Dieses Skript ergĂ€nzt das Herz-&-GefĂ€Ă-Skript: weniger Anatomie, mehr Physiologie, klinisches Denken und PrĂŒfungssicherheit.
Der Kreislauf ist kein starres Rohrsystem, sondern ein dynamisches Regulationssystem. Ziel ist immer: ausreichende Organperfusion, stabiler Blutdruck, Sauerstofftransport, WĂ€rmeregulation und Anpassung an Belastung.
Nicht jeder Kreislaufpatient hat primĂ€r ein Herzproblem. Kreislaufstörungen entstehen oft durch Volumenmangel, GefĂ€Ăweitstellung, Regulationsversagen, Medikamente, endokrine Ursachen oder Sauerstoffmangel.
Ausreichende Organperfusion und Sauerstoffversorgung
C
Möglichst niedriger Puls
D
GleichmĂ€Ăige Hautdurchblutung
Nicht der Zahlenwert allein entscheidet, sondern ob die Organe ausreichend perfundiert werden.
Kapitel 2 · HZV
Herzzeitvolumen & Frank-Starling
Die wichtigste Rechengrundlage: Wie viel Blut kommt pro Minute wirklich im Kreislauf an?
Formeln
GröĂe
Formel
Merke
Herzminutenvolumen
HMV = HF Ă Schlagvolumen
z.B. 70/min Ă 70 ml â 4,9 l/min
Herzindex
HMV / KörperoberflÀche
Vergleichbarkeit zwischen Personen
Mittlerer arterieller Druck
MAP â diastolisch + 1/3 Pulsdruck
Perfusionsdruck der Organe
Schockindex
Puls / systolischer RR
> 1 verdÀchtig auf Schock
Vorlast
FĂŒllung der Kammer vor der Systole.
AbhĂ€ngig von venösem RĂŒckstrom und Blutvolumen.
Nachlast
Widerstand, gegen den das Herz auswerfen muss.
Steigt z.B. bei Hypertonie oder Aortenstenose.
Frank-Starling-Mechanismus
Je stĂ€rker der Herzmuskel physiologisch vorgedehnt wird, desto krĂ€ftiger kontrahiert er. So kann das Herz kurzfristig mehr venösen RĂŒckstrom mit mehr Schlagvolumen beantworten.
mehr venöser RĂŒckstrom
â
mehr VentrikelfĂŒllung = höhere Vorlast
â
stÀrkere Muskelfaserdehnung
â
höheres Schlagvolumen
Frank-Starling ist kein unbegrenzter Booster. Bei Herzinsuffizienz fĂŒhrt zusĂ€tzliche Volumenbelastung irgendwann nur noch zu Stauung, nicht zu besserer Auswurfleistung.
Was passiert in Sekunden, wenn der Blutdruck fÀllt?
Barorezeptorreflex
Barorezeptoren liegen vor allem im Sinus caroticus und im Aortenbogen. Sie messen Dehnung der GefĂ€Ăwand. Sinkt der Blutdruck, sinkt die Dehnung. Das Kreislaufzentrum reagiert mit Sympathikusaktivierung.
Angiotensinogen â Angiotensin I â ACE â Angiotensin II
â
Vasokonstriktion + Aldosteron + ADH + Durst
â
Volumen â · Natriumretention â · RR â
ADH
Aus Hypophysenhinterlappen.
WasserrĂŒckresorption in der Niere â.
Bei hohem Spiegel auch Vasokonstriktion.
ANP/BNP
Bei Vorhof-/Ventrikeldehnung.
Natrium- und Wasserausscheidung â.
Wirkt als Gegenspieler zum RAAS.
RAAS = âRette Alles An Salzâ: Renin â Angiotensin â Aldosteron â Salz und Wasser bleiben im Körper.
ACE-Hemmer senken Angiotensin II und damit Vasokonstriktion/Aldosteronwirkung. Typische Nebenwirkung: Reizhusten.
Was ist eine Hauptwirkung von Aldosteron?
A
Natriumretention und Kaliumausscheidung
B
Wasserverlust durch Hemmung der Niere
C
Senkung des Blutvolumens
D
Direkte starke Bradykardie
Aldosteron fördert Natriumretention, Wasser folgt osmotisch; Kalium wird vermehrt ausgeschieden.
Kapitel 5 · Kapillaren
Mikrozirkulation & Starling-KrÀfte
Hier entscheidet sich, ob Sauerstoff wirklich im Gewebe ankommt.
Aufbau der Mikrozirkulation
Arteriole = WiderstandsgefĂ€Ă
â
Metarteriole / prÀkapillÀrer Sphinkter
â öffnet oder schlieĂt Kapillarbett
Kapillare = Stoffaustausch
â
Venole = Abfluss + EntzĂŒndungsreaktionen
Starling-KrÀfte
Kraft
Wirkung
Klinisches Beispiel
KapillÀrer hydrostatischer Druck
drĂŒckt FlĂŒssigkeit aus dem GefĂ€Ă
venöse Stauung, Herzinsuffizienz â Ădeme
Kolloidosmotischer Druck
zieht FlĂŒssigkeit ins GefÀà zurĂŒck
Albuminmangel â Ădeme, Aszites
KapillarpermeabilitÀt
bei EntzĂŒndung erhöht
Sepsis, Allergie, Verbrennung
Lymphabfluss
rĂ€umt ĂŒberschĂŒssige FlĂŒssigkeit ab
Lymphödem bei Abflussstörung
Ădem entsteht nicht nur durch âzu viel Wasserâ, sondern durch ein Ungleichgewicht aus Druck, EiweiĂ, GefĂ€ĂdurchlĂ€ssigkeit und Lymphabfluss.
Warum fĂŒhrt HypalbuminĂ€mie zu Ădemen?
A
Der arterielle Druck steigt immer stark
B
Der kolloidosmotische RĂŒcksog ins GefÀà sinkt
C
Die Herzfrequenz sinkt direkt
D
Die Lunge bildet weniger Surfactant
Albumin hĂ€lt FlĂŒssigkeit intravasal. Fehlt Albumin, bleibt mehr FlĂŒssigkeit im Interstitium.
Kapitel 6 · Gewebeversorgung
Sauerstoffangebot, Laktat & Perfusion
Ein normaler Blutdruck bedeutet nicht automatisch normale Sauerstoffversorgung.
Sauerstoffangebot hÀngt ab von
Hb
Ohne HĂ€moglobin kaum Sauerstofftransport.
SĂ€ttigung
Wie viel Hb mit Oâ beladen ist.
HZV
Transportiert Sauerstoff pro Minute ins Gewebe.
Perfusion
Mikrozirkulation entscheidet lokal.
Laktat-Logik
Oâ-Angebot reicht nicht
â
Zellen wechseln auf anaerobe Glykolyse
â
Laktat steigt
â
Azidose, Enzymstörung, Organfunktionsverlust
Erhöhtes Laktat ist ein Warnzeichen fĂŒr Gewebehypoxie oder schweren Stressstoffwechsel. In der PrĂŒfung: Schock, Sepsis, Hypoxie, KrampfanfĂ€lle, schwere Belastung.
Zentralisation
Durchblutung von Gehirn und Herz wird priorisiert.
Haut, Darm, Niere werden schlechter perfundiert.
Dekompensation
Kompensation reicht nicht mehr aus.
Bewusstseinsstörung, kalte Haut, Oligurie, Laktat.
Was zeigt steigendes Laktat im Schock am ehesten an?
Hitze macht weit: HautgefĂ€Ăe dilatieren, WĂ€rme wird abgegeben. Gleichzeitig verliert man FlĂŒssigkeit durch Schwitzen. Deshalb: Hitze + wenig Trinken = Kreislaufkollaps-Risiko.
Orthostase-Test
RR und Puls im Liegen messen, dann nach dem Aufstehen erneut messen. Ein deutlicher RR-Abfall mit Beschwerden spricht fĂŒr orthostatische Dysregulation. Besonders wichtig bei Ă€lteren Menschen, Diuretika, Volumenmangel und autonomer Neuropathie.
Warum kann Hitze eine Synkope begĂŒnstigen?
A
weil alle GefĂ€Ăe maximal kontrahieren
B
durch Hautvasodilatation und FlĂŒssigkeitsverlust
C
durch sofortige HyperalbuminÀmie
D
durch kompletten Parasympathikusausfall
Hitze erweitert HautgefĂ€Ăe und Schwitzen reduziert Volumen: venöser RĂŒckstrom und Blutdruck können fallen.
Kapitel 8 · Palpation
Pulsdiagnostik klinisch nutzen
Nicht nur Frequenz zĂ€hlen: Rhythmus, Spannung, FĂŒllung und Sonderformen prĂŒfen.
RR: korrekt messen, bei Bedarf beidseits und im Stehen.
Rekapillarisierungszeit: Finger kurz drĂŒcken, RĂŒckfĂ€rbung beobachten.
Diurese/Trinken: Oligurie als Hypoperfusionszeichen.
Schockindex
Schockindex = Puls / systolischer Blutdruck. Beispiel: Puls 120/min, systolischer RR 90 mmHg â 120/90 = 1,33. Das ist verdĂ€chtig und muss ernst genommen werden.
Bei Kreislaufnotfall: Patient lagern, Vitalzeichen, Notruf 112, engmaschige Kontrolle, keine Verzögerung durch âerstmal beobachtenâ.
Was ist ein sinnvoller Erstcheck bei Kreislaufverdacht?