Nervensystem · HP-Intensivskript
Kapitel 1 · Grundlagen
Gliederung des Nervensystems
Anatomische und funktionelle Einteilung – die Basis für alles Weitere
ZNS – Zentralnervensystem
Gehirn (Encephalon) mit Hirnstamm
Rückenmark (Medulla spinalis)
Geschützt durch Schädel, Wirbelsäule, Meningen, Liquor
Keine Regeneration nach Läsion!
PNS – Peripheres Nervensystem
12 Hirnnervenpaare
31 Spinalnervenpaare
Alle Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark
Regenerationsfähig! (ca. 1–4 mm/Tag)
⚡ Funktionelle Einteilung
Willkürliches NS
Bewusste Muskelsteuerung. Pyramidenbahn → quergestreifte Muskulatur
Vegetatives NS
Unbewusst: Sympathikus (Stress) + Parasympathikus (Ruhe) als Gegenspieler
Afferente Bahnen
Sensibel, zum ZNS hin. Rezeptor → Hinterhorn → Gehirn
Efferente Bahnen
Motorisch, vom ZNS weg. Vorderhorn → Muskel / Organ
AFFERENT = Ankommend (zum ZNS). EFFERENT = Enteilend (weg vom ZNS). Hinterhorn = sensibel. Vorderhorn = motorisch.
🛡️ Meningen – von außen nach innen
SchichtNameBesonderheitKlinisch
ÄußersteDura materDerb, faserig. Folgt SchädelknochenEpiduralraum = zwischen Knochen und Dura
MittlereArachnoideaFein, elastischSubarachnoidalraum enthält Liquor
InnerstePia materLiegt dem Gehirn direkt auf, gefäßreichPlexus choroidei → Liquorproduktion
💧 Liquor cerebrospinalis
Bildung: Plexus choroidei (v.a. Seitenventrikel) ca. 500 ml/Tag
Weg: Seitenventrikel → 3. Ventrikel (via Foramina Monroi) → Aquädukt → 4. Ventrikel → Subarachnoidalraum → Resorption durch Arachnoidalzotten ins venöse Blut
Menge: ca. 150 ml gesamt, ca. 3× täglich vollständig ausgetauscht
Normal: wasserklar, <5 Zellen/µl, Eiweiß 15–45 mg/dl, Glukose ≈ 2/3 des Blutzuckerwerts
Pathologisch: Trüb = bakt. Meningitis; blutig/xanthochrom = SAB; ↑ Eiweiß + oligoklonale Banden = MS
Bei Verdacht auf erhöhten Hirndruck ist eine Lumbalpunktion KONTRAINDIZIERT – Herniation des Hirnstamms → Tod! HP macht generell keine LP.
Zum ZNS gehören Gehirn, Hirnstamm und Rückenmark – NICHT die Spinalnerven (PNS). Basalganglien = ZNS. Epiphyse = ZNS (bildet Melatonin!). Häufige Prüfungsfalle!
Kapitel 2 · Anatomie
Gehirn: Aufbau & Funktionen
Großhirn, Zwischenhirn, Hirnstamm, Kleinhirn – Funktionszuordnung für die Prüfung
StrukturFunktionAusfall → Symptom
Großhirn (Telencephalon)Denken, Gedächtnis, Sprache, Willkürmotorik, Sensibilität, PersönlichkeitHemiparese, Aphasie, Demenz
Zwischenhirn (Dienzephalon)Thalamus = „Tor zum Bewusstsein" (filtert Reize). Hypothalamus = Hormonsteuerzentrale, Temperatur, Hunger, DurstBewusstseinsstörungen, Hormonstörungen
Hirnstamm (Mittelhirn + Brücke + Medulla oblongata)Atemzentrum, Kreislaufzentrum, Schluckzentrum. Kern der meisten Hirnnerven. Kreuzung der Pyramidenbahn!Atemstillstand, Koma, Tod
Kleinhirn (Cerebellum)Feinmotorik, Bewegungskoordination, Gleichgewicht. Korrektur von BewegungsfehlernAtaxie, Intentionstremor, Adiadochokinese, Romberg+
🗺️ Großhirnlappen und Rindenfelder
LappenFunktionAusfall
Stirnlappen (frontal)Willkürmotorik (Gyrus praecentralis), Broca-Sprachzentrum (Sprechen), Persönlichkeit, PlanungHemiparese kontralateral, motorische Aphasie (kann nicht sprechen, versteht aber)
Scheitellappen (parietal)Somatosensorik (Gyrus postcentralis), Körperschema, räumliches DenkenSensibilitätsstörungen, Apraxie, Hemineglect
Schläfenlappen (temporal)Hörzentrum, Wernicke-Sprachzentrum (Verstehen), Gedächtnis (Hippocampus!)Taubheit, sensorische Aphasie (spricht flüssig, versteht nicht)
Hinterhauptslappen (okzipital)Sehzentrum (primäre Sehrinde)Hemianopsie, kortikale Blindheit
Pyramidenbahn kreuzt in der Medulla oblongata (Decussatio pyramidum) → rechtes Gehirn steuert LINKE Körperhälfte! Gyrus PRAEcentralis = Motorik (vor Zentralfurche). Gyrus POSTcentralis = Sensibilität (hinter Zentralfurche).
Broca = Babbling (Sprechen, Stirnlappen). Wernicke = Wahrnehmen (Verstehen, Schläfenlappen). Sehen = Hinterhauptslappen. Motorik VOR, Sensibilität HINTER der Zentralfurche.
💡 Wichtige Einzelstrukturen
Thalamus
„Tor zum Bewusstsein": filtert alle sensiblen Reize (Schmerz, Temperatur, Sehen, Hören) ans Großhirn. Verhindert Reizüberflutung.
Hypothalamus
Steuert Hypophyse (Releasing-Hormone), Körpertemperatur, Hunger, Durst, Schlaf-Wach-Rhythmus, Sexualtrieb, Sympathikus-Aktivierung
Epiphyse (Zirbeldrüse)
Bildet Melatonin → zirkadianer Rhythmus (Schlaf-Wach). Liegt im Zwischenhirn. NICHT ADH, NICHT TSH! PRÜFUNGSKLASSIKER!
Basalganglien
Extrapyramidales System (EPS): Bewegungskoordination, Muskeltonus. Substantia nigra → Dopamin → Parkinson. Striatum → Chorea Huntington
Hippocampus (Limbisches System)
Gedächtniskonsolidierung (Kurzzeit → Langzeit). Erstes Opfer bei Alzheimer → Neugedächtnis zuerst gestört!
Corpus callosum (Balken)
Verbindet beide Hemisphären. Weiße Substanz = myelinisierte Axone. Wichtig für bimanuelle Koordination
Das Sehzentrum liegt im …
A
Stirnlappen
B
Scheitellappen
C
Schläfenlappen
D
Hinterhauptslappen (Lobus occipitalis)
Richtig! Das Sehzentrum liegt im Hinterhauptslappen. Hörzentrum = Schläfenlappen, Motorik = Stirnlappen (Gyrus praecentralis), Sensibilität = Scheitellappen (Gyrus postcentralis).
Kapitel 3 · Anatomie
Hirnnerven I – XII
Alle 12 Hirnnerven mit Funktion und klinischer Bedeutung
#NameArtFunktionKlinisch wichtig
IN. olfactoriussensibelRiechenAnosmie bei SHT / Schädelbasisfraktur
IIN. opticussensibelSehenOptikusneuritis (MS!), Stauungspapille bei Hirndruck, Amaurosis fugax (TIA)
IIIN. oculomotoriusmotorisch4 von 6 Augenmuskeln, Pupillenverengung (Parasympath.), Lidheben (M. levator palpebrae)Ptosis, Mydriasis, Doppelbilder, Strabismus divergens
IVN. trochlearismotorischM. obliquus superior → Auge nach unten-innenDoppelbilder beim Treppensteigen / Lesen (Kopfneigung zur Gegenseite)
VN. trigeminusgemischt3 Äste: V1 (Auge/Stirn), V2 (Oberkiefer), V3 (Unterkiefer + Kaumuskulatur motorisch)Trigeminusneuralgie. Kornealreflex afferent V!
VIN. abducensmotorischM. rectus lateralis → Auge nach außenStrabismus convergens, horizontale Doppelbilder
VIIN. facialisgemischtMimik (motorisch), Geschmack vordere 2/3 Zunge (Chorda tympani), Tränen- / Speicheldrüsen (parasympath.)Fazialisparese! Kornealreflex efferent VII!
VIIIN. vestibulocochlearissensibelN. cochlearis: Hören. N. vestibularis: GleichgewichtTinnitus, Schwerhörigkeit, Schwindel, Nystagmus. M. Ménière!
IXN. glossopharyngeusgemischtSchlucken, Geschmack hinteres 1/3 Zunge, Karotissinusreflex, WürgereflexSchluckstörungen, Würgereflex-Ausfall
XN. vagusgemischtParasympathikus Herz/Lunge/Bauch. N. recurrens → Stimmlippen! HustenreflexHeiserkeit nach Schilddrüsen-OP (N. recurrens!), Dysphagie, Dyspnoe
XIN. accessoriusmotorischM. trapezius (Schultern), M. sternocleidomastoideus (Kopfdrehen)Schulter hängt, Kopf kann nicht gedreht werden
XIIN. hypoglossusmotorischAlle ZungenmuskelnZunge zeigt zur gelähmten Seite (ipsilateral!)
Kornealreflex: afferent = V (Trigeminus), efferent = VII (Facialis). Schultern heben = XI. Zunge = XII (Abweichung zur kranken Seite!). Doppelbilder = III, IV oder VI – auch bei MS, Botulismus, Myasthenia gravis!
👁️ Fazialisparese – peripher vs. zentral
Periphere Fazialisparese (N. VII selbst)
Gesamte ipsilaterale Gesichtsseite betroffen (oben + unten)
Stirnrunzeln NICHT möglich
Augenschluss NICHT möglich → Bell-Phänomen (Augapfel dreht sich nach oben)
Ursachen: idiopathisch 75%, Borreliose, Herpes zoster oticus (Ramsay-Hunt), Diabetes, Parotistumor
Zentrale Fazialisparese (Apoplex etc.)
Nur untere Gesichtsseite kontralateral zur Läsion!
Stirnrunzeln MÖGLICH (bilaterale supranukleäre Versorgung der Stirn)
Augenschluss möglich, kein Bell-Phänomen
Ursachen: Apoplex, Hirntumor, MS, Hirnabszess
Nach einer Schilddrüsenoperation klagt der Patient über Heiserkeit. Welcher Nerv wurde verletzt?
A
N. facialis (VII)
B
N. accessorius (XI)
C
N. recurrens (Ast des N. vagus X)
D
N. phrenicus (C3–C5)
Richtig! Der N. recurrens ist ein Ast des N. vagus (X). Er innerviert die Stimmlippen. Bei Schilddrüsen-OPs wird er häufig verletzt → Heiserkeit. N. phrenicus innerviert das Zwerchfell (Atemlähmung bei Verletzung).
Kapitel 4 · Physiologie
Sympathikus & Parasympathikus
Der häufigste Prüfungsblock – plus: Acetylcholin, Botox & Botulismus erklärt
Sympathikus – „Kampf oder Flucht"
Aktivierung bei Stress, Gefahr, körperlicher Belastung
Transmitter präganglionär: Acetylcholin. Postganglionär: Noradrenalin
Ausnahme: Schweißdrüsen postganglionär auch Acetylcholin!
Nebennierenmark → Adrenalin / Noradrenalin ins Blut
Ursprung: thorakolumbal (Th1–L2), Grenzstrang
Parasympathikus – „Ruhe und Verdauung"
Aktivierung in Ruhe, Schlaf, Verdauung, Regeneration
Prä- und postganglionär: Acetylcholin (ACh)
N. vagus trägt 75% aller parasympathischen Fasern!
Ursprung: kraniosakral (Hirnnerven III, VII, IX, X + S2–S4)
💉 Acetylcholin verstehen durch Botox & Botulismus

Acetylcholin (ACh) ist der Neurotransmitter an der neuromuskulären Endplatte: Das Motoneuron schüttet ACh in den synaptischen Spalt aus → ACh bindet an nikotinerge ACh-Rezeptoren der Muskelfaser → Muskelkontraktion. Auch der Parasympathikus nutzt ACh (an muskarinergen Rezeptoren).

Botulinum-Toxin (Botulinumtoxin Typ A = „Botox"): Das stärkste bekannte biologische Gift (LD50 ca. 1–2 ng/kg!) wird von Clostridium botulinum produziert. Es hemmt die Exozytose von Acetylcholin in den synaptischen Spalt durch Spaltung von SNARE-Proteinen (SNAP-25) → kein ACh → kein Signal → schlaffe Lähmung.
Medizinisch genutzt: Injektion in die Stirnmuskeln → Muskel kontrahiert nicht mehr → Falten glätten sich. Auch bei Spastik (Parkinson, MS, Zerebralparese), Hyperhidrose, chronischer Migräne, überaktiver Blase.

Botulismus (Lebensmittelvergiftung): Clostridium botulinum in schlecht konservierten Lebensmitteln (Konserven, Räucherfisch, Wurstwaren – anaerobe Bedingungen!) → Toxin wird aufgenommen → absteigende schlaffe Lähmungen (beginnt mit Doppelbilder, Dysarthrie, Dysphagie → Atemlähmung → Tod). Kein Fieber, kein Bewusstseinsverlust. HP-Grenzkrankheit! Therapie: Antitoxin, Intensivstation, Beatmung.
📋 Wirkungen auf die Organe – Prüfungstabelle
OrganSympathikusParasympathikus
PupilleMydriasis (M. dilatator)Miosis (M. sphincter, via N. III)
BronchienDilatationKonstriktion + Schleimsekretion ↑
HerzFrequenz ↑, Kontraktionskraft ↑Frequenz ↓, Überleitung ↓ (AV-Block möglich)
Blutdruck↑ (Vasokonstriktion + HF ↑)↓ (HF ↓)
Magen/DarmPeristaltik ↓, Sphinkter kontrahiertPeristaltik ↑, Sphinkter relaxiert
SpeicheldrüsenZäher, weniger SpeichelViel, wässriger Speichel
HarnblaseDetrusor relaxiert, Sphinkter kontrahiert → HarnverhaltDetrusor kontrahiert → Miktion
SchweißdrüsenSekretion ↑ (Ausnahme: ACh postganglionär!)–
LeberGlykogenolyse → Blutglukose ↑Glykogensynthese ↑
Erektion / EjakulationEjakulationErektion (Merke: „P"arasympathikus = „P"oint)
Sympathikus = STRESS: Pupille groß, Bronchien weit, Herz schnell, Blutdruck hoch, Verdauung stoppt. Parasympathikus = PAUSE: alles umgekehrt. N. vagus = 75% des Parasympathikus!
Welche ZWEI Wirkungen zeigt der Sympathikus?
A
Pupillenerweiterung (Mydriasis)
B
Bronchodilatation
C
Steigerung der Darmperistaltik
D
Herzfrequenz ↓ (Bradykardie)
A und B richtig. Sympathikus = Kampf/Flucht: Mydriasis (mehr sehen) und Bronchodilatation (mehr Luft). Darmperistaltik wird gehemmt. Herzfrequenz wird erhöht – nicht gesenkt (das wäre Parasympathikus/Vagus).
Kapitel 5 · Physiologie
Reflexe: Bogen, Eigen, Fremd
Reflexbogen, Segmentzuordnung, Babinski, Meningismus-Tests
1. Reiz & Rezeptor
Hammer auf Sehne → Muskelspindel (Propriozeptor) wird gedehnt → Reiz
2. Afferenter Arm
Ia-Afferenz → Hinterhorn des Rückenmarks (sensibel, ANkommend)
3. Umschaltung
Eigenreflex = eine Synapse (monosynaptisch). Fremdreflex = mehrere (polysynaptisch)
4. Efferenter Arm
Alpha-Motoneuron vom Vorderhorn → Muskel (motorisch, Enteilend)
🦵 Eigenreflexe mit Segmentzuordnung
ReflexAbk.SegmentReaktion
BizepssehnenreflexBSRC5 / C6Flexion im Ellenbogen
RadiusperiostreflexRPRC5 / C6Flexion im Ellenbogen
TrizepssehnenreflexTSRC7 / C8Extension im Ellenbogen
PatellarsehnenreflexPSRL3 / L4Extension im Knie
AchillessehnenreflexASRS1 / S2Plantarflexion des Fußes
ZNS-Läsion (Pyramidenbahn)
Eigenreflexe: gesteigert (Hemmung fällt weg)
Fremdreflexe: erloschen
Babinski: positiv
Tonus: Spastik
Atrophie: keine / spät
PNS-Läsion (peripherer Nerv)
Eigenreflexe: abgeschwächt / erloschen
Tonus: schlaff
Babinski: negativ
Atrophie: früh und ausgeprägt
Faszikulationen möglich
Babinski positiv = Dorsalextension der Großzehe beim Bestreichen des lateralen Fußrandes = Pyramidenbahnzeichen! Beim Erwachsenen immer pathologisch. Beim Neugeborenen physiologisch.
🔬 Meningismus-Tests
1
Brudzinski: Kopf anheben beim liegenden Patienten → Beine winkeln reflektorisch an
2
Kernig: Hüfte 90° gebeugt, Knie strecken → Schmerz + Widerstand
3
Lasègue: Gestrecktes Bein heben → Schmerzen bei 30–70°. Auch positiv bei BSV L4/L5 und L5/S1!
4
Nackensteifigkeit: Kinn nicht zur Brust führbar → Meningismus. + Fieber + Kopfschmerzen = Meningitis-Verdacht!
Welche Zuordnung von Reflex und Segment ist RICHTIG?
A
BSR (Bizepssehnenreflex) → C1/C2
B
ASR (Achillessehnenreflex) → L1/L2
C
PSR (Patellarsehnenreflex) → L3/L4
D
TSR (Trizepssehnenreflex) → C2/C3
Richtig! PSR = L3/L4. Korrekte Übersicht: BSR/RPR = C5/C6, TSR = C7/C8, PSR = L3/L4, ASR = S1/S2. Diese müssen auswendig sitzen!
Kapitel 6 · Erkrankungen ZNS
Schlaganfall – Apoplex & TIA
Häufigster neurologischer Notfall – jede Minute zählt. HP-Grenzkrankheit!
NOTFALL! Sofort Notarzt (112). Nichts essen/trinken geben (Aspirationsgefahr). Patient nicht allein lassen. Kein Blutdruck unkontrolliert senken!
🔵 BE-FAST – Erkennungsschema
B
Balance
Plötzlicher Schwindel, Gangstörung, Gleichgewichtsverlust
E
Eyes
Plötzliche Sehstörung ein- oder beidseits, Doppelbilder, Gesichtsfeldausfall
F
Face
Einseitige Gesichtslähmung – Patient lächeln lassen!
A
Arms
Armvorhalteversuch (Augen zu) – sinkt ein Arm ab?
S
Speech
Sprachstörung, Wortfindungsstörung, verwaschene Sprache
T
Time – 112!
Sofort Notruf! Jede Minute sterben 1,9 Mio. Neurone. „Time is brain!"
Ischämischer Schlaganfall (85%)
Ursache: Thrombose oder Embolie (häufigste Quelle: Vorhofflimmern!)
A. cerebri media: armbetonte kontralaterale Hemiparese + Aphasie (links)
Therapie: Lyse mit rtPA (binnen 4,5h), Thrombektomie, Stroke Unit
Risikofaktoren: Hypertonie, Vorhofflimmern, Diabetes, Nikotin, Arteriosklerose
Hämorrhagischer Schlaganfall (15%)
Ursache: Hirnmassenblutung (meist Hypertonie) oder SAB (Aneurysma)
SAB: „Donnerschlag-Kopfschmerz" + Meningismus
KEINE Lyse! – würde Blutung verstärken
Therapie: Blutdruckkontrolle, neurochirurgisch, Intensiv
📊 Symptome nach betroffener Arterie
ArterieVersorgungsgebietTypische Symptome
A. cerebri media (häufigste!)Lateraler Kortex: Arm/Gesicht, Sprache (links)Kontralaterale armbetonte Hemiparese, zentrale Fazialisparese, Aphasie (links), Hemineglect (rechts)
A. cerebri anteriorMedialer Kortex: Bein, FrontallappenKontralaterale beinbetonte Hemiparese, Blasenstörung, Frontalhirnsyndrom
A. cerebri posteriorSehrinde, ThalamusKontralaterale Hemianopsie, Thalamussyndrom, Bewusstseinsstörung
A. basilarisHirnstamm, KleinhirnTetraparese, Koma, Atemstillstand – lebensbedrohlich!
Pyramidenbahn kreuzt → rechte Hirnhälfte gesteuert LINKE Körperhälfte. Armbetonte Hemiparese = A. cerebri media. Beinbetont = A. cerebri anterior.
🔄 TIA (Transitorische Ischämische Attacke)
Definition: Vorübergehende neurologische Ausfälle, vollständige Rückbildung innerhalb 24 Stunden (meist Minuten)
Typisch: Amaurosis fugax (vorübergehende einseitige Erblindung!), Halbseitensymptomatik, Aphasie, Schwindel
WICHTIG: TIA ist ein Warnsignal für drohenden Apoplex! Sofortige Abklärung auch wenn Symptome weg sind!
🩺 Verlauf der Lähmung nach Apoplex
1
Akutphase: Schlaffe Lähmung – Eigenreflexe fehlend (zentraler Schock)
2
Wochen später: Spastische Lähmung – Eigenreflexe gesteigert, Babinski positiv, Hypertonus
3
Chronisch: Wernicke-Mann-Haltung (Arm gebeugt, Bein gestreckt), Zirkumduktionsgang
Ein Patient hat eine linksseitige armbetonte Hemiparese. Wo ist der Infarkt am wahrscheinlichsten?
A
Linke A. cerebri media
B
Rechte A. cerebri media
C
Linke A. cerebri anterior
D
A. basilaris
Richtig! Pyramidenbahn kreuzt → linksseitige Hemiparese = Läsion RECHTS. Armbetont = A. cerebri media (versorgt lateralen Kortex mit Arm-/Gesichtsarealen). Also: rechte A. cerebri media.
Kapitel 7 · Erkrankungen ZNS
Hirnblutungen: SAB, Subdural, Epidural
Drei Blutungstypen – Lokalisation, Ursache, Klinik klar unterscheiden
TypLageUrsacheKlinikZeitverlauf
EpiduralhämatomZwischen Schädelknochen und Dura materA. meningea media platzt (Schläfenbeinfraktur)Kurze BL → Lucid interval (symptomfreie Stunden!) → erneute Eintrübung, Anisokorie, HemiplegieArteriell = SCHNELL → sofortige OP!
SubduralhämatomZwischen Dura und ArachnoideaVenöse Brückenvenen reißen, oft Bagatelltrauma (alte Menschen, Alkohol, Antikoagulation)Akut: sofort. Chronisch: schleichend – Kopfschmerzen, Demenz-ähnlich, Wochen bis Monate nach Trauma!Venös = langsamer
Subarachnoidalblutung (SAB)Subarachnoidalraum (zwischen Arachnoidea und Pia)Ruptur eines Aneurysmas (80%), AVM„Donnerschlag-Kopfschmerz" (schlimmster KS des Lebens, schlagartig), Meningismus, Erbrechen, BewusstlosigkeitLebensbedrohlich! Clipping / Coiling des Aneurysmas
Epidural = EPISCH schnell (arteriell, Lucid interval!). Subdural = SCHLEICHEND (venös, Tage bis Monate). SAB = SCHMERZ wie nie zuvor (Donnerschlag-KS).
💡 Hirndruckzeichen (alle Raumforderungen)
Kopfschmerzen
Diffus, morgens schlimmer (Lage erhöht Hirndruck), verstärkt durch Husten, Pressen, Bücken
Schwallartiges Erbrechen
Plötzlich, ohne Übelkeit (Nüchternerbrechen). Direkte Druckreizung des Brechzentrums (Medulla)
Stauungspapille
Am Augenhintergrund: Papillenödem durch erhöhten Liquordruck. Sicheres Spätzeichen!
Bewusstseinsstörung
Somnolenz → Sopor → Koma. Auch: Aggressivität, Persönlichkeitsveränderung als Frühzeichen
Anisokorie
Ungleiche Pupillen → Einklemmung! Weite, reaktionslose Pupille ipsilateral (N. III gedrückt)
Cushing-Reflex
Hypertension + Bradykardie + Atemstörung = terminales Zeichen kritischer Hirnstammeinklemmung!
Sinusvenenthrombose: venöse Liquordrainage gestört → Hirndruck. Risiko: OCP (Pille!), Schwangerschaft, Wochenbett, Gerinnungsstörungen. Symptome: Kopfschmerzen, Krampfanfälle, fokale Ausfälle. Therapie: Heparin auch bei Einblutung!
Kapitel 8 · Erkrankungen ZNS
Epilepsie & Krampfanfälle
Formen, Erstmaßnahmen, Differenzialdiagnosen
Generalisierte Anfälle
Grand mal (tonisch-klonisch): Bewusstlosigkeit, tonische Phase (Starre), klonische Phase (Zuckungen), Zungenbiss, Inkontinenz, Terminalschlaf
Absencen (Petit mal): Kurzes Innehalten/Starren (Sekunden), keine Bewusstlosigkeit, kein Sturz. Typisch: Kinder!
Myoklonisch: Plötzliche kurze Muskelzuckungen (oft morgens)
Atonisch: Plötzlicher Tonus-Verlust → Sturzgefahr
Fokale (partielle) Anfälle
Jackson-Marsch: Zuckungen beginnen fokal und breiten sich aus (Wanderung im motorischen Kortex)
Komplex-fokal (psychomotorisch): Bewusstseinsminderung + Automatismen, keine Erinnerung
Oft Aura vorher: Geruch, Déjà-vu, Kribbeln → wichtiger Hinweis!
1. Anfall im Erwachsenenalter → immer Bildgebung (Tumor!)!
Status epilepticus (>5 Min. anhaltend) = NOTFALL → 112! Diazepam rektal (Rektiole 10 mg) als Notfallmedikament. Dauerhafter Status → hypoxischer Hirnschaden möglich.
🩺 Erstmaßnahmen beim Grand-mal-Anfall
✓
TUN: Gefährliche Gegenstände aus der Umgebung räumen. Etwas Weiches unter den Kopf.
✓
TUN: Zeit nehmen! Anfall >5 Min. → sofort 112 (Status epilepticus)
✓
TUN: Nach dem Anfall → stabile Seitenlage (Terminalschlaf, Aspirationsschutz!)
✗
NICHT: Patienten festhalten! Frakturrisiko durch enorme Muskelkraft
✗
NICHT: Zungenkeil / irgendetwas in den Mund legen! Zahnbruch, Fingerverletzung. Verhindert Zungenbiss NICHT. PRÜFUNGSKLASSIKER!
✗
NICHT: Essen oder Trinken anbieten (Aspirationsgefahr!)
Auslöser von Gelegenheitskrämpfen: Alkoholentzug, Schlafentzug, Hypoglykämie, Elektrolytstörungen, Fieber (Fieberkrampf bei Kindern), Hyperventilation, Medikamente. 1. Anfall Erwachsener → immer MRT/CT → Hirntumor ausschließen!
Welche 2 Aussagen zur Ersten Hilfe beim Grand-mal-Anfall sind RICHTIG?
A
Zungenkeil einlegen
B
Gefährliche Gegenstände aus der Umgebung entfernen
C
Patienten festhalten
D
Nach dem Anfall stabile Seitenlage
Richtig: B und D. Gegenstände wegräumen = Verletzungsschutz. Seitenlage = Aspirationsschutz im Terminalschlaf. NIEMALS Zungenkeil (Zahnbruch/Fingerverletzung, verhindert Biss nicht!) und NICHT festhalten (Frakturgefahr).
Kapitel 9 · Erkrankungen ZNS
Meningitis & Enzephalitis
HP-Grenzkrankheit – Symptome erkennen, sofort überweisen
BEHANDLUNGSVERBOT! Bei Verdacht sofort Notarzt (112). Meldepflicht nach IfSG bei bakterieller Meningitis (§6)! Jede Stunde ohne Antibiotika erhöht Mortalität signifikant.
Bakterielle Meningitis (lebensbedrohlich!)
Erreger: Meningokokken (häufigste bei Kindern!), Pneumokokken (häufigste beim Erwachsenen), Listerien (Immunsupprimierte, ältere)
Symptome: Hohes Fieber (>38,5°C), vernichtende Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Licht- und Lärmscheu, Erbrechen
Waterhouse-Friderichsen: Meningokokken-Sepsis + petechiale/purpurne Hautblutungen + Nebennierenversagen → höchste Alarmstufe!
Therapie: Penicillin G / Cephalosporin i.v. sofort (vor LP wenn nötig!), Dexamethason
Enzephalitis (Gehirnentzündung)
Erreger: HSV-1 (häufigste sporadische Enzephalitis!), FSME (Zecken!), Masern, Autoimmun (Anti-NMDA-Rezeptor)
Symptome: wie Meningitis + Bewusstseinsstörung, Wesensveränderung, Krampfanfälle, Herdsymptome
HSV-Enzephalitis: Aciclovir i.v. sofort! Ohne Therapie >70% Mortalität
FSME: Nur symptomatisch. Prophylaxe: Impfung!
🔬 Liquorbefunde im Vergleich
ParameterNormalBakt. MeningitisVirale MeningitisMS
Aussehenwasserklareitrig trübklar / leicht getrübtklar
Zellen<5/µl↑↑ Granulozyten (1000er)↑ Lymphozyten (<1000)leicht ↑ / normal
Eiweiß15–45 mg/dl↑↑ (>200 mg/dl)↑ (leicht)↑ IgG, oligoklonale Banden!
Glukose≈ 2/3 Blutwert↓↓ (Bakterien verbrauchen Glukose!)normalnormal
Druck10–20 cmH₂O↑↑↑normal
Kapitel 10 · Erkrankungen ZNS
Schädel-Hirn-Trauma (SHT)
Drei Schweregrade, Amnesie-Typen, Komplikationen
GradBezeichnungBewusstseinAmnesiePrognose
Grad ICommotio cerebri (Gehirnerschütterung)Kurze BL (<1 Min.) oder erhaltenRetrograde AmnesieVollständige Erholung, keine Hirnsubstanzschädigung!
Grad IIContusio cerebri (Gehirnprellung)5–30 Min. bewusstlosAnterograde + retrograde AmnesieHirnsubstanzschädigung, Dauerschäden möglich
Grad IIICompressio cerebri (Hirnquetschung)>30 Min. bewusstlosAusgedehnte AmnesieBleibende Schäden, Lebensgefahr
Retrograde Amnesie
Erinnerungslücke für Ereignisse VOR dem Trauma
„Ich erinnere mich nicht, was kurz vor dem Unfall passierte"
Anterograde Amnesie
Erinnerungslücke für Ereignisse NACH dem Trauma
„Ich erinnere mich nicht, was nach dem Unfall passierte" – PRÜFUNGSKLASSIKER!
Retrograde = Retro (zurück = VOR dem Ereignis). Anterograde = Ante (vorwärts = NACH dem Ereignis).
PRÜFUNGSKLASSIKER: „2-stündige Erinnerungslücke für das Geschehen NACH dem Unfall" = anterograde Amnesie. Retrograde = VOR dem Ereignis. Wird wortgleich so geprüft! Apallisches Syndrom = Wachkoma = Großhirnrinde ausgefallen, Hirnstamm erhalten.
Ein Patient hat nach einem Unfall eine 2-stündige Erinnerungslücke für das Geschehen NACH dem Unfall. Welche Diagnose?
A
Retrograde Amnesie
B
Anterograde Amnesie
C
Dissoziative Amnesie
D
Delir
Richtig: Anterograde Amnesie. Ante = nach vorne = NACH dem Ereignis. Retrograde = rückwärts = VOR dem Ereignis. Klassischer Prüfungstrick!
Kapitel 11 · Erkrankungen ZNS
Hydrozephalus & Hirntumoren
Liquorzirkulationsstörungen und intrakranielle Raumforderungen
💧 Hydrozephalus
Erweiterung der Liquorräume (Ventrikel) durch Störung der Liquorzirkulation oder -resorption → Hirndruck steigt → Hirngewebe wird komprimiert.
Hydrozephalus occlusus
Blockade im Liquorfluss (z.B. Aquäduktstenose, Tumor, Blut nach SAB)
Druckaufbau proximal des Hindernisses
Hydrozephalus malresorptivus
Resorptionsstörung an den Arachnoidalzotten (nach Meningitis, SAB)
Produktion normal, Abfluss / Resorption gestört
Kinder (offene Fontanellen): Kopfumfang wächst, vorgewölbte Fontanelle, Sonnenuntergangsphänomen (Augen nach unten gedrückt durch Hirndruck)
Erwachsene (starrer Schädel): Hirndruck steigt → Kopfschmerzen, Erbrechen, Stauungspapille, Bewusstseinsstörung
Normaldruckhydrozephalus (NPH) – Hakim-Trias: Gangstörung (kleinschrittig, magnetisch) + kognitive Störung (Demenz) + Harninkontinenz. Behandelbare Demenzform! Therapie: Liquorshunt
🧠 Hirntumoren
TumortypBesonderheitTypische Symptome
Glioblastom (WHO IV)Häufigster maligner primärer Hirntumor, sehr aggressiv. Prognose: <15 MonateRasche Herdsymptome, Hirndruck, Krampfanfälle
MeningeomHäufigster gutartiger primärer Hirntumor. Von Meningen ausgehend. Langsam wachsendHerdsymptome, Krampfanfälle, oft Zufallsbefund. Häufiger bei älteren Frauen!
HirnmetastasenHäufiger als primäre Tumoren! Quellen: Lunge (häufigste!), Brust, Melanom, Niere, KolonOft multiple Herde, rasches Wachstum
HypophysenadenomOft hormonaktiv (Prolaktinom, GH → Akromegalie, ACTH → Cushing)Bitemporale Hemianopsie (Chiasma opticum gedrückt!), Hormonstörungen
Akustikusneurinom (Vestibularisschwannom)Gutartig, N. VIII im inneren GehörgangEinseitige Schwerhörigkeit, Tinnitus, Schwindel
Allgemeine Hirndruckzeichen + Herdsymptome + Epilepsie + schleichender Beginn = Hirntumor bis zum Beweis des Gegenteils! Sofortige MRT + Überweisung. Bitemporale Hemianopsie = Hypophysentumor (Chiasma!). Meningeom: gutartig, häufig bei älteren Frauen.
Kapitel 12 · Degenerative Erkrankungen
Morbus Parkinson
Die häufigste degenerative NS-Erkrankung im Alter – Klassiker der HP-Prüfung
Degeneration der dopaminergen Neurone in der Substantia nigra (Mittelhirn) → Dopaminmangel in den Basalganglien → Ungleichgewicht Dopamin (↓) : Acetylcholin (relativ ↑) → extrapyramidale Bewegungsstörung. Lewy-Körperchen (fehlgefaltetes α-Synuklein) = pathologisches Merkmal.
🎭 Die Parkinson-Trias (Kardinalsymptome)
1. Tremor
Ruhetremor – in Ruhe am stärksten (4–6 Hz), bei willkürlicher Bewegung ↓. Münzenzählen, Pillendrehen. Durch Stress verstärkt, im Schlaf weg
2. Rigor
Erhöhter Muskeltonus in allen Muskeln. Zahnradphänomen beim passiven Bewegen. Maskengesicht (Hypomimie), Speichelfluss, Salbengesicht
3. Akinese / Hypokinese
Bewegungsarmut. Kleinschrittiger schlurfender Gang, kein Armschwingen, Propulsion, vorgebeugte Haltung. Mikrografie (Schrift wird kleiner)
Weitere Symptome
Vegetativ: Obstipation, Harnverhalt, Sialorrhöe, orthostatische Hypotonie
Psychisch: Depression (30–40%!), Bradyphrenie, Angst
Spät: Demenz (Parkinson-Demenz), Sturzgefahr, Pflegebedarf
REM-Schlaf-Verhaltensstörung: frühe Vorstufe (Jahre vor Motorik!)
Hyposmie (Riechstörung): Frühzeichen bei 90%!
Diagnostische Tests
Kopffalltest: Kopf anheben und loslassen → bleibt wie eingefroren oben (Rigor)
Zahnradphänomen: Ruckartig nachgebendes Widerstand beim passiven Armbewegen
Mikrografie: Schrift wird beim Schreiben kleiner → charakteristisch!
Kippversuch: Stuhl ruckartig kippen → keine Ausgleichsbewegung (Stellreflexe fehlen)
💊 Therapie
MittelMechanismusHinweis
Levodopa (L-Dopa)Vorstufe von Dopamin, überwindet Blut-Hirn-SchrankeGoldstandard! Immer mit Carbidopa kombiniert (hemmt peripheren Abbau, reduziert NW)
DopaminagonistenStimulieren Dopaminrezeptoren direktPramipexol, Ropinirol, Rotigotin-Pflaster. Frühtherapie
MAO-B-HemmerHemmen Dopaminabbau im GehirnSelegilin, Rasagilin. Frühtherapie oder Add-on
AnticholinergikaHemmen ACh-ÜbergewichtBiperiden (Akineton). Cave: Kognition! Nicht bei älteren Patienten
Tiefe HirnstimulationElektroden im Nucleus subthalamicusFür Patienten mit medikamentös nicht kontrollierten Symptomen
Parkinson ist NICHT heilbar! Sekundäres Parkinson-Syndrom (Parkinsonismus): durch Neuroleptika (häufigste Ursache!), Toxine (Mangan, CO), Enzephalitis, vaskuläre Schäden – andere Ursache als idiopathisches Parkinson!
Welche 2 Symptome sind charakteristisch für Morbus Parkinson?
A
Ruhetremor (in Ruhe am stärksten, bei Bewegung ↓)
B
Intentionstremor (Zittern bei zielgerichteten Bewegungen)
C
Zahnradphänomen beim passiven Bewegen des Armes (Rigor)
D
Epileptische Krampfanfälle
Richtig: A und C. Ruhetremor (Ruhe = stärker!) und Zahnradphänomen (Rigor) = Kardinalsymptome Parkinson. Intentionstremor = Kleinhirn / MS. Krampfanfälle gehören nicht zu Parkinson.
Kapitel 13 · Degenerative Erkrankungen
Multiple Sklerose
Chronisch-entzündliche Demyelinisierung – die große Mimikrin der Neurologie
Autoimmunerkrankung: T-Lymphozyten greifen Myelinscheiden der Axone im ZNS an → Demyelinisierung → Entmarkungsherde (Plaques) → gestörte Erregungsleitung. PNS ist NICHT betroffen!
Epidemiologie
Häufigste chronisch-entzündliche ZNS-Erkrankung junger Erwachsener
Manifestation meist 20.–40. Lebensjahr
Frauen : Männer ≈ 3:1
Nordeuropäer häufiger betroffen
Verlaufsformen
Schubförmig-remittierend (RRMS): häufigste Form (85%). Schübe + Remissionen
Primär-progressiv (PPMS): stetige Verschlechterung, keine Schübe (15%)
Sekundär-progressiv (SPMS): aus RRMS entstehend
MS ist nicht tödlich, verkürzt Lebenserwartung nur leicht
🩺 Symptome
Erstsymptome (typisch)
Optikusneuritis: verschwommenes Sehen, Farbentsättigung, Augenschmerzen bei Bewegung. Doppelbilder (Hirnstamm). Sensibilitätsstörungen (Kribbeln, Taubheit)
Uthoff-Phänomen
Verschlechterung bei Körperüberwärmung (heißes Bad, Fieber, Sport) → typisch für MS! Demyelinisierte Axone leiten bei Wärme schlechter
Lhermitte-Zeichen
Elektrisches Kribbeln entlang der Wirbelsäule beim Beugen des Kopfes zur Brust → Hinterstrangbeteiligung HWS. Typisch für MS!
Motorik & Koordination
Spastische Lähmungen, Gangstörungen, Intentionstremor (Kleinhirnbefall), Adiadochokinese, breitbeiniger Taumelgang
Blase & Darm
Dranginkontinenz, Harnverhalt, Obstipation bei Rückenmarkbefall
Fatigue
Extreme, nicht durch Schlaf behebbare Erschöpfung. Oft invalidisierendstes Symptom!
Uthoff = heißes Wasser = schlechter. Lhermitte = Kopf neigen = elektrisch. Beide klassische MS-Zeichen! Doppelbilder + junge Frau + verschiedene Zeiten/Orte → denke an MS!
Diagnostik
MRT: Goldstandard. Plaques periventrikulär, im Balken (Dawson-Finger), Hirnstamm, Rückenmark
Liquor: Oligoklonale Banden (IgG) – in 90% positiv. Intrathekale Immunreaktion!
VEP: Verlangsamte Reizleitung (besonders visuell)
McDonald-Kriterien: räumliche UND zeitliche Dissemination erforderlich
Therapie
Schub: Methylprednisolon 1g/d i.v. × 3–5 Tage (Kortisonstoß)
Basis: Interferon-beta, Glatirameracetat
Eskalation: Natalizumab, Fingolimod, Alemtuzumab
MS ist unheilbar. Ziel: Schübe reduzieren, Progression verzögern
Eine 28-jährige Frau berichtet über elektrisches Kribbeln entlang der Wirbelsäule beim Vorneigen des Kopfes. Dieses Zeichen heißt …
A
Uthoff-Phänomen
B
Babinski-Zeichen
C
Lhermitte-Zeichen
D
Kernig-Zeichen
Richtig! Lhermitte-Zeichen: Beim Kopf nach vorne beugen → elektrisches Kribbeln entlang der Wirbelsäule = Hinterstrangbeteiligung HWS, typisch für MS. Uthoff = Verschlechterung bei Wärme. Babinski = Pyramidenbahnzeichen am Fuß. Kernig = Meningismus.
Kapitel 14 · Degenerative Erkrankungen
Demenz & Alzheimer-Krankheit
Häufigste neurodegenerative Erkrankung – Formen, Verlauf, Kommunikation
Demenz = erworbener, chronisch-progredienter Abbau intellektueller Fähigkeiten (Gedächtnis, Orientierung, Denken, Sprache, Persönlichkeit) bei erhaltenem Bewusstsein (Abgrenzung zum Delir!).
Alzheimer-Krankheit (50–60%)
Pathologie: Amyloid-Plaques (β-Amyloid), Neurofibrillen (Tau-Protein), Neuronenverlust, Hirnatrophie
Verlauf: Schleichend, langsam progredient (5–15 Jahre)
Erstes Zeichen: Neugedächtnisstörung! Hippocampus zuerst betroffen
Altgedächtnis (Biographie) lange erhalten!
Vaskuläre Demenz (15–25%)
Ursache: Arteriosklerose, Mikroinfarkte, Multiinfarktdemenz
Verlauf: Stufenförmig (nach Infarkten Verschlechterung), fluktuierend
Schlaganfall-Anamnese, Risikofaktoren (Hypertonie, Diabetes)
Prävention: Risikofaktorbehandlung!
StadiumKognitionAlltagsfunktion
FrühstadiumVergesslichkeit (Neugedächtnis!), Wortfindungsstörungen, Orientierungsstörung (zeitlich), DepressionSelbstständigkeit weitgehend erhalten
Mittleres StadiumDesorientierung zu Zeit/Ort/Person, Apraxie, Agnosie, Aphasie, WahnvorstellungenKeine eigenständige Lebensführung, Weglauftendenz, wachsender Pflegebedarf
SpätstadiumVollständiger kognitiver Zerfall, keine KommunikationVollpflege, Inkontinenz, Bettlägerigkeit, Schluckstörungen
💬 Kommunikation mit Demenzpatienten
TUN: Gut lesbare Uhren / Kalender / Fotos aufstellen (Realitätsorientierung)
TUN: Kurze, einfache Sätze. Validationstherapie (Gefühle bestätigen, nicht widersprechen)
NICHT: Auf fehlerhaften Erzählungen herumreiten oder widerlegen → löst Angst aus
NICHT: Viele „Warum"-Fragen (überfordert, bedrohlich)
PRÜFUNGSKLASSIKER: „Neugedächtnis zuerst gestört, Altgedächtnis lange erhalten" = Alzheimer-typisch. Delir ≠ Demenz: Delir = akut + Bewusstseinseintrübung + reversibel. Demenz = chronisch + progredient + Bewusstsein klar. Lewy-Body-Demenz: Parkinson-ähnlich + kognitive Schwankungen + visuelle Halluzinationen. NPH (Hakim-Trias) = behandelbare Demenz → immer daran denken!
Welche Aussage zur Alzheimer-Demenz ist richtig?
A
Im Frühstadium ist das Altgedächtnis (Biographie) zuerst betroffen
B
Neugedächtnis zuerst gestört, Altgedächtnis lange erhalten
C
Die Erkrankung verläuft stufenförmig nach vaskulären Ereignissen
D
Das Bewusstsein ist von Anfang an eingeschränkt
Richtig: B. Bei Alzheimer ist der Hippocampus zuerst betroffen → Neugedächtnis (Kurzzeit) gestört, Altgedächtnis (Biographie) lange erhalten. Stufenförmig = vaskuläre Demenz. Bewusstsein bleibt klar (Gegensatz zum Delir)!
Kapitel 15 · Degenerative Erkrankungen
Chorea Huntington & ALS
Seltener, aber häufig geprüft – Genetik, Symptome, Verlauf
🕺 Chorea Huntington
Grundlagen
Erbgang: Autosomal-dominant – 50% Vererbungswahrscheinlichkeit!
Pathologie: CAG-Trinukleotid-Repeat-Expansion im Huntingtin-Gen → Degeneration im Striatum (Basalganglien)
Manifestation: 35.–50. Lebensjahr
Genetischer Test möglich (prädiktiv → ethische Fragen!)
Symptome
Chorea (Veitstanz): Unwillkürliche, rasche, tänzelnde Bewegungen (Hyperkinese)
Persönlichkeitsveränderungen, Depression, erhöhtes Suizidrisiko!
Progrediente Demenz
Dysarthrie (Sprechstörung), Dysphagie (Schluckstörung)
Unheilbar, Tod nach 10–20 Jahren
🔌 Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Degeneration der Motoneurone im Gehirn (1. Motoneuron) UND Rückenmark (2. Motoneuron) → progressive Lähmung aller Skelettmuskeln. Geistige Fähigkeiten bleiben in der Regel erhalten! (Gegensatz zu Alzheimer!)
Frühsymptome
Muskelkrämpfe, Schwäche einer Hand / eines Arms (meist asymmetrisch), Faszikulationen (sichtbare Muskelzuckungen in Ruhe)
Verlauf
Progrediente aufsteigende Lähmung. Bulbäre Symptome: Schlucken, Sprechen, Kauen betroffen. Zuletzt Atemlähmung → Tod meist nach 2–5 Jahren
Schlüsselmerkmal
Intellekt bleibt erhalten! Patient nimmt alles wahr, kann aber nicht reagieren. Pseudobulbäres Lachen/Weinen möglich
Therapie
Riluzol (lebensverlängernd ~3 Monate). Symptomatisch: Physio, Logopädie, PEG-Sonde, Beatmung (NIV)
ALS ≠ Alzheimer: ALS = Körper gelähmt, Geist klar. Alzheimer = Geist verfällt, Körper (zunächst) intakt. Chorea = tanzt (Hyperkinese). Parkinson = erstarrt (Hypokinese). Huntington = autosomal-dominant = 50% Risiko!
Kapitel 16 · PNS
PNP, GBS & Myasthenia gravis
Erkrankungen des peripheren Nervensystems und der neuromuskulären Endplatte
🦶 Polyneuropathie (PNP)
Erkrankung vieler peripherer Nerven, meist symmetrisch, distal betont. Klassisches Muster: Handschuh- und Strumpfmuster der Sensibilitätsstörungen.
Diabetische PNP (häufigste!)
Durch Hyperglykämie (Zucker schädigt kleine Gefäße = Vasa nervorum). Zuerst sensibel (Brennen, Kribbeln Füße = burning feet!), dann motorisch. ASR fehlt! Vegetativ: Impotenz, Blasenstörung, Magenentleerungsstörung
Alkoholische PNP
Sensibel + motorisch, schmerzhaft, symmetrisch. Vitamin B1-Mangel (Thiamin) mitverantwortlich → Wernicke-Enzephalopathie (Augenmotilitätsstörung + Ataxie + Verwirrtheit) möglich!
Toxisch / Medikamentös
Schwermetalle (Blei, Arsen, Quecksilber), Medikamente (Isoniazid, Vincristin, Cisplatin, Metronidazol)
Infektiös
Neuroborreliose (Borreliose!), Herpes zoster, HIV, Diphtherie, Lepra
Hereditär
Charcot-Marie-Tooth (CMT) – häufigste hereditäre Neuropathie. Peroneus-Betonung, Steppergang
⚡ Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
Definition: Akute postinfektiöse Autoimmun-Polyradikuloneuritis. Häufig 2–4 Wochen nach Campylobacter-Enteritis oder Virusinfekt
Verlauf: Aufsteigende schlaffe Lähmung – beginnt in den Beinen, steigt auf! Eigenreflexe ausgefallen (peripher!). Atemlähmung = lebensbedrohliche Komplikation!
Prognose: 80–90% vollständige Erholung in 1–6 Monaten
Therapie: IVIG oder Plasmapherese, ggf. Beatmung
GBS mit Atemlähmung = NOTFALL → sofortiger Notarzt! Beatmung kann lebensrettend sein.
🧬 Myasthenia gravis
Autoimmunerkrankung: Antikörper gegen Acetylcholinrezeptoren (nikotinerg) an der neuromuskulären Endplatte → ACh kann nicht binden → belastungsabhängige Muskelschwäche.
Leitsymptom: Okuläre Symptome – Ptosis, Doppelbilder. Charakteristisch: morgens besser, abends schlechter (Erschöpfung durch Belastung)!
Assoziation: Thymom (30%)! Immer Thymus untersuchen → evtl. Thymektomie
Test: Tensilon-Test (Edrophonium i.v., kurzer AChE-Hemmer → kurze Besserung = positiv)
Therapie: Cholinesterasehemmer (Pyridostigmin), Immunsuppression, Thymektomie
Myasthene Krise: Atemlähmung → Intensiv! Auslöser: Infekte, Medikamente (Aminoglykoside, Betablocker)
💡 Myasthenie vs. Botulismus: Beide betreffen die neuromuskuläre Endplatte, aber anders! Myasthenie = ACh-Rezeptoren blockiert (Antikörper). Botulismus = ACh-Ausschüttung blockiert (Toxin spaltet SNARE-Proteine). Beide: Doppelbilder, Schluckstörungen, Atemlähmung. Unterschied: Myasthenie = belastungsabhängig, morgens besser. Botulismus = akut, nach Lebensmittelvergiftung.
Kapitel 17 · PNS
Rückenmark & Querschnittssyndrom
Segmente, Dermatome, Querschnitt, Cauda equina
🧠 Rückenmark – Grundlagen
Struktur
Endet beim Erwachsenen auf Höhe L1/L2 (Conus medullaris)
31 Spinalnervenpaare: 8 zervikal, 12 thorakal, 5 lumbal, 5 sakral, 1 kaudal
Hinterhorn: sensibel (afferent). Vorderhorn: motorisch (efferent)
Seitenstränge: absteigende Pyramidenbahn + aufsteigende Schmerz-/Temperatur-Bahn
Wichtige Leitungsbahnen
Pyramidenbahn (Tractus corticospinalis): motorisch, ipsilateral absteigend (kreuzt bereits im Hirnstamm!)
Hinterstrang: Tiefensensibilität (Lage, Vibration) ipsilateral aufsteigend
Tractus spinothalamicus: Schmerz und Temperatur, kreuzt im Rückenmark 1–2 Segmente höher → kontralateral!
🗺️ Dermatome – klinisch wichtige Zuordnungen
SegmentDermatomReflexKlinisch
C5/C6Schulter, Daumen-Zeigefinger-SeiteBSR, RPRBSV C5/C6 → Schmerz Arm lateral, Daumen
C7/C8Mittelfinger (C7), Kleinfinger-Seite (C8)TSRBSV C7 → Mittelfinger-Schmerz
L3/L4Oberschenkel medial, Knie, Unterschenkel medialPSRBSV L3/L4 → Knie und medialer Unterschenkel
L4/L5Unterschenkel lateral, Fußrücken, Großzehekein ReflexBSV L4/L5 → Großzehe, Fußheber schwach (Steppergang!)
L5/S1Wadenbereich, Fußaußenrand, KleinzeheASRBSV L5/S1 → ASR fehlt! Kleinzehe, Plantar-Flexion schwach
⚡ Querschnittssyndrom
Akutes Querschnittssyndrom
Spinaler Schock: Akut = schlaffe Lähmung unterhalb der Läsion (Eigenreflexe ausgefallen!)
Sensibilitätsverlust unterhalb der Läsion (alle Qualitäten)
Blasen-/Darmlähmung (Harnverhalt, Obstipation)
Vegetative Dysregulation (Bradykardie, RR ↓ bei zervikalen Läsionen)
Chronisches Querschnittssyndrom
Wochen später: Spastische Lähmung (Eigenreflexe gesteigert, Babinski positiv)
Spasmus urinarius (unwillkürliche Blasenentleerung)
Höhe bestimmt Ausmaß: C1–C4 = Tetraplegie + Atemlähmung! C5–C8 = Tetraplegie. Th1+ = Paraplegie der Beine
🔽 Cauda equina Syndrom
Anatomie: Unterhalb L2 verlaufen nur noch Nervenwurzeln (keine Rückenmarksubstanz mehr) = Cauda equina = „Pferdeschwanz"
Symptome: Schlaffe Lähmung + Sensibilitätsstörung der Beine (reiterhosenförmig = Anogenitalregion + Oberschenkel innen), Blasen-/Darm-/Sexualfunktionsstörung
Ursachen: Großer BSV, Tumor, Hämatom, Abszess
Cave: Cauda equina Syndrom = neurochirurgischer Notfall! Sofortige OP, sonst irreversible Schäden
Akutes Querschnittssyndrom = ERST schlaff (spinaler Schock), dann spastisch. Wie beim zentralen Apoplex-Verlauf! Cauda equina = schlaff (peripher!). C1–C4 = sofortige Beatmung nötig!
Kapitel 18 · Leitsymptome
Migräne & Kopfschmerzen
Differenzierung der vier häufigsten Kopfschmerzformen für die Prüfung
MerkmalSpannungskopfschmerzMigräneCluster-KSTrigeminusneuralgie
QualitätDumpf, drückend, DruckPulsierend, hämmernendBohrend, brennend (unerträglich)Blitzartig, elektrisierend (stärkster Schmerz!)
SeiteBeidseitigEinseitig (hemicrania)Streng einseitig (orbital/temporal)Einseitig (V1–V3)
Dauer30 Min.–7 Tage4–72 Stunden15–180 Min., in SerienSekunden bis 2 Min.
BegleitsymptomeKeineÜbelkeit, Erbrechen, Licht-/LärmscheuIpsilateral: rotes Auge, Tränen, Rhinorrhöe, Ptosis (Horner-Syndrom!)Keine Vegetativa. Triggerpunkte!
AuraNeinBei 20–30%: Flimmern, SensibilitätsstörungenNeinTriggerzonen (Berührung, Luftzug)
TherapieNSAR, ParacetamolTriptane, NSAR akut. Prophylaxe: Betablocker, TopiramatO₂ 100%, Sumatriptan s.c. Prophylaxe: VerapamilCarbamazepin (1. Wahl!).
🔴 Migräne – Details
Akuttherapie: Triptane (Serotonin-1B/1D-Agonisten → Vasokonstriktion, Entzündungshemmung), NSAR (Ibuprofen, ASS), Antiemetika (Metoclopramid)
Prophylaxe: Betablocker (Metoprolol, Propranolol), Topiramat, Amitriptylin, CGRP-Antikörper. Auslöser meiden!
Analgetika-Übergebrauch-KS: Bei >10 Tagen/Monat Schmerzmedikation → Kopfschmerz durch die Medikamente selbst! Entzug erforderlich
⚡ Trigeminusneuralgie
Ursache: Gefäßkompression der Trigeminuswurzel am Hirnstamm (meist A. cerebelli superior). Sekundär auch bei MS!
Äste: Meist V2 (Oberkiefer) und V3 (Unterkiefer). Selten V1 (Auge)
Trigger: Leichte Berührung, Luftzug, Sprechen, Essen, Zähneputzen → Attacke. Patient meidet Triggerzonen
Therapie: Carbamazepin (1. Wahl, oft sehr effektiv!), Gabapentin, Pregabalin. Operativ: Mikrogefäßdekompression nach Jannetta
PRÜFUNGSTRICK Migräne vs. Cluster-KS: Beide einseitig. Aber: Migräne = Licht-/Lärmscheu + Übelkeit + Patient liegt ruhig im Dunkeln. Cluster = vegetative Begleitsymptome ipsilateral (rotes Auge, Tränen) + Patient ist motorisch unruhig, läuft umher!
Welche 2 Aussagen passen zur Diagnose Spannungskopfschmerz?
A
Drückende Schmerzqualität
B
Einseitig, pulsierend mit Übelkeit
C
Tritt meist beidseitig auf
D
Begleitet von Skotomen und Flimmern
Richtig: A und C. Spannungskopfschmerz = drückend + beidseitig. Pulsierend + einseitig + Übelkeit = Migräne. Skotome/Flimmern = Migräne-Aura. Wichtige Unterscheidung!
Kapitel 19 · Leitsymptome
Tremor, Gang, Lähmung
Systematische Differenzialdiagnose der häufigsten neurologischen Leitsymptome
🔄 Tremor – Differenzialdiagnose
TremortypZeitpunktErkrankungCharakteristik
RuhetremorIn Ruhe, bei Bewegung ↓Morbus Parkinson4–6 Hz, Münzenzählen, Pillendrehen. Rigor + Akinese dabei
IntentionstremorBei zielgerichteter Bewegung, am Ziel am stärkstenKleinhirnerkrankungen, MSFinger-Nase-Versuch pathologisch. In Ruhe kein Tremor
HaltetremorBeim Halten einer PositionEssenzieller Tremor, HyperthyreoseFeinschlägig, symmetrisch. Häufig Händetremor. Alkohol bessert!
Flapping Tremor (Asterixis)Grobe Bewegungen beim HaltenHepatische Enzephalopathie, UrämieHände ausstrecken → „Flügelschlagen". Stoffwechselstörung!
🚶 Gangstörungen – Differenzialdiagnose
GangbildErkrankungCharakteristik
Hemiplegischer Gang (Zirkumduktion)Apoplex (zentrale Hemiparese)Betroffenes Bein kreisförmig nach vorne, Arm in Beugehaltung. Wernicke-Mann-Haltung
Parkinson-GangMorbus ParkinsonKleinschrittig, schlurfend, vornübergebeugt, kein Armschwingen, Propulsion
Steppergang (Hahnentritt)N. peroneus-Parese (Fußheberschwäche, L4/L5)Fuß kann nicht gehoben werden → Knie hochheben. Tritt auf Zehenspitze auf
Ataktischer Gang (Kleinhirn)Kleinhirnerkrankung, MS, AlkoholBreitbeinig, taumelnd, unsicher. Romberg positiv, Finger-Nase-Versuch pathologisch
NPH-Gang (magnetisch)NormaldruckhydrozephalusKleinschrittig, Füße kleben am Boden, breite Spur. Kein Schritt über Schwelle möglich
💪 Zentrale vs. Periphere Lähmung
Zentrale Lähmung (Pyramidenbahn / ZNS)
Tonus: Spastik (erhöht)
Eigenreflexe: gesteigert
Fremdreflexe: erloschen
Babinski: positiv
Atrophie: keine / spät
Ursachen: Apoplex, Tumor, MS, SHT
Periphere Lähmung (PNS)
Tonus: schlaff
Eigenreflexe: abgeschwächt / erloschen
Babinski: negativ
Atrophie: früh und ausgeprägt
Faszikulationen möglich
Ursachen: PNP, GBS, BSV, Trauma
💭 Bewusstseinsstörungen
BegriffDefinition
BenommenheitLeichte Verlangsamung, orientiert und kooperativ
SomnolenzSchläfrig, schwer ansprechbar, aber WECKBAR – PRÜFUNGSKLASSIKER!
SoporTiefer Schlaf, nur auf starke Schmerzreize kurz erweckbar
KomaNicht erweckbar, keine Reaktion auf Schmerzreize
DelirAkute Bewusstseinsstörung + Desorientierung + Halluzinationen + Agitiertheit. NICHT chronisch! Reversibel! (≠ Demenz)
Somnolenz = „schläfrig, schwer ansprechbar, aber WECKBAR" – wird wortgleich geprüft! Delir ≠ Demenz: Delir = akut/reversibel/Bewusstsein eingetrübt. Demenz = chronisch/progredient/Bewusstsein klar.
Kapitel 20 · Prüfungsvorbereitung
Altprüfungs-Hits & Quiz
Die häufigsten Fragen, häufigsten Fehler, wichtigste Übersichtstabellen
🏆 Top-10 Prüfungsklassiker Nervensystem
1
Reflexsegmente: BSR/RPR = C5/C6 · TSR = C7/C8 · PSR = L3/L4 · ASR = S1/S2. Muss sitzen!
2
Apoplex-Lateralität: Rechte Hirnhälfte → linke Körperseite gelähmt (Kreuzung Pyramidenbahn im Hirnstamm)
3
Parkinson: Ruhetremor (!) + Rigor (Zahnradphänomen) + Akinese. Pathologie: Substantia nigra, Dopaminmangel, Lewy-Körperchen
4
Epiphyse = Melatonin (nicht ADH, nicht TSH!). Liegt im Zwischenhirn.
5
Somnolenz = schläfrig, schwer ansprechbar, aber WECKBAR
6
Fazialisparese: Peripher = ganze Seite (Stirn + unten), Bell-Phänomen. Zentral (Apoplex) = nur unten, Stirn ok
7
Babinski = Dorsalextension Großzehe = Pyramidenbahnzeichen. Beim Erwachsenen immer pathologisch!
8
Anterograde Amnesie = Lücke NACH dem Trauma. Retrograde = DAVOR. Klassischer Prüfungstrick!
9
N. recurrens (Ast des N. vagus, X) → Heiserkeit nach Schilddrüsen-OP!
10
Kornealreflex: Afferent = V (Trigeminus), Efferent = VII (Facialis). Zunge = XII (zur kranken Seite!)
⚠️ Häufigste Fehler in der Prüfung
Zungenkeil beim Anfall
FALSCH! Niemals. Verletzt Zähne und Finger, verhindert Biss nicht
TIA = harmlos
FALSCH! TIA = dringender Warnhinweis auf Apoplex. Sofortige Abklärung!
Parkinson = Intentionstremor
FALSCH! Parkinson = RUHETREMOR. Intentionstremor = Kleinhirn / MS
Alzheimer: Altgedächtnis zuerst
FALSCH! Neugedächtnis (Hippocampus) zuerst gestört. Altgedächtnis lange erhalten!
ALS = Demenz
FALSCH! Bei ALS bleibt der Intellekt erhalten. Motorisches System betroffen
LP bei Hirndruck
KONTRAINDIZIERT! Herniation möglich → Tod. HP macht generell keine LP
Lucid interval = SAB
FALSCH! Lucid interval = Epiduralhämatom (kurze BL → symptomfrei → erneute Eintrübung)
GBS = Querschnitt
GBS = aufsteigend peripher (schlaff, PNS). Querschnitt = schlaff akut → spastisch chronisch (ZNS)
📋 Die großen Vier im Überblick
ParkinsonMSAlzheimerChorea Huntington
PathologieDopaminmangel, Substantia nigra, Lewy-KörperchenAutoimmun, Demyelinisierung ZNSAmyloid-Plaques, Tau-Protein, HippocampusStriatum-Degeneration, CAG-Repeat
Alter bei Beginn>50 J.20–40 J.>60 J.35–50 J.
LeitsymptomRuhetremor, Rigor, AkineseSchübe + Remissionen, Optikusneuritis, Uthoff/LhermitteNeugedächtnisstörung (Hippocampus!)Chorea (Hyperkinesie), Demenz, Depression
Heilbar?NeinNeinNeinNein
BesonderheitRuhetremor! Mikrografie, ZahnradJunge Frau, PNS nicht betroffenAltgedächtnis lange erhalten50% erblich, Suizidrisiko!
🎯 Letzte Quiz-Runde
Ein 80-jähriger Patient ist schläfrig, schwer ansprechbar, aber weckbar. Wie nennt man diesen Bewusstseinszustand?
A
Koma
B
Sopor
C
Somnolenz
D
Delir
Richtig: Somnolenz. Definition: Schläfrig, schwer ansprechbar, aber WECKBAR. Prüfungsklassiker! Sopor = nicht durch Ansprechen erweckbar, nur kurz auf starke Schmerzreize. Koma = gar nicht erweckbar.
Welche Aussage zur Subarachnoidalblutung (SAB) ist richtig?
A
Die Blutung liegt zwischen Schädelknochen und Dura mater
B
Typisch ist ein langsam zunehmender Kopfschmerz
C
Schlagartig einsetzender vernichtender Kopfschmerz und Meningismus sind typisch
D
Häufigste Ursache ist ein subdurales Hämatom
Richtig: C. SAB = ‚Donnerschlag-Kopfschmerz' – schlimmster Kopfschmerz des Lebens, schlagartig einsetzend + Meningismus. Zwischen Knochen und Dura = Epiduralhämatom. Häufigste SAB-Ursache = Aneurysmablutung (80%).
Das Zahnradphänomen beim passiven Bewegen des Unterarms ist typisch für …
A
Multiple Sklerose
B
Morbus Parkinson
C
Morbus Alzheimer
D
Chorea Huntington
Richtig: B. Das Zahnradphänomen ist das klinische Zeichen des Rigors bei Morbus Parkinson. Beim passiven Bewegen gibt die Muskulatur ruckartig nach – wie ein Zahnrad. Kein anderes Krankheitsbild zeigt dieses Zeichen.
ASR (Achillessehnenreflex) fehlt. Der Patient hat Brennen und Kribbeln an beiden Füßen (burning feet). Welche Erkrankung ist wahrscheinlich?
A
Morbus Parkinson
B
Diabetische Polyneuropathie
C
Multiple Sklerose
D
Guillain-Barré-Syndrom
Richtig: B. Diabetische PNP: Zuerst sensibel distal (burning feet), ASR als erster Reflex ausgefallen! Symmetrisch, Strumpfmuster. Bei GBS: akut + aufsteigend + nach Infekt. MS: Schübe + ZNS. Parkinson: motorische Erkrankung.