehalten, die an Papillarmuskeln im Kammerinneren befestigt sind. Dies verhindert, dass die Segel bei der Systole in den Vorhof zurĂŒckschlagen (Prolaps). Bei Herzinfarkt kann ein Papillarmuskel einreißen → akute Mitralinsuffizienz → Notfall!

Segelklappen: Trikuspidal + Mitral. Taschenklappen: Pulmonal + Aorta. Mitralklappe trennt LINKEN Vorhof von linker Kammer – nicht rechts! HĂ€ufige PrĂŒfungsfalle.
Herzskelett

Das fibröse Herzskelett (anulus fibrosus) ist ein Bindegewebsring, der die Vorhöfe elektrisch von den Kammern trennt. Die Erregung kann nur ĂŒber das His-BĂŒndel ĂŒbertreten. Das Herzskelett bildet die Basis, an der Herzklappen und Herzmuskulatur befestigt sind. Es besteht nicht aus Knochen, sondern aus Bindegewebe – im Alter kann es verkalken.

Die 4 Herzphasen
PhaseKlappenstatusWas passiert?
Anspannungsphase (isovolumisch)Alle 4 Klappen geschlossen!Kammerdruck steigt, Volumen unverÀndert
Austreibungsphase (Systole)Taschenklappen offen · Segelklappen zuBlut fließt in Aorta + Pulmonalis
Entspannungsphase (isovolumisch)Alle 4 Klappen geschlossenDruck fÀllt, Volumen unverÀndert
FĂŒllungsphase (Diastole)Segelklappen offen · Taschenklappen zuKammern fĂŒllen sich
Anspannungsphase: ALLE 4 Klappen geschlossen – klingt falsch, ist aber korrekt und kommt garantiert in der PrĂŒfung! Herzminutenvolumen: ~70 ml × 70/min ≈ 5 L/min in Ruhe.
Welche Aussage zur Anspannungsphase des Herzens ist korrekt?
A
Segelklappen offen, Taschenklappen geschlossen
B
Alle 4 Herzklappen sind geschlossen
C
Taschenklappen offen, Segelklappen geschlossen
D
Die Mitralklappe öffnet als erste Klappe
In der Anspannungsphase (isovolumische Kontraktion) sind ALLE 4 Klappen geschlossen. Der Kammerdruck steigt an, bis er den Aorten-/Pulmonaldruck ĂŒbersteigt und dann erst die Taschenklappen öffnen. PrĂŒfungsfavorit!
Kapitel 2 · Blutweg

Der Weg des Blutes

Den Blutweg vollstĂ€ndig mit Sauerstoffgehalt aller GefĂ€ĂŸe kennen – wird garantiert abgefragt!

Arterien = vom Herzen weg. Venen = zum Herzen hin – unabhĂ€ngig vom Sauerstoffgehalt! Die A. pulmonalis fĂŒhrt sauerstoffarmes Blut, ist aber eine Arterie.
Der vollstÀndige Blutkreislauf
Linker Vorhof ← 4 Lungenvenen (O₂-reich)
↓ Mitralklappe öffnet (Diastole)
Linke Kammer fĂŒllt sich
↓ Systole: Aortenklappe öffnet
Aorta ascendens → Aortenbogen → Aorta descendens → Arterien → Arteriolen
↓
Kapillaren: O₂ + NĂ€hrstoffe ans Gewebe · CO₂ aufnehmen
↓ Venolen → Venen
V. cava superior (Kopf, Arme, Brust) + V. cava inferior (Bauch, Beine)
↓
Rechter Vorhof → Trikuspidalklappe → Rechte Kammer
↓ Systole: Pulmonalklappe öffnet
Truncus pulmonalis → A. pulmonalis → Lunge
↓ Gasaustausch: CO₂ ab, O₂ auf
4 Lungenvenen → Linker Vorhof ← Kreislauf beginnt neu
Sauerstoffgehalt der wichtigsten GefĂ€ĂŸe
GefĂ€ĂŸO₂-GehaltWarum?
Aorta + alle KörperarterienreichVerlassen linke Kammer
A. coronaria (HerzkranzgefĂ€ĂŸe)reichEntspringen Aorta ascendens kurz nach Aortenklappe
Venae pulmonales (Lungenvenen)reichEINZIGE Venen des Körpers mit O₂-reichem Blut!
V. cava superior + inferiorarmMĂŒnden in rechten Vorhof
Truncus pulmonalis, A. pulmonalisarmVerlassen rechte Kammer → Lunge
Vena portae (Pfortader)armVenöses Blut aus Darm/Milz – aber nĂ€hrstoffreich!
Koronararterien und Pfortader

Koronararterien: entspringen direkt aus der Aorta ascendens kurz nach der Aortenklappe. Sie sind Endarterien – keine wirksamen Anastomosen → Infarktnekrose ab ~20 min.

Pfortadersystem: V. mesenterica superior + V. mesenterica inferior + V. lienalis → V. portae → Leber → V. hepaticae → V. cava inferior.

V. hepatica (Lebervene) ist der AUSFLUSS der Leber → V. cava inferior. Sie mĂŒndet NICHT in die Pfortader!
In welchem GefĂ€ĂŸ fließt sauerstoffreiches Blut?
A
Arteria pulmonalis
B
Vena cava superior
C
Vena pulmonalis (Lungenvene)
D
Vena portae
Lungenvenen sind die einzigen Venen des Körpers mit sauerstoffreichem Blut – sie bringen oxygeniertes Blut vom linken Vorhof. A. pulmonalis, V. cava und V. portae fĂŒhren alle sauerstoffarmes Blut.
Thrombus aus tiefer Unterschenkelvene → Lungenembolie. Welches GefĂ€ĂŸ liegt NICHT auf dem Weg?
A
V. femoralis
B
V. cava inferior
C
Vena portae
D
Rechte Herzkammer
Weg: V. tibialis → V. poplitea → V. femoralis → V. iliaca → V. cava inferior → rechter Vorhof → rechte Kammer → Truncus pulmonalis → A. pulmonalis (dort Obstruktion = Lungenembolie). Die Pfortader liegt auf diesem Weg nicht.
Kapitel 3 · Erregungsleitung

Das Erregungsleitungssystem

Reihenfolge der 5 Stationen auswendig – kommt garantiert in der PrĂŒfung!

Die 5 Stationen in Reihenfolge
1. Sinusknoten (SA-Knoten) — Wand des rechten Vorhofs · primĂ€res Erregungszentrum · 60–80/min
↓ Erregung breitet sich ĂŒber beide Vorhöfe aus → Vorhofkontraktion
2. AV-Knoten — Vorhof-Kammer-Übergang · Verzögerung ~0,1 s · sekundĂ€res Zentrum · 40–60/min
↓
3. His-BĂŒndel — einzige elektrische Verbindung zwischen Vorhöfen und Kammern
↓ teilt sich in rechten und linken Schenkel
4. Tawara-Schenkel (rechts + links) — fĂŒhren Erregung in die KammerwĂ€nde
↓
5. Purkinje-Fasern — feine AuslĂ€ufer im Myokard · gleichzeitige Kammererregung
Sinusknoten → AV-Knoten → His-BĂŒndel → Tawara-Schenkel → Purkinje-Fasern. AV-Knoten verzögert ~0,1 s = Vorhöfe fĂŒllen Kammern vollstĂ€ndig. AV-Knoten = sekundĂ€res Erregungszentrum (nicht primĂ€res!).
Klinische Bedeutung
StörungUrsacheFolge
Sick-Sinus-SyndromSinusknoten insuffizientBradykardie, Synkopen, Pausen im EKG
AV-Block III°Komplette AV-BlockierungVorhöfe und Kammern schlagen unabhĂ€ngig; Kammern 20–40/min
WPW-SyndromZusĂ€tzliche Leitungsbahn (Kent-BĂŒndel)Reentry-Mechanismus → anfallsartiges Herzrasen (PrĂ€exzitation)
KammerflimmernChaotische KammererregungKreislaufstillstand → sofort Notarzt + CPR!
EKG-Grundlagen
Zacke/WelleBedeutungNormale Dauer
P-WelleVorhoferregung (Sinusknoten → Vorhöfe)< 0,1 s
PQ-ZeitÜberleitung Vorhof → Kammer (inkl. AV-Knoten-Verzögerung)0,12–0,2 s
QRS-KomplexKammererregung< 0,12 s (schmal = supraventrikulÀr, breit = ventrikulÀr)
ST-StreckeErregungsplateauphase der Kammern · Hebung = Infarkt!Isoelektrisch
T-WelleKammerrĂŒckbildung (Repolarisation)Positiv in den meisten Ableitungen
ST-Hebung im EKG = STEMI (ST-Elevation Myocardial Infarction) → sofortiger Notfall! ST-Senkung = IschĂ€mie oder NSTEMI. VerlĂ€ngertes PQ = AV-Block. Breiter QRS = Schenkelblock oder ventrikulĂ€rer Ursprung.
Herzfrequenz-Definitionen
Bradykardie
Herzfrequenz < 60/min
Ursachen: Sinusknoten-Erkrankung, AV-Block, Hypothyreose, Hypothermie, Medikamente (Betablocker, Digitalis)
Symptome: Schwindel, Synkopen, Leistungsminderung
Tachykardie
Herzfrequenz > 100/min
Ursachen: Fieber, AnÀmie, Hyperthyreose, Herzinsuffizienz, Schock, Vorhofflimmern, WPW
Symptome: Herzrasen, Palpitationen, Schwindel, Synkopen
Kammerflimmern = Kreislaufstillstand → sofort CPR + Notarzt! Defibrillation ist Ă€rztliche Maßnahme. HP darf nicht selbst defibrillieren.
Reanimation (CPR) – HP-Grenze und Grundlagen
SchrittMaßnahmeHP-Grenze?
1. Bewusstsein prĂŒfenAnsprechen, Schulter anfassenHP darf
2. Notruf112 alarmieren, Defibrillator holen lassenHP muss!
3. AtemwegskontrolleÜberstrecken des Kopfes, Atemkontrolle 10 sHP darf
4. Herzdruckmassage30 Kompressionen, Tiefe 5–6 cm, Frequenz 100–120/min, Druckpunkt: untere SternumhĂ€lfteHP darf + muss!
5. Beatmung2 AtemhĂŒbe nach 30 Kompressionen (30:2)HP darf
6. AED/DefibrillationLaiendefibrillator (AED) – HP darf anwenden!HP darf AED!
HP-Grenze Reanimation: Herzdruckmassage und Beatmung DARF der HP durchfĂŒhren und muss es sogar bei Kreislaufstillstand! Automatischer Defibrillator (AED) darf der HP anwenden. Manuelle Defibrillation (Paddles durch Arzt) und Intubation sind Ă€rztliche Maßnahmen.
Herzschrittmacher und implantierter Defibrillator
Herzschrittmacher (PM)
Elektrischer Impulsgenerator → stimuliert Herz wenn Eigenfrequenz zu niedrig
Indikationen: AV-Block III°, Sick-Sinus-Syndrom, symptomatische Bradykardie
HP: Implantation = Ă€rztliche Maßnahme. HP erkennt Indikation!
Wichtig: kein MRT ohne PM-Ausweis prĂŒfen!
ICD (Implantierbarer Defibrillator)
Erkennt Kammerflimmern/Kammertachykardie und defibrilliert automatisch
Indikationen: ĂŒberlebter Herzstillstand, schwere Kardiomyopathie, Long-QT
Patienten mit ICD: bei Bewusstlosigkeit → trotzdem CPR bis Notarzt!
Korrekte Reihenfolge der Erregungsleitung?
A
AV-Knoten → Sinusknoten → His-BĂŒndel → Tawara-Schenkel → Purkinje-Fasern
B
Sinusknoten → AV-Knoten → His-BĂŒndel → Tawara-Schenkel → Purkinje-Fasern
C
Sinusknoten → His-BĂŒndel → AV-Knoten → Tawara-Schenkel → Purkinje-Fasern
D
Sinusknoten → AV-Knoten → Purkinje-Fasern → His-BĂŒndel → Tawara-Schenkel
B ist korrekt. Sinusknoten (primĂ€r) → AV-Knoten (Verzögerung 0,1 s) → His-BĂŒndel (einzige Vorhof-Kammer-Verbindung) → Tawara-Schenkel → Purkinje-Fasern. Purkinje-Fasern kommen immer zuletzt!
Kapitel 4 · Herzklappen & Auskultation

Herzklappen & HerzgerÀusche

Systolikum vs. Diastolikum – eines der hĂ€ufigsten PrĂŒfungsthemen ĂŒberhaupt. Hier erklĂ€ren wir es von Grund auf.

Erst die Basis: Was sind Systole und Diastole?

Bevor wir ĂŒber GerĂ€usche reden, musst du die zwei Herzphasen wirklich verstehen. Das Herz macht stĂ€ndig zwei Dinge im Wechsel:

SYSTOLE = Anspannung
Die Kammern ziehen sich zusammen und pressen Blut hinaus – in Aorta und Lungenarterie.
Vergleich: Du drĂŒckst eine volle Wasserflasche fest zusammen, das Wasser spritzt heraus.
WĂ€hrend dieser Phase sind die Taschenklappen (Aorta/Pulmonal) OFFEN, damit Blut raus kann.
Die Segelklappen sind ZU, damit kein Blut zurĂŒck in die Vorhöfe schwappt.
DIASTOLE = Erschlaffung
Die Kammern entspannen sich und saugen/fĂŒllen sich mit neuem Blut aus den Vorhöfen.
Vergleich: Du lĂ€sst die zusammengedrĂŒckte Flasche los, sie dehnt sich aus und saugt Wasser/Luft an.
Jetzt sind die Segelklappen (Mitral/Trikuspidal) OFFEN, Blut fließt von den Vorhöfen in die Kammern.
Die Taschenklappen sind ZU, damit kein Blut aus der Aorta zurĂŒckfließt.
Systole = "Sie pressen" (beide mit S) → das Herz presst Blut raus. Diastole = "Die fĂŒllt" → das Herz fĂŒllt sich. Oder ganz einfach: SyStole = Schieben (raus), Diastole = Dehnen (fĂŒllen).
Eine Herzklappe ist wie ein Einbahn-Ventil oder eine selbstschließende TĂŒr: Sie lĂ€sst Blut nur in EINE Richtung durch. Geht etwas schief, gibt es nur zwei Möglichkeiten – die TĂŒr klemmt (= Stenose, zu eng) oder die TĂŒr schließt nicht richtig (= Insuffizienz, undicht). Mehr Möglichkeiten gibt es nicht!
Stenose vs. Insuffizienz – der SchlĂŒssel zum VerstĂ€ndnis
STENOSE = zu eng
Die Klappe öffnet sich nicht weit genug. Das Blut muss sich durch eine zu enge Öffnung quetschen.
Vergleich: Ein Gartenschlauch, auf den du mit dem Daumen drĂŒckst – es zischt, weil das Wasser durch eine Engstelle gepresst wird.
Das GerĂ€usch entsteht, WÄHREND die Klappe eigentlich offen sein sollte.
INSUFFIZIENZ = undicht
Die Klappe schließt nicht richtig. Blut fließt durch das Leck zurĂŒck (Pendelblut).
Vergleich: Eine TĂŒr, die nicht ganz zugeht – es zieht durch den Spalt.
Das GerĂ€usch entsteht, WÄHREND die Klappe eigentlich geschlossen sein sollte.
Die 2 Herztöne
1. Herzton (S1)
Schluss der Segelklappen (Mitral + Trikuspidal) zu Systolenbeginn
Tiefer, lĂ€nger – Anspannungston ("Lup")
2. Herzton (S2)
Schluss der Taschenklappen (Aorta + Pulmonal) am Systolenende
Höher, kĂŒrzer ("Dup")
2. Herzton ist kĂŒrzer und höher als der 1. (nicht umgekehrt!). Physiologische Spaltung des 2. Herztons bei tiefer Inspiration = normal. Funktionelle HerzgerĂ€usche: immer systolisch, keine Fortleitung, kein Herzfehler.
Systolikum vs. Diastolikum
GerÀuschZeitpunktKlappenfehler
SystolikumKammer kontrahiertAortenstenose · Pulmonalstenose · Mitralinsuffizienz · Trikuspidalisuffizienz · VSD
DiastolikumKammer fĂŒllt sichAorteninsuffizienz · Pulmonalinsuffizienz · Mitralstenose · Trikuspidalisstenose
Warum macht welcher Fehler welches GerÀusch? (Die Logik dahinter)

Du musst das nicht stur auswendig lernen – mit dem VerstĂ€ndnis von eben kannst du es dir herleiten. Frag dich immer zwei Dinge: 1) Wann ist diese Klappe normalerweise offen/zu? 2) Stenose oder Insuffizienz?

Aortenstenose: Die Aortenklappe ist in der Systole offen (Blut wird rausgepresst). Ist sie zu eng, zischt es WÄHREND der Systole → Systolikum. (Schlauch mit Daumen drauf, wĂ€hrend gepumpt wird.)
Aorteninsuffizienz: In der Diastole sollte die Aortenklappe dicht sein. Ist sie undicht, fließt Blut aus der Aorta zurĂŒck in die Kammer → GerĂ€usch in der Diastole → Diastolikum.
Mitralstenose: Die Mitralklappe ist in der Diastole offen (Kammer fĂŒllt sich). Ist sie zu eng, quetscht sich das Blut diastolisch durch → Diastolikum.
Mitralinsuffizienz: In der Systole sollte die Mitralklappe dicht sein. Ist sie undicht, presst die Kammer Blut zurĂŒck in den Vorhof → GerĂ€usch in der Systole → Systolikum.
Die ganz schnelle EselsbrĂŒcke: AMEN = Aortenstenose + Mitralinsuffizienz machen ein Systolikum. Die jeweils anderen Fehler (Aorteninsuffizienz + Mitralstenose) machen ein Diastolikum. Noch einfacher gemerkt: Stenose und Insuffizienz DERSELBEN Klappe machen IMMER verschiedene GerĂ€usche – sie sind sozusagen Gegenspieler.
Generalregel zum Herleiten: Klappe der Systole (= Aorta/Pulmonal) + Stenose → Systolikum. Dieselbe Klappe + Insuffizienz → Diastolikum. Bei den Segelklappen (Mitral/Trikuspidal) ist es genau umgekehrt, weil sie in der Diastole offen sind.
Auskultationspunkte
A
Aortenklappe
2. ICR rechts parasternal
P
Pulmonalklappe
2. ICR links parasternal
E
Erb'scher Punkt
3./4. ICR links parasternal
T
Trikuspidalklappe
4./5. ICR links parasternal
M
Mitralklappe
5. ICR links MCL
3. und 4. Herzton – Galopprhythmus
TonEntstehungBedeutung
3. Herzton (S3)Rasches Einströmen von Blut in die Kammer in der frĂŒhen DiastoleBei Kindern/Jugendlichen normal. Bei Erwachsenen >40 J: Zeichen einer Herzinsuffizienz (ÜberfĂŒllung der Kammer)!
4. Herzton (S4)Vorhofkontraktion gegen steife/hypertrophe Kammer in der spÀten DiastoleImmer pathologisch! Zeichen einer Linksherzhypertrophie (Hypertonie, Aortenstenose)
3. Herzton = bei Erwachsenen pathologisch → Herzinsuffizienz. 4. Herzton = immer pathologisch → hypertrophe/steife Kammer. Zusammen mit 1. und 2. Herzton entsteht ein Galopprhythmus (wie ein galoppierendes Pferd). PrĂŒfungswissen!

Herzspitzenstoß: im 5. ICR links in der Medioklavikularlinie. "3. ICR Axillarlinie" oder "4. ICR" = falsch!

Aortenstenose vs. Aorteninsuffizienz
Aortenstenose
Systolikum – 2. ICR rechts parasternal
Fortleitung in die Karotiden!
Kleine Amplitude · Pulsus parvus et tardus
Trias: Angina · Synkopen · Herzinsuffizienz
Plötzlicher Herztod möglich!
Aorteninsuffizienz
Diastolikum (+ Systolikum durch Volumenbelastung)
Große Amplitude: Wasserhammer-Puls
RR z.B. 160/40 mmHg (hohe Amplitude)
Periphere Ödeme erst in SpĂ€tstadium
Diastolisches HerzgerĂ€usch – welche zwei Diagnosen passen?
A
Aortenstenose + Pulmonalstenose
B
Mitralinsuffizienz + Trikuspidalisuffizienz
C
Mitralstenose + Aorteninsuffizienz
D
Aortenstenose + Mitralinsuffizienz
Diastolikum: Mitralstenose, Trikuspidalisstenose, Aorteninsuffizienz, Pulmonalinsuffizienz. Aortenstenose und Mitralinsuffizienz erzeugen Systolikum. AMEN-Regel!
Kapitel 5 · Arterienanatomie

Die großen Arterien

Aortenbogen-AbgĂ€nge, Bauchaorta, Beinpulse und GefĂ€ĂŸwandaufbau.

Aorta und ihre AbgÀnge
AbschnittWichtige AbgÀnge
Aorta ascendensA. coronaria dextra + sinistra – direkt nach der Aortenklappe
Aortenbogen1. Truncus brachiocephalicus → A. carotis comm. dextra + A. subclavia dextra
2. A. carotis communis sinistra
3. A. subclavia sinistra
BrustaortaIntercostalarterien
BauchaortaTruncus coeliacus (Leber, Magen, Milz) · A. mesenterica superior (DĂŒnndarm + 2/3 Dickdarm) · A. mesenterica inferior · A. renalis (Nieren)
Bifurkation (~L4)A. iliaca communis dextra + sinistra → Beine
Aus dem Aortenbogen entspringen genau 3 GefĂ€ĂŸe – nicht 2! Nierenarterien entspringen aus der Bauchaorta, NICHT dem Aortenbogen. Truncus coeliacus versorgt Oberbauchorgane (Leber, Magen, Milz) – nicht den Darm.
Beinpulse – Tastpunkte
A. femoralis
Leistenregion · wichtigster proximaler Tastpunkt
A. poplitea
Kniekehle · bei pAVK frĂŒh abgeschwĂ€cht
A. tibialis posterior
Innen vor Achillessehne · bei ~90% Gesunder tastbar
A. dorsalis pedis
FußrĂŒcken · bei pAVK oft zuerst fehlend
GefĂ€ĂŸwandaufbau: Arterien vs. Venen
SchichtArterieVene
Tunica intimaGlattesendothel; keine KlappenBildet Venenklappen (Taschenklappen aus Endothel)
Tunica mediaHerznahe: elastisch (Windkessel) · Herzferne: muskulĂ€rDĂŒnner; weniger Muskulatur
Tunica adventitiaBindegewebe, Vasa vasorumDickste Schicht bei der Vene!
Arterie vs. Vene merken: "Arterien transportieren AktivAb vom Herzen" – beide mit A. Venen fĂŒhren Blut VOR (zum) Herzen. Und: ArterienwĂ€nde sind dick und elastisch (sie mĂŒssen den hohen Pumpdruck aushalten), VenenwĂ€nde sind dĂŒnn und schlaff (Niederdrucksystem). Vergleich: Arterie = dicker Feuerwehrschlauch unter Druck, Vene = schlaffer Gartenschlauch.
Venen = KapazitĂ€tsgefĂ€ĂŸe: ~2/3 der Gesamtblutmenge. Arterien = WiderstandsgefĂ€ĂŸe. Arterien haben keine Klappen. Venenklappen werden aus dem Endothel der Intima gebildet.
Windkesselfunktion der Aorta einfach erklĂ€rt: Die elastische Aortenwand dehnt sich bei jedem Herzschlag wie ein Luftballon und gibt die gespeicherte Energie dann gleichmĂ€ĂŸig wieder ab. Dadurch fließt das Blut auch zwischen zwei HerzschlĂ€gen kontinuierlich weiter – wie bei einer alten Feuerwehrpumpe mit Luftkessel, die aus dem ruckartigen Pumpen einen gleichmĂ€ĂŸigen Wasserstrahl macht. Daher der Name "Windkessel".
Was entspringt DIREKT aus dem Aortenbogen?
A
A. renalis und A. mesenterica superior
B
Truncus brachiocephalicus, A. carotis communis sinistra, A. subclavia sinistra
C
Koronararterien und Truncus coeliacus
D
Truncus coeliacus, A. renalis und A. mesenterica superior
Aus dem Aortenbogen entspringen genau 3 GefĂ€ĂŸe: Truncus brachiocephalicus, A. carotis communis sinistra, A. subclavia sinistra. Koronararterien entspringen aus der Aorta ascendens, Truncus coeliacus und Nierenarterien aus der Bauchaorta.
Kapitel 6 · Venöses System

Venen & Pfortadersystem

Welche Venen fĂŒhren wohin, was mĂŒndet in die Pfortader, venöser RĂŒckfluss.

Obere und untere Hohlvene
V. cava superior
Kopf, Arme, Brust
V. jugularis + V. brachialis/axillaris → V. brachiocephalica → V. cava sup.
V. cava inferior
Bauch, Becken, Beine
V. hepatica + V. renalis + V. iliaca communis → V. cava inf.
Pfortadersystem

In die V. portae hepatis mĂŒnden: V. mesenterica superior + V. mesenterica inferior + V. lienalis. Bringt nĂ€hrstoffreiches (sauerstoffarmes) Blut zur Leber. Ausfluss: V. hepaticae → V. cava inferior.

V. hepatica (Lebervene) ist der AUSFLUSS der Leber → V. cava inferior. Sie mĂŒndet NICHT in die Pfortader!
Beinvenensystem
Tiefes Venensystem
V. tibialis → V. poplitea → V. femoralis → V. iliaca → V. cava inf. TrĂ€gt ~90% des venösen Blutes ab.
OberflÀchliches System
V. saphena magna (innen) + V. saphena parva (außen). HĂ€ufig von Varikose betroffen.
Vv. perforantes
Verbindung zwischen den Systemen. Physiologisch: Blutfluss von außen nach innen (→ tief).
Venöser RĂŒckfluss – 5 Mechanismen
Venenklappen: verhindern RĂŒckfluss durch Schwerkraft
Muskelpumpe: Wadenmuskelkontraktion beim Gehen drĂŒckt Blut herzwĂ€rts (deshalb heißt die Wade "zweites Herz"!). Vergleich: wie eine Zahnpastatube, die von unten ausgedrĂŒckt wird – die Venenklappen verhindern, dass es zurĂŒcklĂ€uft.
Arterienpuls: benachbarte Arterien drĂŒcken pulsierend auf Venen
Atemsog: Inspiratorischer Unterdruck im Thorax zieht venöses Blut an
Herzsog: Systole erzeugt Sog auf den rechten Vorhof
Welche Aussage zur Vena portae ist richtig?
A
V. hepatica mĂŒndet in die Pfortader
B
Die Pfortader fĂŒhrt sauerstoffreiches Blut zur Leber
C
V. mesenterica superior + V. mesenterica inferior + V. lienalis mĂŒnden in die V. portae
D
V. cava superior ist der wichtigste Zufluss der Pfortader
C ist korrekt. In die Pfortader mĂŒnden: V. mesenterica superior + inferior + V. lienalis. Das Blut ist sauerstoffarm aber nĂ€hrstoffreich. V. hepatica ist der Ausfluss der Leber → V. cava inferior (nicht in Pfortader!).
Kapitel 7 · Blutdruck

Blutdruck & Regulation

Normwerte, Messfehler und RAAS-System – PrĂŒfungsdauerbrenner.

Blutdruck-Normwerte
KategorieSystolischDiastolisch
Optimal< 120 mmHg< 80 mmHg
Normal120–12980–84
Hochnormal130–13985–89
Hypertonie Grad 1140–15990–99
Hypertonie Grad 2160–179100–109
Hypertonie Grad 3> 180> 110

Einheit: mmHg – nicht cmHg! HĂ€ufiger PrĂŒfungsfehler.

Blutdruckmessung nach Riva-Rocci – Fehlerquellen

Manschette anlegen → aufpumpen bis Radialispuls weg + 30 mmHg → langsam ablassen (2–3 mmHg/s) → erstes Korotkow-GerĂ€usch = systolisch, letztes = diastolisch. Bei Erstuntersuchung: beide Arme!

Falsch zu HOCH
Manschette zu klein (dicker Arm)
Manschette zu locker
Luft zu langsam abgelassen
Auskultatorische LĂŒcke ĂŒbersehen
Falsch zu NIEDRIG
Manschette zu groß
Arm ĂŒber Herzhöhe
Luft zu schnell abgelassen
Armmuskulatur angespannt
Zu kleine Manschette bei dickem Arm = falsch HOHE Werte! Breitere Manschette (~18 cm) verwenden. HĂ€ufigste PrĂŒfungsfrage zur Blutdruckmessung!
Blutdruckregulation: RAAS

Kurzfristig: Barorezeptoren im Aortenbogen und Karotissinus messen Wanddehnung. Druckanstieg → Parasympathikus ↑ → HF ↓, Vasodilatation → RR sinkt. Der Karotissinus liegt an der Bifurkation der A. carotis communis in die A. carotis interna (dort sitzen die Barorezeptoren).

Mittelfristig – RAAS: NierenischĂ€mie → Renin → Angiotensinogen → Angiotensin I → (ACE) → Angiotensin II → Vasokonstriktion + Aldosteron → Naâș/H₂O-Retention → RR ↑.

RAAS: Renin → Angiotensin I → (ACE!) → Angiotensin II (vasokonstriktiv!) → Aldosteron (Wasserretention). ACE-Hemmer (Ramipril, Enalapril) blockieren diesen Schritt → RR sinkt.
Patient mit 45 cm Oberarmumfang, Standardmanschette. Was ist korrekt?
A
Wert zu niedrig; schmalere Manschette
B
Wert zu hoch; breitere Manschette (~18 cm) verwenden
C
Armumfang hat keinen Einfluss auf die Messung
D
Am Unterarm messen
Zu kleine/kurze Manschette: Mehr Druck nötig um das GefĂ€ĂŸ abzudrĂŒcken → gemessener Wert zu HOCH. Lösung: breitere Manschette (~18 cm statt Standard 14 cm). Sehr hĂ€ufige HP-PrĂŒfungsfrage!
Kapitel 8 · Koronare Herzerkrankung

KHK & Herzinfarkt

Erkennung = Pflicht, Behandlung = HP-Grenze. Notfallthema!

Koronare Herzerkrankung (KHK)

Arteriosklerose der Koronararterien → Plaques → MyokardischĂ€mie. HĂ€ufigste Todesursache in Deutschland. Risikofaktoren: Hypertonie, Diabetes mellitus, Rauchen, LDL↑/HDL↓, Übergewicht, Bewegungsmangel, mĂ€nnliches Geschlecht, Alter, familiĂ€re Belastung.

Stabile Angina pectoris: Druck/Enge hinter Brustbein bei Belastung, Besserung in Ruhe oder durch Nitro. Normales EKG schließt KHK NICHT aus!

Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

VollstĂ€ndiger Koronarverschluss (Plaque-Ruptur + Thrombose) → Myokardnekrose ab ~20 min. GehĂ€uft in den frĂŒhen Morgenstunden (Gerinnung aktiver, Katecholaminanstieg).

Vernichtungsschmerz
Hinter dem Brustbein, >20 min, kein Ansprechen auf Nitro
Ausstrahlung
Linker Arm, Unterkiefer, Schulter, RĂŒcken, Oberbauch
Begleitsymptome
Angst, Todesangst, Schweißausbruch, Übelkeit, Erbrechen
Atypisch (wichtig!)
Nur Oberbauchschmerz. Bei Diabetikern oft SCHMERZLOS (autonome Neuropathie)! Frauen: hÀufiger atypisch.
Diabetiker: oft schmerzloser Infarkt! Normales EKG schließt Infarkt NICHT aus. Wichtigster Laborwert: Troponin T/I. Infarkte hĂ€ufen sich MORGENS. HĂ€ufigste Todesursache im akuten Infarkt: Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern).
Herzinfarkt = absoluter Notfall! Sofort Notarzt. Oberkörper hochlagern (wenn bewusst). KEINE Schocklagerung! Venöser Zugang legen. Nitro nur wenn RR bekannt und ausreichend hoch.
STEMI vs. NSTEMI
STEMI
ST-Elevation Myocardial Infarction
Kompletter Koronarverschluss → transmuraler Infarkt (gesamte Wanddicke)
EKG: ST-Hebung, spÀter pathologisches Q
Troponin ↑ · CK-MB ↑
Notfall: sofortige Revaskularisation (PCI)
NSTEMI / instabile AP
Non-ST-Elevation Myocardial Infarction
Subtotaler Verschluss → subendokardialer Infarkt
EKG: ST-Senkung, T-Negativierung (KEINE Hebung)
Troponin ↑ (NSTEMI) oder normal (instabile AP)
Ebenfalls Notfall!
Herzenzyme im Zeitverlauf
MarkerAnstiegMaximumNormalisierungBedeutung
Troponin T/I3–6 h12–24 h7–14 TageHerzspezifisch! Goldstandard
CK-MB4–8 h12–24 h48–72 hHerzspezifisch, schneller wieder normal
Myoglobin1–3 h6–9 h24 hFrĂŒhmarker, nicht herzspezifisch!
Troponin = wichtigster Infarktmarker. Aber: Troponin steigt erst nach 3–6 h! Bei negativem Troponin in der ersten Stunde: zweite Messung nach 3 h nötig. Normales Troponin schließt frischen Infarkt in der FrĂŒhphase NICHT aus!
Interventionelle Therapie bei KHK und Infarkt
Koronarangiografie (Herzkatheter)
Invasive Darstellung der KoronargefĂ€ĂŸe mit Kontrastmittel
Goldstandard der KHK-Diagnostik
Zugang: meist A. femoralis (Leiste) oder A. radialis (Handgelenk)
Gleichzeitig: PTCA (Ballondilatation) + Stent möglich
Therapieoptionen
PCI/PTCA: Ballondilatation + Stentimplantation. Methode der Wahl beim STEMI!
Bypass-OP: Umleitung des Blutflusses an verengter Stelle. Bei MehrgefĂ€ĂŸerkrankung oder KHK + Diabetes
Thrombolyse: Auflösung des Thrombus medikamentös. Wenn PCI nicht innerhalb 120 min möglich
STEMI: sofortige PCI (Katheter) innerhalb von 90–120 min (Door-to-Balloon-Zeit). Wenn PCI nicht erreichbar: Lysetherapie. Stent-Thrombose-Prophylaxe: duale PlĂ€ttchenhemmung (ASS + P2Y12-Hemmer, z.B. Clopidogrel) fĂŒr mindestens 12 Monate!
Differentialdiagnosen Herzinfarkt
Lungenembolie (Dyspnoe, Tachykardie, Thoraxschmerz)
Herpes zoster (brennend, einseitig, Dermatom)
Refluxkrankheit / Ösophagusspasmus
Akute Pankreatitis (GĂŒrtelschmerz, Oberbauch)
Aortendissektion (reißender Schmerz, RĂŒckenausstrahlung)
Welche Aussage zum Herzinfarkt ist korrekt?
A
Herzinfarkte treten immer nach vorherigen Angina-Episoden auf
B
Bei Diabetikern sind Infarkte besonders schmerzhaft
C
Infarkte hĂ€ufen sich frĂŒh morgens; Troponin T/I ist der wichtigste Laborwert
D
Normales EKG schließt akuten Infarkt sicher aus
C ist korrekt. Herzinfarkte hĂ€ufen sich morgens (Gerinnung aktiver, Katecholamine). Troponin T und I sind herzspezifische Biomarker. Diabetiker: autonome Neuropathie → oft schmerzlos! Normales EKG schließt Infarkt nicht aus (besonders in FrĂŒhphase).
Kapitel 9 · Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz

Links vs. Rechts, NYHA-Stadien, Globalinsuffizienz – Dauerbrenner!

Ursachen
KHK / Herzinfarkt (hÀufigste!)Arterielle Hypertonie HerzklappenfehlerHerzrhythmusstörungen MyokarditisKardiomyopathie Perikarditis calcarea (Panzerherz)Lungenembolie (akute Rechtsinsuffizienz)
Herzneurose = KEINE organische Ursache der Herzinsuffizienz! Somatoforme Erkrankung. Klassischer PrĂŒfungstrick!
NYHA-Stadien
I
Keine EinschrÀnkung
Herzerkrankung, aber keine Symptome im Alltag!
II
Leichte EinschrÀnkung
Beschwerden bei stÀrkerer Belastung (Bergsteigen, schnelles Gehen). Ruhe: symptomfrei.
III
Deutliche EinschrÀnkung
Beschwerden bei leichter Belastung (Treppen, langsames Gehen).
IV
Beschwerden in Ruhe
Symptome in Ruhe. Weitgehend bettlÀgerig.
NYHA I = KEINE Beschwerden (nicht "bei geringer Belastung"!) – hĂ€ufigster PrĂŒfungsfehler! NYHA II = starke Belastung. III = leichte Belastung. IV = Ruhe.
Links- vs. Rechtsherzinsuffizienz
Linksherzinsuffizienz
RĂŒckstau in die Lunge
Dyspnoe – Leitsymptom!
Asthma cardiale (nÀchtliche Dyspnoe)
Lungenödem (feuchte RasselgerÀusche)
Zyanose
KEINE peripheren Ödeme!
Rechtsherzinsuffizienz
RĂŒckstau im Körperkreislauf
Beinödeme (teigig, eindrĂŒckbar)
Stauungsleber (Hepatomegalie)
Gestaute Halsvenen (V. jugularis externa)
Aszites
Rasche Gewichtszunahme
Kompensationsmechanismen bei Herzinsuffizienz
Frank-Starling-Mechanismus: Mehr Vordehnung der Herzmuskelzellen → stĂ€rkere Kontraktion. Kurzfristig hilfreich, bei chronischer Insuffizienz erschöpft.
Myokardhypertrophie: Druckbelastung → konzentrische Hypertrophie (dicke Wand, normales Lumen). Volumenbelastung → exzentrische Hypertrophie (Dilatation).
Tachykardie: Sympathikusaktivierung → HF ↑ → HMV ↑. Kurzfristig kompensatorisch, langfristig schĂ€dlich.
RAAS-Aktivierung: Aldosteron → Naâș/H₂O-Retention → Vorlast ↑. Langfristig: Ödembildung, Progression.

BNP / NT-proBNP (Brain Natriuretic Peptide): wird bei erhöhtem FĂŒllungsdruck der Kammern freigesetzt. Wichtiger Laborwert zur Diagnose und Verlaufskontrolle der Herzinsuffizienz. Erhöhte Werte sprechen fĂŒr Herzinsuffizienz als Ursache von Dyspnoe (DD: Lungenerkrankung).

L = Links = Lunge (Dyspnoe, Lungenödem). R = Rechts = Rest des Körpers (Beinödeme, Leber, Halsvenen). Obere Einflussstauung: V. jugularis EXTERNA bei erhöhtem Oberkörper (45°)!
Herzinsuffizienz – Medikamentöse Therapie
MedikamentWirkungIndikation bei HI
ACE-Hemmer (Ramipril, Enalapril)RAAS-Hemmung → Vor- und NachlastsenkungBasistherapie bei HFrEF
AT1-Blocker (Sartan, z.B. Losartan)Angiotensin-II-Rezeptor-BlockadeWenn ACE-Hemmer nicht toleriert (Husten!)
Betablocker (Bisoprolol, Carvedilol)Herzfrequenzsenkung, RhythmusstabilisierungBasistherapie; nur bei stabiler HI!
Diuretika (Furosemid, Torasemid)FlĂŒssigkeitsausschwemmung → ÖdemreduktionSymptomkontrolle (Dyspnoe, Ödeme)
Aldosteronantagonisten (Spironolacton)Kaliumsparend, antifibrotischNYHA III–IV; Kontrolle Kalium!
Digitalis (Digoxin)Positiv inotrop, negativ chronotropVorhofflimmern + HI. Enge therapeutische Breite → Intoxikation möglich!
ACE-Hemmer-Nebenwirkung: trockener Reizhusten (durch Bradykinin-Anstieg) → auf Sartan wechseln! Digitalis-Intoxikation: Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen (Gelbsehen), Bradykardie, AV-Block. Bei HypokaliĂ€mie verstĂ€rkte Digitalis-Wirkung → gefĂ€hrlich!
Kardiomyopathien
FormPathologieMerkmale
Dilatative KMP (DKMP)Erweiterte Kammern, dĂŒnne Wand, reduzierte PumpfunktionHĂ€ufigste Form. Ursachen: Myokarditis, Alkohol, Peripartum. Herzinsuffizienz-Symptome.
Hypertrophe KMP (HKMP)Verdickte Kammerwand, oft SeptumhypertrophieHÀufig genetisch! Asymptomatisch bis plötzlicher Herztod bei Sportlern. Obstruktiv (HOCM): Ausflusstraktobstruktion.
Restriktive KMPStarre, nicht dehnbare KammerwandDiastolische Dysfunktion. Ursachen: Amyloidose, HĂ€mochromatose, Sarkoidose.
HKMP = hÀufigste Ursache des plötzlichen Herztodes bei jungen Sportlern! Vor Aufnahme in Leistungssport: EKG-Screening. Alkohol-KMP: bei Abstinenz teilweise reversibel!
Welche Befunde weisen auf Rechtsherzinsuffizienz hin?
A
Dyspnoe + Lungenödem + feuchte RasselgerÀusche
B
Beinödeme + Stauungsleber + gestaute Halsvenen + Aszites
C
Asthma cardiale + Zyanose
D
Linksherzinsuffizienz und Rechtsherzinsuffizienz haben dieselben Symptome
B ist korrekt. Rechtsherzinsuffizienz: RĂŒckstau im Körperkreislauf → Beinödeme, Stauungsleber, gestaute Halsvenen, Aszites. Linksherzinsuffizienz: RĂŒckstau in Lunge → Dyspnoe, Asthma cardiale, Lungenödem. Leitsymptom der Linksinsuffizienz = Dyspnoe!
Kapitel 10 · Herzklappenfehler

Herzklappenfehler

Systolikum oder Diastolikum – welche Klappe erzeugt welches GerĂ€usch?

Übersicht aller Klappenfehler
KlappeFehlerGerÀuschBesonderheiten
AortenklappeStenoseSystolikum2. ICR rechts · Fortleitung Karotiden · kleine Amplitude · Pulsus parvus et tardus · Synkopen · plötzl. Herztod
AortenklappeInsuffizienzDiastolikumGroße Amplitude · Wasserhammer-Puls · hohe RR-Amplitude
MitralklappeStenoseDiastolikumFacies mitralis · hÀufig nach rheumatischem Fieber
MitralklappeInsuffizienzSystolikum5. ICR links MCL · Fortleitung in Axilla
PulmonalklappeStenoseSystolikum2. ICR links parasternal
PulmonalklappeInsuffizienzDiastolikumSeltener
TrikuspidalklappeInsuffizienzSystolikum4./5. ICR links parasternal
TrikuspidalklappeStenoseDiastolikumSehr selten
AMEN: Aortenstenose + Mitralinsuffizienz = Systolikum. Aorteninsuffizienz + Mitralstenose = Diastolikum. Gilt analog fĂŒr Pulmonal-/Trikuspidalklappe.
Aortenstenose, Mitralstenose, Mitralklappenprolaps

Aortenstenose: hĂ€ufig degenerativ-kalzifizierend im Alter. Lange asymptomatisch! Klinische Trias: Angina pectoris · Synkopen · Herzinsuffizienz. Nach Symptombeginn: mittlere Überlebensdauer ohne OP nur 1–2 Jahre. Plötzlicher Herztod möglich.

Mitralstenose: hĂ€ufigste Ursache = rheumatisches Fieber. Typisch: Facies mitralis (rötliche Wangen durch chronische Stauung). Komplikation: Vorhofflimmern → Thrombembolie.

Mitralklappenprolaps: Mitralklappensegel wölbt sich systolisch in linken Vorhof. HÀufiger bei jungen Frauen. Diagnose: Echokardiographie. Meist keine schwerwiegenden Komplikationen.

Angeborene Herzfehler (KurzĂŒberblick)
HerzfehlerBeschreibungShunt-RichtungBesonderheit
VSD (Ventrikelseptumdefekt)Loch in der KammerscheidewandLinks → Rechts (DruckgefĂ€lle!)HĂ€ufigster angeborener Herzfehler. Systolikum!
ASD (Vorhofseptumdefekt)Loch in der VorhofscheidewandLinks → RechtsOft lange asymptomatisch
PDA (Persistierender Ductus arteriosus)GefĂ€ĂŸverbindung Aorta ↔ Pulmonalarterie bleibt offenLinks → RechtsNormalerweise nach Geburt verschlossen
Bicuspide AortenklappeAORTENklappe hat nur 2 statt normal 3 Taschen (Fehlbildung!)—HĂ€ufigste angeborene Herzfehlbildung des Erwachsenen (1–2%)! FĂŒhrt zu frĂŒhzeitiger Aortenstenose/-insuffizienz. Nicht verwechseln mit der Bikuspidalklappe = normaler Name der Mitralklappe (2 Segel)!
Fallot-Tetralogie4 Defekte: VSD + Pulmonalstenose + ĂŒberreitende Aorta + rechte HerzhypertrophieRechts → LinksZyanose! "Blauer Herzfehler"
Shunt-Richtung: Links → Rechts (Azyanotisch: VSD, ASD, PDA) vs. Rechts → Links (Zyanotisch: Fallot). Bei VSD: Systolikum 3./4. ICR links parasternal. Bicuspide Aortenklappe = hĂ€ufigster angeborener Herzfehler (nicht VSD!).
Endokarditis – KlappenschĂ€digung

Klassische Trias: Fieber + neues HerzgerĂ€usch + Embolien → Endokarditis bis Beweis des Gegenteils! Osler-Knötchen (schmerzhafte Knötchen Fingerspitzen/Zehen), HĂ€maturie, Splenomegalie. Erreger: Streptokokken, Staphylokokken.

78-jÀhrige Patientin: Systolikum 2. ICR rechts parasternal, Fortleitung Karotiden, kleine Amplitude. Was zuerst?
A
Aorteninsuffizienz
B
Aortenstenose
C
Mitralstenose
D
Mitralinsuffizienz
Aortenstenose: Systolikum mit Maximum 2. ICR rechts parasternal, Fortleitung in Karotiden, kleine Blutdruckamplitude (Pulsus parvus et tardus). Im Alter hÀufig degenerativ-kalzifizierend. Trias: Angina pectoris, Synkopen, Herzinsuffizienz. Plötzlicher Herztod möglich!
Kapitel 11 · HerzwandentzĂŒndungen

Endo-, Myo- & Perikarditis

Rheumatisches Fieber als Streptokokken-Folge ist besonders prĂŒfungsrelevant.

Infektiöse Endokarditis
Leitsymptom
Fieber (anhaltend) + NEU aufgetretenes HerzgerÀusch!
Embolien
Vegetationen lösen sich: Schlaganfall, Niereninfarkt, Milzinfarkt
Osler-Knötchen
Schmerzhafte rote Knötchen an Fingerspitzen und Zehen
HĂ€maturie + Splenomegalie
Begleitsymptome – klassische PrĂŒfungskonstellation
Fieber + HerzgerÀusch + HÀmaturie + Osler-Knötchen = Endokarditis bis Beweis des Gegenteils! Nicht verwechseln mit Urosepsis (kein HerzgerÀusch) oder Lungenembolie.
Rheumatisches Fieber – PrĂŒfungsfavorit!

Reaktive Systemerkrankung nach beta-hĂ€molysierenden Streptokokken Gruppe A (Angina, Scharlach). OrganschĂ€den entstehen durch Immunreaktion (Antikörper-Kreuzreaktion mit Herzgewebe) – NICHT durch direkte Bakterienbesiedlung!

MerkmalDetails
Latenz1–3 Wochen nach Streptokokkeninfektion – nicht 50–60 Tage!
GelenkeGroße Gelenke, wandernd (Knie, Ellenbogen) – keine bleibenden SchĂ€den!
HerzHĂ€ufige Beteiligung! Pankarditis → SpĂ€tfolge: Mitralstenose
Chorea minorUnwillkĂŒrliche Bewegungen (Sydenham-Chorea) – nicht Chorea Huntington!
LaborASL-Titer ↑, BSG ↑, CRP ↑
AlterBevorzugt Kinder/Jugendliche (5–15 Jahre)
PrĂŒfungsfallen rheumatisches Fieber: "Kleine periphere Gelenke" = FALSCH (große!). "Bleibende GelenkschĂ€den" = NEIN. "Direkt durch Streptokokken verursacht" = NEIN (Immunreaktion!). "Latenz 50–60 Tage" = NEIN (1–3 Wochen).
Myokarditis

HerzmuskelentzĂŒndung. HĂ€ufigste Ursache: Viren (Coxsackie B, Adenoviren). Symptome: MĂŒdigkeit, Herzrhythmusstörungen (Tachykardie, Extrasystolen), Kurzatmigkeit. Chronisch → dilatative Kardiomyopathie. Folge ist KEIN "Panzerherz" (das ist Perikarditis calcarea!).

Perikarditis

HerzbeutelentzĂŒndung. Ursachen: Viren (hĂ€ufigste!), Herzinfarkt (Dressler-Syndrom 2–6 Wo. post-infarkt), rheumatisches Fieber, UrĂ€mie, Tumoren. Typisch: atemabhĂ€ngiger, lageabhĂ€ngiger Brustschmerz, Perikardreiben. Komplikation: Perikarderguss → Herzbeuteltamponade. Chronisch: Pericarditis calcarea ("Panzerherz") → HerzfĂŒllungsbehinderung → Rechtsherzinsuffizienz.

Herzbeuteltamponade (Perikardtamponade)

Rascher FlĂŒssigkeitsanstieg im Perikardraum → Behinderung der HerzfĂŒllung → Schock. Klassische Trias (Beck-Trias): 1. Hypotonie + 2. gestaute Halsvenen + 3. leise Herztöne. Typisch: Pulsus paradoxus – inspiratorisch fĂ€llt der Blutdruck um >10 mmHg ab (durch Kompression des Herzens in der Inspiration). Sofortige Perikardpunktion (Perikardiozentese) = Ă€rztliche Notfallmaßnahme!

Cor pulmonale

Cor pulmonale = Rechtsherzhypertrophie und/oder Rechtsherzinsuffizienz als Folge einer Lungenerkrankung (pulmonale Druckerhöhung). Ursachen: COPD (hĂ€ufigste!), Lungenemphysem, wiederkehrende Lungenembolien, Lungenfibrose, Schlafapnoe. Pathomechanismus: Hypoxie → Vasokonstriktion der LungengefĂ€ĂŸe → pulmonale Hypertonie → erhöhte Rechtsherzbelastung → Hypertrophie → Insuffizienz.

Cor pulmonale: Rechtsherzinsuffizienz durch Lungenerkrankung – NICHT durch Linksherzinsuffizienz! Zeichen: Zyanose, Polyglobulie (Gegenregulation auf O₂-Mangel), periphere Ödeme. COPD ist in Deutschland hĂ€ufigste Ursache des Cor pulmonale.
Beim rheumatischen Fieber: welche Aussage ist FALSCH?
A
Es tritt 1–3 Wochen nach Streptokokkeninfektion auf
B
GelenkentzĂŒndung hinterlĂ€sst keine bleibenden SchĂ€den
C
OrganentzĂŒndungen werden direkt durch Streptokokken im Gewebe verursacht
D
Große Gelenke wie Knie und Ellenbogen sind bevorzugt betroffen
C ist FALSCH. OrganschĂ€den entstehen durch Immunreaktion (Autoantikörper, Kreuzreaktion), NICHT durch direkte Streptokokkenbesiedlung. Das erklĂ€rt auch die Latenzzeit von 1–3 Wochen nach der Infektion.
Kapitel 12 · Rhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen

Pulsdefizit, Vorhofflimmern, Kammerflimmern – was HP wissen muss.

Extrasystolen
SVES (supraventrikulÀr)
Aus Vorhöfen · werden ĂŒber AV-Knoten auf Kammer ĂŒbergeleitet
Subjektiv: "Herzstolpern", kurze Pause
Meist harmlos bei Herzgesunden
VES (ventrikulÀr)
Aus Kammern · breiter QRS im EKG
Bei Salven: Pumpleistung beeintrÀchtigt
Ursachen: KHK, Kaliummangel, Myokarditis
AV-Block – Einteilung
GradEKGSymptomeHP-Relevanz
AV-Block I°PQ-Zeit verlĂ€ngert (>0,2 s), alle P-Wellen ĂŒberleitetKeineMeist keine Therapie nötig
AV-Block II° Typ WenckebachPQ-Zeit wird immer lÀnger, bis QRS ausfÀllt (dann wieder kurz)Gelegentlich SchwindelZunehmende Verzögerung bis Ausfall
AV-Block II° Typ MobitzPlötzlicher QRS-Ausfall ohne Vorwarnung, konstante PQ-ZeitSynkopen möglichSchrittmacher oft nötig
AV-Block III°Keine Beziehung P-QRS; Vorhöfe und Kammern unabhÀngigSynkopen, Adams-Stokes-AnfÀlleSchrittmacher notwendig!
AV-Block III° = vollstĂ€ndige AV-Dissoziation. Kammern schlagen mit Eigenfrequenz 20–40/min. Synkopen durch Adams-Stokes-AnfĂ€lle (kurze Bewusstlosigkeit). Schrittmacher-Indikation. HP-Grenze: Schrittmacher ist Ă€rztliche Maßnahme!
Vorhofflimmern

Chaotische Vorhoferregung 350–600/min. AV-Knoten lĂ€sst unregelmĂ€ĂŸig durch → absolut arrhythmischer Puls. HĂ€ufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Hauptgefahr: Thrombenbildung im linken Herzohr → Embolie → Schlaganfall! Therapie: Antikoagulation (Marcumar/NOAK), Frequenz- oder Rhythmuskontrolle.

Pulsdefizit – Definition

Pulsdefizit = Differenz zwischen der auskultatorisch bestimmten Herzfrequenz und der peripher getasteten Pulsfrequenz (z.B. A. radialis). Entsteht, wenn einzelne HerzschlĂ€ge zu schwach sind, um peripher tastbar zu sein → typisch bei Vorhofflimmern.

Pulsdefizit = Herzfrequenz (auskultiert) minus periphere Pulsfrequenz (getastet). Nicht verwechseln mit: Blutdruckamplitude, Seitendifferenz der Radialpulse, oder zusÀtzlicher Leitungsbahn (WPW)!
Kammerflimmern

Chaotische Kammererregung → kein Herzzeitvolumen → Kreislaufstillstand. Einzige wirksame Erstmaßnahme: Defibrillation. HP darf nicht selbst defibrillieren → sofort Notarzt + CPR.

Torsade de Pointes

Sonderform der Kammertachykardie mit charakteristisch wechselnder QRS-Achse im EKG ("Torsade" = Drehung). Entsteht bei verlĂ€ngertem QT-Intervall. Ursachen: Kaliummangel (HypokaliĂ€mie!), Magnesiummangel, Medikamente (Antiarrhythmika, Antibiotika). Therapie: Magnesium i.v. (Ă€rztliche Maßnahme). Kann in Kammerflimmern ĂŒbergehen!

Kammerflimmern = absoluter Notfall → sofort CPR + Notarzt! KEIN Karotissinusmassage, KEIN Belastungs-EKG als Erstmaßnahme. Defibrillation = Ă€rztliche Maßnahme.
Synkope – Kurze Bewusstlosigkeit
FormUrsacheMerkmale
Vasovagale SynkopeVagusreiz → Bradykardie + HypotonieHĂ€ufigste! Auslöser: Schmerz, Schreck, langes Stehen. Prodromi: Schwindel, Schwitzen, Übelkeit. Harmlos.
Orthostatische SynkopeBlutdruckabfall beim AufstehenÄltere, Exsikkose, Antihypertensiva. Schellong-Test positiv.
Kardiale SynkopeAV-Block III°, Kammerflimmern, HKMPAdams-Stokes-AnfÀlle. Kein Prodromus! Sofortige Bewusstlosigkeit. LebensgefÀhrlich!
KarotissinussynkopeHypersensitiver KarotissinusBeim Kopfdrehen, enger Kragen. Bradykardie + Hypotonie.
Kardiale Synkope ohne Prodromus = gefĂ€hrlich → sofortige AbklĂ€rung (EKG, Holter, Echo)! Vasovagale Synkope: fast immer Prodromi vorhanden. Epilepsie-DD: Zungenbiss, Verletzungen, Nachschlafphase, Harnabgang.
Was ist ein Pulsdefizit?
A
Differenz zwischen rechtem und linkem Radialispuls
B
Große Blutdruckamplitude bei Aorteninsuffizienz
C
Differenz zwischen auskultierter Herzfrequenz und peripher getastetem Puls
D
ZusÀtzliche elektrische Leitungsbahn zwischen Vorhof und Kammer
C ist korrekt. Pulsdefizit = Herzfrequenz (auskultiert) minus periphere Pulsfrequenz (getastet). Entsteht wenn Herzaktionen zu schwach sind um periphere Pulswelle zu erzeugen – typisch bei Vorhofflimmern. Messung: gleichzeitig Herzauskultation + Radialispalpation.
Kapitel 13 · Hypertonie

Arterielle Hypertonie

HĂ€ufigste kardiovaskulĂ€re Erkrankung – Ursachen, FolgeschĂ€den, hypertensive Krise.

Formen
PrimĂ€re (essenzielle) Hypertonie – 90%
Keine einzelne erkennbare Ursache
Risikofaktoren: Übergewicht, Salz, Stress, Rauchen, Bewegungsmangel, Genetik
SekundĂ€re Hypertonie – 10%
Renale Hypertonie: Nierenarterienstenose, Glomerulonephritis
Endokrin: Hyperthyreose, Conn-Syndrom, PhÀochromozytom, Cushing
Kardial: Aorteninsuffizienz, Aortenisthmusstenose
Medikamente: orale Kontrazeptiva, Kortison
Schlafapnoe-Syndrom (sehr hÀufige Ursache!)
Hypertensive Krise (>230/130 mmHg)
Intrakranielle Blutungen
Hypertensive Enzephalopathie
Hirninfarkt / Schlaganfall
Durch Vasospasmen oder Blutung
Akutes Lungenödem
Durch akute Linksherzinsuffizienz
Sehstörungen / Erblindung
Retinopathia hypertensiva, Papillenödem
KEINE Gefahren der hypertensiven Krise: Beinvenenthrombose, Gastritis – hĂ€ufige Ablenkungen! Richtig: Hirnblutung, Hirninfarkt, Lungenödem, Retinopathie. Mikroalbuminurie = Zeichen hypertoner NierenschĂ€digung!
FolgeschÀden der Hypertonie
OrganFolgeschÀden
GehirnSchlaganfall, Hirnblutung, vaskulÀre Demenz
HerzKHK, Herzinfarkt, Linksherzinsuffizienz, Linksherzhypertrophie
NierenSchrumpfniere, Niereninsuffizienz, Proteinurie, Mikroalbuminurie
AugenRetinopathia hypertensiva, Netzhautblutungen, Erblindung
GefĂ€ĂŸeArteriosklerose (beschleunigt), Aortenaneurysma
Sonderformen der Hypertonie
FormDefinitionBedeutung
WeißkittelhypertonieRR in Praxis erhöht, zu Hause normalStressreaktion. 24-h-Langzeitblutdruck (ABPM) zur Differenzierung! Keine Therapie nötig.
Maskierte HypertonieIn Praxis normal, zu Hause erhöhtErhöhtes kardiovaskulÀres Risiko trotz normaler Praxiswerte
Isolierte syst. HypertonieNur systolisch ↑, Diastolisch normalHĂ€ufig Ältere (ElastizitĂ€tsverlust der Aorta). Systolischer Druck = wichtigster kardiovaskulĂ€rer Risikofaktor!
Metabolisches Syndrom

Kombination aus 4 Risikofaktoren: 1) Stammfettleibigkeit (Bauchumfang ♂ >102 cm, ♀ >88 cm) + 2) HypertriglyzeridĂ€mie (>150 mg/dl) + 3) Niedrig-HDL-Cholesterin + 4) Hypertonie + 5) NĂŒchternblutzucker >100 mg/dl. 3 von 5 Kriterien = metabolisches Syndrom. Massiv erhöhtes kardiovaskulĂ€res Risiko!

Lipidstoffwechsel und Herzerkrankung
FraktionWirkungHP-Merke
LDL-CholesterinArteriosklerotisch: Einlagerung in GefĂ€ĂŸwandLDL = "Böses" Cholesterin ↑ = Risiko ↑
HDL-CholesterinProtektiv: RĂŒcktransport aus GefĂ€ĂŸwand zur LeberHDL = "Gutes" Cholesterin ↑ = Risiko ↓
TriglyzerideArteriosklerotisch bei erhöhten WertenErhöht bei: Übergewicht, Alkohol, Diabetes

Statine (Atorvastatin, Simvastatin): hemmen die körpereigene Cholesterinsynthese (HMG-CoA-Reduktase-Hemmer) → LDL ↓. Wichtigste Medikamentengruppe zur kardiovaskulĂ€ren RisikoprĂ€vention. Nebenwirkung: Myopathie (Muskelschmerzen), selten Rhabdomyolyse.

Antihypertensiva – Überblick
GruppeBeispielWichtige NW / Besonderheit
ACE-HemmerRamipril, EnalaprilReizhusten! KI: Schwangerschaft, Angioödem
AT1-Blocker (Sartane)Losartan, ValsartanAlternative bei ACE-Hemmer-Husten. KI: Schwangerschaft
BetablockerBisoprolol, MetoprololKI: Asthma bronchiale, AV-Block II/III°!
KalziumantagonistenAmlodipin, Nifedipin, VerapamilDihydropyridine (Amlodipin): vaskulÀr. Verapamil: kardial, KI bei HI
DiuretikaHydrochlorothiazid, FurosemidHypokaliĂ€mie-Risiko! (außer Spironolacton)
Betablocker: kontraindiziert bei Asthma bronchiale und AV-Block II/III°! ACE-Hemmer in Schwangerschaft kontraindiziert (TeratogenitĂ€t). Verapamil + Betablocker: gefĂ€hrliche Kombination → totaler AV-Block möglich!
Welche Aussage zur arteriellen Hypertonie ist richtig?
A
In ĂŒber 90% der FĂ€lle ist die Hypertonie endokrin bedingt
B
Mikroalbuminurie ist ein Hinweis auf hypertone NierenschÀdigung
C
Hoher Kochsalzkonsum senkt den Blutdruck
D
Beinvenenthrombosen sind eine hÀufige Gefahr der hypertensiven Krise
B ist korrekt. Mikroalbuminurie zeigt eine beginnende hypertone NierenschÀdigung an (glomerulÀre Schutzfilterfunktion gestört). 90% der Hypertonien sind primÀr/essenziell. Kochsalz erhöht Blutdruck. Beinvenenthrombosen sind keine direkte Gefahr der hypertensiven Krise.
Kapitel 14 · Hypotonie & Schock

Hypotonie & Schock

Schockindex, Schockformen und richtige Lagerung – wichtiges Notfallthema.

Hypotonie

Chronisch erniedrigter Blutdruck: MĂ€nner <105/60, Frauen <100/60 mmHg. Meist primĂ€r (essenziell). Orthostatische Hypotonie: Schwindel beim Aufstehen. Test: Schellong-Test – RR-Abfall >20 mmHg systolisch beim Aufstehen = positiv. Normale Gegenregulation: Sympathikus ↑ → Tachykardie (NICHT Bradykardie!).

Schock – Formen und Lagerung

Schockindex = Pulsfrequenz / systolischer RR. Normal: <1. Schock: >1. Beispiel: Puls 120 / RR 90 = 1,33 → Schock!

FormUrsacheBesondere ZeichenLagerung
HypovolĂ€mischBlut-/WasserverlustKollabierte Halsvenen, Durst, blasse kĂŒhle HautBeine hoch!
KardiogenHerzversagen (Infarkt)Luftnot, Halsvenenstauung, LungenödemOberkörper hoch! (nicht Beine!)
SeptischSchwere InfektionFrĂŒh: warme trockene Haut (hyperdynam). SpĂ€t: kalt, grau (hypodynam). Fieber, SchĂŒttelfrostFlach, leicht Beine hoch
AnaphylaktischAllergie → Histaminflut → VasodilatationUrtikaria, Bronchospasmus, Quincke-ÖdemOberkörper hoch + Beine hoch
NeurogenRĂŒckenmarks-/HirnschadenPlötzliche GefĂ€ĂŸerschlaffungFlach
Anaphylaktischer Schock: in Minuten tödlich! Histamin → massive Vasodilatation → Blutdruckabfall. Bei Injektionen immer Allergieanamnese erheben. Adrenalingabe = Ă€rztliche Maßnahme.
Schock = sofort Notarzt! Position abhĂ€ngig von Schockform. Venöser Zugang legen. Vitalzeichen ĂŒberwachen. WĂ€rme erhalten.
Schockindex: Formel und Grenzwert?
A
Systolischer RR / Puls; Schock ab > 2
B
Puls / systolischer RR; Schock ab > 1
C
Diastolischer RR / Puls; Schock ab < 1
D
Mittlerer arterieller Druck / Puls; Schock ab > 1
B ist korrekt. Schockindex = Pulsfrequenz geteilt durch systolischen Blutdruck. Normal: <1. Schock: >1. Beispiel: Puls 80 / RR 140 = 0,57 = normal. Puls 120 / RR 90 = 1,33 = Schock. Einfacher klinischer Schnelltest!
Kapitel 15 · Arterielle Erkrankungen

Arterielle GefĂ€ĂŸerkrankungen

Arteriosklerose, pAVK mit Fontaine-Stadien, akuter Arterienverschluss (6 Ps), Raynaud, Aneurysma.

Arteriosklerose

Krankhafte ArterienwandverĂ€nderung: Fett- und Kalkablagerungen (Plaques) → Lumeneinengung + ElastizitĂ€tsverlust. Risikofaktoren: Hypertonie, Diabetes mellitus, Rauchen, LDL↑/HDL↓, Übergewicht, Bewegungsmangel, mĂ€nnliches Geschlecht, Alter.

Diabetes insipidus ist KEIN Arteriosklerose-Risikofaktor! Pfortaderhochdruck ist KEIN Risikofaktor! HĂ€ufige PrĂŒfungsablenkungen.
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Arterielle Verengungen der ExtremitĂ€ten (90% Beine). Ursache: Arteriosklerose. Leitsymptom: Claudicatio intermittens ("Schaufensterkrankheit") – Wadenschmerzen beim Gehen, die in der Pause nachlassen.

I
Keine Beschwerden; fehlende Pulse nachweisbar
IIa
Schmerzfreie Gehstrecke >200 m
IIb
Schmerzfreie Gehstrecke <200 m
III
Ruheschmerz (im Liegen, besser beim HerabhÀngen)
IV
Nekrose, GangrÀn, Ulzera
Knöchel-Arm-Index (ABI) – Ankle-Brachial Index

Wichtigstes nicht-invasives Diagnoseinstrument der pAVK. ABI = Knöchelblutdruck / Armblutdruck (systolisch). Gemessen mit Doppler-Stethoskop.

ABI-WertInterpretation
> 1,3Medial-Sklerose (fÀlschlich hohe Werte, Diabetiker!)
0,9–1,3Normal
0,75–0,9Leichte pAVK (Stadium I–IIa)
0,5–0,75Mittelschwere pAVK (Stadium IIb–III)
< 0,5Schwere pAVK (Stadium III–IV) → kritische IschĂ€mie!
Stadium I+II: wichtigste Therapie = Gehtraining (Kollateralbildung!). Stadium III: kein Gehtraining mehr. KompressionsstrĂŒmpfe bei pAVK kontraindiziert! Keine WĂ€rme, keine KĂ€lte lokal. Ratschow-Probe = pAVK-Diagnostik.
Akuter Arterienverschluss – Die 6 Ps

Meist Embolus aus dem linken Herzen (Vorhofflimmern → Thrombus im linken Herzohr). Muskelnekrose ab 6–8 h. Sofort Notarzt!

Pain
Plötzlicher, vernichtender Schmerz
Paleness
BlÀsse der ExtremitÀt
Paraesthesia
Taubheit, Kribbeln
Pulselessness
Kein Puls tastbar distal
Paralysis
BewegungsunfÀhigkeit
Prostration
Schock
Akuter Arterienverschluss – HP-Erstmaßnahmen: 1) Notarzt sofort! 2) Bein TIEF lagern (nicht hochlagern!). 3) Lockerer Watteverband. 4) Einengende Kleidung entfernen. 5) i.v. Zugang. KEINE Massage, KEINE KĂŒhlung, KEINE WĂ€rme!
Raynaud-Syndrom und Bauchaortenaneurysma

Raynaud-Syndrom: anfallsartige Minderdurchblutung Finger 2–5 (Daumen meist frei) durch Arterienspasmen. HĂ€ufig bei jungen Frauen. Auslöser: KĂ€lte, Stress. Trikolore-PhĂ€nomen: weiß → blau → rot.

Bauchaortenaneurysma: Erweiterung >3 cm. Risikofaktoren: Rauchen, Hypertonie, Arteriosklerose, mĂ€nnliches Geschlecht. Screening: MĂ€nner >65 J. Oft asymptomatisch! UnauffĂ€llige Untersuchung schließt Aneurysma NICHT aus.

Karotisstenose und TIA

TIA (Transitorische IschĂ€mische Attacke): vorĂŒbergehende (meist <24 h) neurologische AusfĂ€lle durch embolischen Verschluss (meist aus Karotisplaques). Symptome: HalbseitenlĂ€hmung, Aphasie, Gesichtsfeldausfall, Amaurosis fugax (vorĂŒbergehende Erblindung). TIA = Warnsignal vor Schlaganfall! Sofort Notarzt!

Karotisstenose: arteriosklerotische Verengung der A. carotis interna. Diagnostik: Doppler/Duplexsonografie. Ab >70% symptomatische Stenose → Operation (TEA) oder Stenting. PrĂŒfungsrelevant: StrömungsgerĂ€usch ĂŒber Karotis auskultierbar!

Leriche-Syndrom

Bilateraler Aortenverschluss im Bereich der Bifurkation (Aortenbifurkation, ~L4). Klinische Trias: 1. Claudicatio beider Beine + 2. erektile Dysfunktion + 3. fehlende Leistenpulse beidseits. Ursache: Arteriosklerose. Notfall bei akutem Verschluss!

Subclavian-Steal-Syndrom

Stenose der A. subclavia proximal des Abgangs der A. vertebralis → bei Armbewegung wird Blut retrograd aus dem vertebrobasilĂ€ren Kreislauf in den Arm gesaugt → Symptome: Schwindel, Synkopen, Armclaudicatio, Sehstörungen (besonders bei Armbewegung!). Diagnose: Blutdruckdifferenz >15–20 mmHg zwischen beiden Armen.

Patient: plötzlicher Schmerz rechtes Bein, blass, kalt, kein Puls. Richtige Erstmaßnahme?
A
Bein hochlagern und massieren, WĂ€rmedecke anlegen
B
Notarzt rufen, Bein TIEF lagern, lockerer Watteverband, kein Massieren
C
Kompressionsstrumpf anlegen und beobachten
D
Stabile Seitenlage mit betroffenem Bein oben
B ist korrekt. 6 Ps des akuten Arterienverschlusses. Maßnahmen: Notarzt sofort, Bein TIEF lagern (Restdurchblutung verbessern), lockerer Watteverband (Druckschutz). KEINE Massage/WĂ€rme/KĂŒhlung. Zeitfenster: Muskelnekrose nach 6–8 h!
Kapitel 16 · Venöse Erkrankungen

Venöse Erkrankungen

Varikose, Thrombophlebitis, tiefe Venenthrombose (Virchow-Trias) und Lungenembolie.

Tiefe Venenthrombose (TVT) – Virchow-Trias
1. Stase
Immobilisation, BettlĂ€gerigkeit, LangstreckenflĂŒge, Schwangerschaft, Herzinsuffizienz, Varikose
2. GefĂ€ĂŸwandschaden
EntzĂŒndungen, Verletzungen, Operationen, Venenkatheter
3. HyperkoagulabilitÀt
Exsikkose, erhöhte Gerinnungsneigung, orale Kontrazeptiva, Tumor, PolyzythÀmie
Symptome TVT
Geschwollenes Bein (Umfangsvermehrung!)
Schmerz, SpannungsgefĂŒhl
ÜberwĂ€rmung (TVT = warm! Gegensatz pAVK = kalt)
Zyanose
Homans-Zeichen: Wadenschmerz bei Dorsalflexion des Fußes
Payr-Zeichen: Druckschmerz mediale Fußsohle
TVT hĂ€ufiger links (60%): durch May-Thurner-Syndrom – die rechte Beckenarterie (A. iliaca communis dextra) komprimiert anatomisch die linke Beckenvene (V. iliaca communis sinistra) → Stase links. TVT vs. pAVK: TVT → warm, geschwollen, zyanotisch. pAVK → kalt, blass, keine Schwellung. D-Dimer erhöht bei TVT (Screeningtest).
Lungenembolie – gefĂ€hrlichste Komplikation der TVT

Thrombus → V. femoralis → V. cava inferior → rechtes Herz → A. pulmonalis. Symptome: plötzliche Dyspnoe, Tachykardie, Thoraxschmerz, HĂ€moptysen. Fulminant: akutes Rechtsherzversagen (RECHTES Herz! – nicht links!).

Lungenembolie – Diagnostik und Schweregrade

Wells-Score: klinischer Vorhersagescore fĂŒr TVT/Lungenembolie. BerĂŒcksichtigt: klinische Zeichen einer TVT, Tachykardie (>100/min), Immobilisation/OP, frĂŒhere TVT/LE, HĂ€moptysen, Tumor, alternative Diagnose unwahrscheinlicher. Niedriger Score + negativer D-Dimer = LE weitgehend ausgeschlossen.

SchweregradHĂ€modynamikSymptomeSofortmaßnahme
Massive LESchock / HypotonieSynkope, Schock, RechtsherzversagenNotfall! Thrombolyse oder chirurgische Embolektomie (Ă€rztlich!)
Submassive LEStabil, aber RV-BelastungDyspnoe, Tachykardie, ThoraxschmerzHeparin, ggf. Thrombolyse
Nicht-massive LEStabilMilde Dyspnoe, PleuraschmerzAntikoagulation
Goldstandard Lungenembolie-Diagnostik: CT-Pulmonalisangiografie (CTPA). EKG bei Lungenembolie: Sinustachykardie + S1Q3-Typ (hÀufig). Echokardiografie: Rechtsherzbelastung. D-Dimer erhöht (aber unspezifisch). Wichtig: Troponin + BNP auch bei LE erhöht!
TVT: KEINE Massage! KEINE WĂ€rme! → Emboliegefahr steigt. Sofortmaßnahme: Notarzt, Antikoagulation (Heparin). Thrombolyse = Ă€rztliche Maßnahme.
Thrombophlebitis vs. Phlebothrombose
Thrombophlebitis
OberflÀchliche Venen (oft an Krampfadern)
Lokale Rötung + ÜberwĂ€rmung + druckschmerzhafter Strang
Emboliegefahr: gering · Bettruhe kontraindiziert!
Phlebothrombose (TVT)
Tiefe Venen · gesamte ExtremitÀt geschwollen
Zyanose, Glanz
Emboliegefahr: hoch! Kurze Bettruhe bis Heparin wirkt
Varikose & CVI

Varikose = Erweiterung oberflÀchlicher Venen (meist V. saphena magna). Ursache: Venenklappeninsuffizienz. HÀufiger bei Frauen (4:1). S-L-Regel: Stehen & Sitzen = schlecht. Laufen & Liegen = lobenswert.

KompressionsstrĂŒmpfe bei hochgradiger pAVK kontraindiziert! Ulcus cruris venosum: am Innenknöchel. Ulcus cruris arteriosum: am Außenknöchel, Zehen, Ferse.

Was ist KEINE geeignete Maßnahme bei Verdacht auf TVT?
A
Notarzt verstÀndigen
B
Venösen Zugang legen
C
Bein massieren und wÀrmen
D
Antikoagulation (Heparin) einleiten lassen
C ist kontraindiziert! Massieren und WĂ€rme bei TVT erhöhen Emboliegefahr – Thrombus kann sich lösen → Lungenembolie. Richtig: Notarzt, venöser Zugang, Antikoagulation, keine Massage/WĂ€rme.
Kapitel 17 · PrĂŒfungs-Schwerpunkt

Von der Beinvenenthrombose zur Lungenembolie

Eines der allerwichtigsten PrĂŒfungsthemen! Hier verfolgen wir Schritt fĂŒr Schritt, wie aus einem Blutgerinnsel im Bein eine lebensbedrohliche Lungenembolie wird – und warum man genau diesen Weg kennen muss.

Die Grundidee in einem Satz

Ein Blutgerinnsel (Thrombus) entsteht in einer tiefen Beinvene, löst sich, wird mit dem Blutstrom durch die rechte HerzhĂ€lfte geschwemmt und bleibt schließlich in einer Lungenarterie stecken – das ist die Lungenembolie.

Stell dir den Thrombus wie einen Korken vor, der in einem Fluss schwimmt. Der Fluss (das venöse Blut) wird immer breiter (Beinvene → Hohlvene → Herz), und der Korken treibt mit. Erst wenn der Fluss sich wieder in immer engere KanĂ€le aufteilt (die Lungenarterien), bleibt der Korken in einer Engstelle stecken. Deshalb landet er IMMER in der Lunge – das ist die erste Engstelle nach dem Bein.
Schritt 1: Wo und warum entsteht der Thrombus? (Virchow-Trias)

Eine tiefe Beinvenenthrombose (TVT, Phlebothrombose) entsteht nie zufÀllig. Immer sind ein oder mehrere Faktoren der Virchow-Trias beteiligt:

1. Verlangsamter Blutfluss (Stase)
Langes Sitzen (Flug, Bus), BettlĂ€gerigkeit, Gips, LĂ€hmung, Herzinsuffizienz. Vergleich: Stehendes Wasser in einem TĂŒmpel wird trĂŒb und faulig – fließendes Wasser bleibt klar.
2. GefĂ€ĂŸwandschaden
OP, Verletzung, EntzĂŒndung, Venenkatheter. Eine raue Innenwand ist wie eine raue Stelle im Rohr, an der sich Ablagerungen sammeln.
3. Erhöhte Gerinnungsneigung
"Pille", Schwangerschaft, Rauchen, Tumor, FlĂŒssigkeitsmangel (Exsikkose), angeborene Gerinnungsstörungen. Das Blut ist sozusagen "klebriger".
Die gefĂ€hrliche Kombination aus der PrĂŒfung: Junge Frau + Rauchen + Antibabypille + Langstreckenflug = alle drei Virchow-Faktoren auf einmal! (Pille + Rauchen = Gerinnung ↑, Flug = Stase). Das ist ein klassisches Fallbeispiel.
Schritt 2: Warum meist das LINKE Bein?

60% aller TVT betreffen das linke Bein. Grund ist das May-Thurner-Syndrom: Die rechte Beckenarterie kreuzt ĂŒber die linke Beckenvene und drĂŒckt sie gegen die WirbelsĂ€ule. Diese Engstelle bremst den Blutfluss links → mehr Stase → mehr Thrombosen. Merke: links liegt die Vene "in der Klemme".

Schritt 3: Symptome der TVT – woran erkennt man sie?
Typische Zeichen am Bein
Schwellung (Umfangsvermehrung – immer im Seitenvergleich messen!)
ÜberwĂ€rmung – das Bein fĂŒhlt sich warm an
Zyanose – blĂ€ulich-livide VerfĂ€rbung
Schmerz und SpannungsgefĂŒhl, SchweregefĂŒhl
GlÀnzende, gespannte Haut
Klinische Tests
Homans-Zeichen: Wadenschmerz beim Hochziehen des Fußes (Dorsalflexion)
Payr-Zeichen: Druckschmerz an der Fußsohle (innen)
Meyer-Zeichen: Druckschmerz entlang der Wadeninnenseite
Labor: D-Dimer erhöht
EselsbrĂŒcke fĂŒr die TVT-Erkennung: das betroffene Bein ist "warm, dick und blau" – im Gegensatz zur arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), wo das Bein "kalt, dĂŒnn und blass" ist. Venöses Problem = Stau = WĂ€rme. Arterielles Problem = Mangelversorgung = KĂ€lte.
AllergrĂ¶ĂŸte HP-Grenze und wichtigste Regel: bei Verdacht auf TVT NIEMALS das Bein massieren, kneten oder wickeln und KEINE WĂ€rme anwenden! Jede mechanische Manipulation kann den Thrombus lösen → Lungenembolie. Stattdessen: Patient ruhigstellen, Notarzt rufen, beruhigen.
Schritt 4: Der Weg des Thrombus – Station fĂŒr Station

Jetzt kommt das KernstĂŒck. Wenn sich der Thrombus löst (=Embolus), nimmt er IMMER denselben Weg. Lerne diese Reihenfolge auswendig:

Tiefe Beinvene (z.B. V. poplitea / V. femoralis) — hier sitzt der Thrombus
↓ Thrombus löst sich = wird zum Embolus
V. iliaca (Beckenvene)
↓ das GefĂ€ĂŸ wird breiter, der Embolus treibt frei mit
V. cava inferior (untere Hohlvene)
↓ mĂŒndet in das Herz
Rechter Vorhof
↓ durch die Trikuspidalklappe
Rechte Herzkammer
↓ durch die Pulmonalklappe — Herz pumpt den Embolus aktiv weiter!
Truncus pulmonalis (Lungenstamm)
↓ teilt sich auf und wird immer enger
A. pulmonalis → kleinere Lungenarterien — HIER bleibt der Embolus stecken!
↓
= LUNGENEMBOLIE: Der Embolus verstopft die Lungenstrombahn
PrĂ€ge dir ein: Der Embolus durchlĂ€uft NUR die RECHTE HerzhĂ€lfte (rechter Vorhof → rechte Kammer) und landet dann in der Lunge. Er erreicht die linke HerzhĂ€lfte und den Körperkreislauf gar nicht erst, weil die Lunge wie ein Sieb davorgeschaltet ist. Deshalb ist die Lunge das "Filter" fĂŒr venöse Thromben.
Merksatz fĂŒr den Weg: "Bein – Becken – Bauch (Hohlvene) – Brust (rechtes Herz) – Bronchialkreislauf (Lunge)" – fĂŒnfmal B in der richtigen Reihenfolge von unten nach oben.
Schritt 5: Warum ist die Lungenembolie so gefÀhrlich?

Der verstopfte Lungenabschnitt kann kein Blut mehr durchlassen. Zwei Probleme entstehen gleichzeitig:

Gasaustausch gestört: Das Blut kommt nicht mehr an die LungenblĂ€schen → akute Atemnot (Dyspnoe), Sauerstoffmangel.
Rechtsherzbelastung: Das rechte Herz muss plötzlich gegen den verstopften Lungenkreislauf anpumpen → akute Druckbelastung → Rechtsherzversagen (akutes Cor pulmonale).
Ganz wichtig fĂŒr die PrĂŒfung: Bei der Lungenembolie wird das RECHTE Herz ĂŒberlastet – NICHT das linke! Das ist logisch, denn der Stau liegt ja direkt hinter der rechten Kammer. Eine hĂ€ufige Falschantwort in PrĂŒfungen ist "Linksherzversagen".
Schritt 6: Symptome der Lungenembolie
Plötzliche Atemnot
Leitsymptom! Tritt oft schlagartig auf, z.B. beim Aufstehen nach langem Liegen
AtemabhÀngiger Brustschmerz
Stechend, beim Einatmen schlimmer (pleuritisch)
Tachykardie + Tachypnoe
Schneller Puls, schnelle Atmung
HĂ€moptyse
Bluthusten (bei Lungeninfarkt)
Todesangst, Unruhe
Kaltschweißigkeit, evtl. Synkope
Schock (massive LE)
Blutdruckabfall, Kreislaufversagen, Halsvenenstauung
Typisches PrĂŒfungsbild: Ein Patient, der nach einer Operation, langer Bettruhe oder einem Langstreckenflug plötzlich beim ersten Aufstehen Luftnot bekommt und kollabiert → sofort an Lungenembolie denken! Das "erste Aufstehen nach Immobilisierung" ist DAS SchlĂŒsselwort.
Schritt 7: Sofortmaßnahmen (HP-Grenze)
Sofort Notarzt rufen! Die Lungenembolie ist ein lebensbedrohlicher Notfall.
Oberkörper hoch lagern (erleichtert die Atmung) – NICHT flach hinlegen, NICHT Beine hoch.
Absolute Ruhe – jede Anstrengung kann weitere Thromben lösen.
Beruhigen, beengende Kleidung öffnen, Patienten nicht allein lassen.
Falls Reanimationspflicht eintritt: CPR beginnen.
Ärztliche Maßnahmen (nicht HP!): Sauerstoffgabe, Heparin (Antikoagulation), Thrombolyse ("Auflösen" des Gerinnsels), bei massiver LE chirurgische Embolektomie. Diagnostisch: CT-Pulmonalisangiografie (Goldstandard), D-Dimer, Echokardiografie (Rechtsherzbelastung), EKG (S1Q3-Typ).
Schritt 8: Wie beugt man vor? (Thromboseprophylaxe)
FrĂŒhmobilisation nach OP KompressionsstrĂŒmpfe (MTPS) Heparin (Thromboseprophylaxe-Spritze) Viel trinken (gegen Exsikkose) BeinĂŒbungen auf LangstreckenflĂŒgen Auf langem Flug: aufstehen, umhergehen
Auf Reisen gilt die einfache Regel: "Bewegen, trinken, nicht die Beine ĂŒberschlagen." Bewegung aktiviert die Muskelpumpe der Wade, die das Blut zum Herzen zurĂŒckdrĂŒckt – das beste natĂŒrliche Mittel gegen Stase.
Ein Thrombus aus der tiefen Beinvene löst sich. Welchen Weg nimmt er zur Lunge?
A
Beinvene → V. cava inferior → linker Vorhof → linke Kammer → Aorta → Lunge
B
Beinvene → V. cava inferior → rechter Vorhof → rechte Kammer → A. pulmonalis → Lunge
C
Beinvene → V. portae → Leber → rechtes Herz → Lunge
D
Beinvene → Aorta → rechtes Herz → Lunge
Der Embolus lĂ€uft: tiefe Beinvene → V. iliaca → V. cava inferior → rechter Vorhof → (Trikuspidalklappe) → rechte Kammer → (Pulmonalklappe) → Truncus pulmonalis → A. pulmonalis → bleibt in der Lunge stecken. Er durchlĂ€uft nur die RECHTE HerzhĂ€lfte. Die linke HerzhĂ€lfte und die Aorta werden NICHT passiert, weil die Lunge wie ein Filter davorgeschaltet ist.
Welches Herz wird bei einer akuten Lungenembolie ĂŒberlastet?
A
Das linke Herz, weil es gegen die Aorta pumpen muss
B
Das rechte Herz, weil es gegen den verstopften Lungenkreislauf anpumpen muss
C
Beide HerzhĂ€lften gleichermaßen
D
Keine, da die Embolie nur die Lunge betrifft
Das RECHTE Herz wird ĂŒberlastet (akutes Cor pulmonale). Der Embolus verstopft die Lungenarterien – das liegt direkt hinter der rechten Kammer. Diese muss plötzlich gegen den erhöhten Widerstand anpumpen und kann versagen. Eine hĂ€ufige Falschantwort ist "Linksherzversagen".
Was ist bei Verdacht auf tiefe Beinvenenthrombose KONTRAINDIZIERT?
A
Den Patienten ruhigstellen
B
Den Notarzt verstÀndigen
C
Das Bein massieren und mit WĂ€rme behandeln
D
Den Oberkörper bei Atemnot hochlagern
Massieren und WĂ€rme sind absolut kontraindiziert! Jede mechanische Manipulation kann den Thrombus lösen → er wird zum Embolus → Lungenembolie. Bei TVT-Verdacht gilt: ruhigstellen, nicht manipulieren, Notarzt. Das ist eine zentrale HP-Sicherheitsregel.
Kapitel 17 · Diagnostik

Untersuchung & Diagnostik

Funktionstests, Pulstastpunkte, Blutdruckmessfehler.

Wichtige Funktionstests
TestPrĂŒft was?Positiv wenn

Schellong-TestOrthostatische HypotonieRR-Abfall >20 mmHg systolisch beim Aufstehen
Ratschow-LagerungsprobepAVK der BeineSchmerzen <2 min beim Kreisen · Rötungsverzögerung >5 sek nach HerabhÀngen
GehtestSchmerzfreie Gehstrecke pAVK<200 m = Stadium IIb
Allen-TestA. radialis / A. ulnarisAbblassung der Hand = stenosiertes GefĂ€ĂŸ
Trendelenburg-TestVenenklappenfunktion V. saphena magnaVene fĂŒllt sich schnell von oben nach Lösen der Staubinde = Klappeninsuffizienz
Perthes-TestTiefe Beinvenen durchgÀngig?Varizen leeren sich beim Gehen NICHT = tiefe Venen oder Perforansvenen insuffizient
Homans-ZeichenTVT-HinweisWadenschmerz bei Dorsalflexion des Fußes
Payr-ZeichenTVT-HinweisDruckschmerz mediale Fußsohle
Pulspalpation – Tastpunkte

Immer im Seitenvergleich tasten! Wichtigste Punkte: A. carotis communis (Hals), A. radialis (Handgelenk), A. brachialis (Ellenbeuge), A. femoralis (Leiste), A. poplitea (Kniekehle), A. tibialis posterior (innen vor Achillessehne), A. dorsalis pedis (FußrĂŒcken).

PulsqualitÀten: Pulsus parvus et tardus (klein + verzögert) = Aortenstenose. Wasserhammer-Puls = Aorteninsuffizienz. Pulsus filiformis (fadenförmig) = Schock.

Labordiagnostik – PrĂŒfungsrelevant
ParameterErhöht beiBesonderheit
Troponin T/IHerzinfarkt, Myokarditis, LungenembolieGoldstandard Herzinfarkt; Anstieg nach 3–6 h
CK-MBHerzinfarktHerzspezifisch; normalisiert schneller als Troponin
BNP / NT-proBNPHerzinsuffizienzErhöhung bei Druckbelastung der Kammern; DD: kardiale vs. pulmonale Dyspnoe
D-DimerTVT, Lungenembolie, DICHohe SensitivitÀt, geringe SpezifitÀt. Normaler D-Dimer SCHLIESSEN TVT/LE weitgehend aus; erhöhter Wert beweist sie NICHT!
ASL-TiterStreptokokken-Infektion (rheumatisches Fieber)Antistreptolysin-O-Titer
Kreatinin / GFRNiereninsuffizienz (Hypertonie-Folge)Zur Verlaufsbeurteilung
D-Dimer: normaler Wert schließt TVT/Lungenembolie (bei niedriger Vortestwahrscheinlichkeit) weitgehend aus. Erhöhter D-Dimer ist unspezifisch! Erhöht auch bei: Trauma, OP, Schwangerschaft, Tumor, EntzĂŒndung.
Schulmedizinische Diagnostik
Doppler-Ultraschall
Strömungsgeschwindigkeit + Richtung; TVT, Venenklappen, arterielle Stenosen
Duplexsonographie
Ultraschall + Doppler kombiniert; Aneurysmen, Arteriosklerose, Thrombosen
Angiografie
Röntgen + Kontrastmittel; invasiv; genaue GefĂ€ĂŸdarstellung vor OP
EKG / Langzeit-EKG
Herzrhythmus, Infarkterkennung, Hypertrophie
Echokardiographie
Herzklappen (Mitralklappenprolaps!), Pumpfunktion, Wandbewegung
Pulmonale Hypertonie

Erhöhter Druck im Lungenkreislauf: Mittlerer pulmonal-arterieller Druck (mPAP) >25 mmHg in Ruhe. Ursachen: idiopathisch (primÀr, selten) oder sekundÀr bei COPD, Linksherzinsuffizienz, LE, Bindegewebserkrankungen. Symptome: Dyspnoe, Belastungsintoleranz, Rechtsherzinsuffizienz. Typisch: zunehmende Dyspnoe ohne kardiale Ursache bei jungen Frauen (idiopathisch). Diagnose: Rechtsherzkatheter (Goldstandard).

Weitere Diagnoseverfahren
Test / VerfahrenZweckWann einsetzen
Langzeit-EKG (Holter)Intermittierende Rhythmusstörungen, Vorhofflimmern, AV-BlockierungenSchwindel, Synkopen, Palpitationen ohne Befund im Ruhe-EKG
Belastungs-EKG (Ergometrie)IschÀmiediagnostik bei KHK, Belastungsinduzierte RhythmusstörungenKHK-Verdacht; KI: frischer Infarkt, instabile AP, schwere AS!
LinksherzkatheterKoronarangiografie, PTCA, Druckmessung linksKHK-Diagnose/-Therapie, Klappenfehler
RechtsherzkatheterDruckmessung pulmonal-arteriell, HZVPulmonale Hypertonie, schwere Herzinsuffizienz
KipptischtestVasovagale Synkope, orthostatische HypotonieSynkopen-AbklÀrung
Elektrophysiologische Untersuchung (EPU)Lokalisation von Leitungsbahnen (z.B. WPW-BĂŒndel), AblationTachykardien, WPW, Vorhofflimmern
Belastungs-EKG: kontraindiziert bei frischem Herzinfarkt, instabiler Angina pectoris, schwerer Aortenstenose, unkontrollierter Hypertonie! ST-Senkung von >2 mm bei Belastung = signifikante KHK. Ergometrie ist KEINE Erstmaßnahme bei Verdacht auf akuten Infarkt!
Wozu dient der Schellong-Test?
A
Diagnostik der pAVK der Beine
B
PrĂŒfung der Venenklappenfunktion der V. saphena magna
C
Erkennung orthostatischer Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen)
D
Bestimmung der Emboliegefahr bei TVT
C ist korrekt. Beim Schellong-Test: Blutdruck + Puls im Liegen messen, dann nach Aufstehen ĂŒber 10 min kontrollieren. Positiv = RR-Abfall >20 mmHg systolisch = orthostatische Hypotonie. Ratschow-Test dagegen prĂŒft pAVK der Beine.
Kapitel 18 · PrĂŒfungsquiz

Abschluss-Quiz

Klassische HP-PrĂŒfungsfragen zu Herz & Kreislauf.

1. Welche Aussage zum Herzaufbau ist korrekt?
A
Das Herzgewicht betrÀgt beim gesunden Erwachsenen ca. 800 g
B
In der Anspannungsphase der Kammern sind alle 4 Herzklappen geschlossen
C
Die Mitralklappe trennt den rechten Vorhof von der rechten Kammer
D
Exokard ist die Ă€ußerste Schicht des Herzens
B ist korrekt. In der Anspannungsphase (isovolumische Kontraktion) sind alle 4 Klappen geschlossen. Herzgewicht: ~250–300 g. Mitralklappe: trennt LINKEN Vorhof von linker Kammer. Exokard gibt es nicht.
2. Anfallsartig weißgewordene Finger II–V bei KĂ€lte, dann blau, dann rot. Diagnose?
A
pAVK Stadium II
B
Rechtsherzinsuffizienz
C
Raynaud-Syndrom
D
Venöse Stauung
Raynaud-Syndrom: Trikolore-PhĂ€nomen (weiß → blau → rot), anfallsartig, kĂ€lteausgelöst. HĂ€ufig bei jungen Frauen. Finger II–V betroffen, Daumen meist frei.
3. Was ist die hÀufigste Ursache einer AKUTEN Rechtsherzinsuffizienz?
A
Mitralstenose
B
Lungenembolie
C
COPD
D
Perikarditis
Lungenembolie verursacht plötzliche Druckbelastung des rechten Herzens durch Obstruktion der PulmonalgefĂ€ĂŸe → akute Rechtsherzinsuffizienz. Chronische Rechtsinsuffizienz: hĂ€ufigste Ursache ist Linksherzinsuffizienz.
4. Fieber + Tachykardie + Systolikum + HĂ€maturie + Osler-Knötchen – Was zuerst denken?
A
Urosepsis
B
Aortenstenose
C
Infektiöse Endokarditis
D
Lungenembolie
Klassische Endokarditis-Konstellation: Fieber + neues HerzgerÀusch + Embolien (HÀmaturie = Nierenembolie, Osler-Knötchen = Mikroembolien). Endokarditis bis Beweis des Gegenteils! Erreger: Streptokokken, Staphylokokken.
5. Obere Einflussstauung bei Rechtsherzinsuffizienz – wo und wie prĂŒfen?
A
A. carotis interna in Kopftieflage
B
V. jugularis externa bei erhöhtem Oberkörper (45°)
C
A. radialis beidseits
D
V. cava inferior im Ultraschall
Obere Einflussstauung: V. jugularis EXTERNA bei 45° erhöhtem Oberkörper prĂŒfen. Wenn Halsvenen trotzdem prall gefĂŒllt = erhöhter zentraler Venendruck → Rechtsherzinsuffizienz.
6. Was ist KEIN Risikofaktor der Arteriosklerose?
A
Diabetes mellitus
B
Arterielle Hypertonie
C
Pfortaderhochdruck
D
Nikotinabusus
Pfortaderhochdruck (portale Hypertonie) ist kein Arteriosklerose-Risikofaktor. Echte Risikofaktoren: Hypertonie, Diabetes mellitus, Rauchen, LDL↑/HDL↓, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alter, familiĂ€re Belastung.
7. NYHA-Stadium: Beschwerden nur bei stÀrkerer Belastung, in Ruhe symptomfrei?
A
NYHA I
B
NYHA II
C
NYHA III
D
NYHA IV
NYHA II: Beschwerden bei stÀrkerer Belastung (Bergsteigen, schnelles Gehen). In Ruhe symptomfrei. NYHA I: keine Beschwerden. NYHA III: leichte Belastung. NYHA IV: in Ruhe.
8. Patient nach Herzoperation: INR erhöht, Quick erniedrigt. Was nimmt er ein?
A
AcetylsalicylsÀure (ASS)
B
Cumarin-Derivat (z.B. Marcumar)
C
Heparin
D
Statin
Cumarin-Derivate (Marcumar/Warfarin) hemmen Vitamin-K-abhĂ€ngige Gerinnungsfaktoren → Quick sinkt, INR steigt. ASS beeinflusst Quick/INR nicht. Heparin verlĂ€ngert PTT, nicht Quick. HĂ€ufig nach Herzklappen-OPs.
9. Welche Kombination sind ausschließlich Segelklappen?
A
Trikuspidal- und Aortenklappe
B
Pulmonal- und Aortenklappe
C
Trikuspidal- und Mitralklappe
D
Pulmonal- und Mitralklappe
Segelklappen: Trikuspidal (rechts, 3 Segel) und Mitral (links, 2 Segel) – zwischen Vorhöfen und Kammern. Taschenklappen: Pulmonal und Aorta – am Ausfluss der Kammern.
10. Welches Symptom findet sich bei isolierter Linksherzinsuffizienz NICHT?
A
Dyspnoe
B
Lungenödem
C
Gestaute Halsvenen und Beinödeme
D
Asthma cardiale
Gestaute Halsvenen und Beinödeme entstehen durch Rechtsherzinsuffizienz (RĂŒckstau im Körperkreislauf). Bei isolierter Linksherzinsuffizienz: RĂŒckstau in die Lunge → Dyspnoe, Lungenödem, Asthma cardiale, Zyanose. Beinödeme erst bei Globalinsuffizienz.
Weitere PrĂŒfungsfragen
11. Welche der folgenden Aussagen zu Herzklappenstenosen ist korrekt?
A
Bei der Mitralstenose kommt es typischerweise zu einem Systolikum
B
Die Aortenstenose verursacht ein Systolikum, das in die Karotiden fortgeleitet wird
C
Bei der Aortenstenose ist die Blutdruckamplitude groß (Wasserhammer-Puls)
D
Die Mitralstenose ist hÀufigste Folge einer viralen Myokarditis
Aortenstenose: Systolikum 2. ICR rechts parasternal mit Fortleitung in die Karotiden + kleine Amplitude (Pulsus parvus et tardus). Mitralstenose: Diastolikum, hĂ€ufig nach rheumatischem Fieber (nicht Myokarditis!). Großer Wasserhammer-Puls ist typisch fĂŒr Aorteninsuffizienz.
12. Was versteht man unter einem Pulsus paradoxus?
A
Ein Puls mit wechselnder StÀrke bei Vorhofflimmern
B
Inspiratorischer Blutdruckabfall >10 mmHg
C
Ein Puls mit verlÀngerter Anstiegszeit bei Aortenstenose
D
Die Differenz zwischen auskultierter Herzfrequenz und Radialispuls
Pulsus paradoxus = inspiratorischer Blutdruckabfall >10 mmHg. Typisch bei Herzbeuteltamponade (durch inspiratorische Kompression des Herzens) und schwerem Asthmaanfall. Beck-Trias der Tamponade: Hypotonie + gestaute Halsvenen + leise Herztöne.
13. Welche Aussage zu Antihypertensiva ist FALSCH?
A
ACE-Hemmer können Reizhusten verursachen (Bradykinin-Anstieg)
B
Betablocker sind bei Asthma bronchiale kontraindiziert
C
Verapamil kann problemlos mit Betablockern kombiniert werden
D
AT1-Blocker (Sartane) sind eine Alternative wenn ACE-Hemmer nicht vertragen werden
Verapamil + Betablocker ist eine gefĂ€hrliche Kombination! Beide hemmen die AV-Überleitung und die Herzfrequenz → droht totaler AV-Block. ACE-Hemmer Reizhusten durch Bradykinin-Akkumulation; auf Sartan wechseln. Betablocker bei Asthma: kontraindiziert (Bronchospasmusgefahr).
14. Welches EKG-Zeichen ist am charakteristischsten fĂŒr einen STEMI?
A
VerlÀngertes PQ-Intervall
B
Breiter QRS-Komplex
C
ST-Streckenhebung in der zugehörigen Ableitungsgruppe
D
Abgeflachte P-Welle
ST-Streckenhebung = STEMI (transmuraler Infarkt, vollstĂ€ndiger Koronarverschluss) → sofortiger Notfall, PCI innerhalb 90 min! VerlĂ€ngertes PQ = AV-Block I°. Breiter QRS = Schenkelblock oder ventrikulĂ€rer Ursprung. ST-Senkung = IschĂ€mie oder NSTEMI.
15. Ein Patient hat seit Jahren Bluthochdruck. Labordiagnostisch fÀllt eine Mikroalbuminurie auf. Welches Organ ist betroffen?
A
Leber (hypertensive Hepatopathie)
B
Herz (Linksherzhypertrophie)
C
Niere (hypertensive Nephropathie)
D
Gehirn (hypertensive Enzephalopathie)
Mikroalbuminurie (Albuminausscheidung 30–300 mg/Tag) ist das FrĂŒhzeichen einer hypertensiven Nephropathie – die glomerulĂ€re Filtrationsmembran ist durch den erhöhten Druck geschĂ€digt. Folge: Schrumpfniere, Niereninsuffizienz. Auch FrĂŒhzeichen einer diabetischen Nephropathie!
Quiz abgeschlossen! Top-PrĂŒfungsthemen: Blutweg + O2-Gehalt · Erregungsleitung (Reihenfolge!) · Systolikum vs. Diastolikum · NYHA-Stadien · Virchow-Trias · 6 Ps des akuten Arterienverschlusses · Blutdruckmessfehler (ManschettengrĂ¶ĂŸe!) · Schockindex + Schocklagerung · Pulsdefizit-Definition · Beck-Trias Tamponade · STEMI-EKG · Antihypertensiva-Kombinationen.